Zankapfel Toilette

Die Obama-Administration will mehr Rechte für Transsexuelle, die Republikaner lehnen dies ab. Diese Kontroverse könnte zum Wahlkampfthema werden.

Ein Hotel im Bundesstaat North Carolina trotzt dem Gesetz. Dieses zwingt Transgender in öffentlichen Gebäuden, jene Toiletten zu benutzen, die mit dem Geschlechtsvermerk in ihrer Geburtsurkunde übereinstimmen.

Ein Hotel im Bundesstaat North Carolina trotzt dem Gesetz. Dieses zwingt Transgender in öffentlichen Gebäuden, jene Toiletten zu benutzen, die mit dem Geschlechtsvermerk in ihrer Geburtsurkunde übereinstimmen. Bild: Jonathan Drake/Reuters

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Die Regierung Obama und eine Mehrheit von Demokraten befürworten, dass Transsexuelle öffentliche Toiletten im Einklang mit ihrer Geschlechteridentität benützen können. Republikaner und sozial konservative Amerikaner empfinden dies hingegen als eine Zumutung. Hatte sich die amerikanische Debatte über Toiletten und Transgender bereits erheblich verschärft seit der Verabschiedung eines Gesetzes im Staat North Carolina, das Transsexuelle verpflichtet, Toiletten gemäss ihrem bei der Geburt festgestellten Geschlecht aufzusuchen, so könnte die Kontroverse jetzt zum Thema im amerikanischen Wahlkampf werden.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine neue Direktive der Obama-Administration, wonach transsexuelle Schüler in öffentlichen Schulen die Toilette ihres angenommenen Geschlechts benützen dürfen. Justizministerin Loretta Lynch erklärte bei der Bekanntgabe der Richtlinien in der vergangenen Woche, es gebe «keinen Platz für Diskriminierung in unseren Schulen». Zwar ist die Direktive nicht bindend, doch könnte die Washingtoner Regierung Schulen, die sich nicht an sie halten, Zuschüsse des Bundes streichen.

Transsexuelle müssen beschützt werden

Das konservative Lager war empört: «Die Regierung Obama hat soeben die traditionelle öffentliche Schule zerstört», reagierte das republikanische Magazin «National Review». Der stellvertretende texanische Gouverneur Dan Patrick schwor umgehend, Texas werde sich «dieser Erpressung nicht beugen», Obama könne «seine 30 Silberlinge behalten». Mehrere von Republikanern regierte Bundesstaaten wie Utah und Alabama erwägen Klagen gegen die Richtlinie, der texanische Senator Ted Cruz beschuldigte die Regierung Obama sogar, sie lasse erwachsene Männer «in die Toiletten kleiner Mädchen».

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump zeigte sich dagegen gelassen: Bei Transsexuellen handle es sich zwar um «einen sehr, sehr kleinen Teil der Bevölkerung, aber jeder muss geschützt werden, egal wie klein seine Gruppe ist». Trump schlug vor, die Entscheidung über die Benutzung öffentlicher Toiletten durch Transsexuelle den Einzelstaaten zu überlassen.

Konservative lehnen Homoehe ab

Während viele Demokraten und besonders jüngere Amerikaner die Rechte von Schwulen, Lesben und Transsexuellen als Teil der amerikanischen Bürgerrechtstradition begreifen, wird sowohl die Homoehe als auch die Festschreibung von Rechten für Homo- und Transsexuelle von einer Mehrheit konservativer Wähler abgelehnt. Beim Präsidentschaftswahlkampf 2004 hatte George W. Bushs Stratege Karl Rove dies genutzt und Wahlinitiativen gegen die Homoehe in elf Bundesstaaten unterstützt. Rove kalkulierte, dass die Referenden die Wahlbeteiligung christlicher Wähler erhöhen und Präsident Bushs Siegeschancen erleichtern würden.

Tatsächlich passierten die Referenden in allen elf Staaten, besonders im wichtigen Staat Ohio stieg die Wahlbeteiligung wertkonservativer Amerikaner an. Rove verneinte im Anschluss an Bushs Wahlsieg, dass er die Initiativen orchestriert habe. Ken Mehlman, der Wahlkampfmanager des Präsidenten, bestätigte jedoch, dass der Stratege mit Republikanern in den Einzelstaaten zusammengearbeitet habe, «um zu gewährleisten, dass auf den Wahlscheinen im November Initiativen gegen Homosexuelle waren».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2016, 20:22 Uhr

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