Schwerster Anschlag seit Jahren tötet 200 Menschen in Bagdad

In der irakischen Hauptstadt detonierten kurz nacheinander zwei gewaltige Bomben. Zu einem der Angriffe bekannte sich die Terrormiliz IS.

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Die Zahl der Todesopfer nach dem Selbstmordanschlag im Zentrum von Bagdad hat sich auf mindestens 292 erhöht. Das teilte das irakische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Zuvor war von mindestens 213 Toten die Rede gewesen. Die Gesundheitsministerin Adila Hammoud erklärte, die Identität von 177 Toten müsse noch bestimmt werden. 115 Tote seien ihren Angehörigen übergeben worden.

Die Attacke, zu der sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte, war eine der opferreichsten in mehr als zehn Jahren Krieg im Irak. Dass der IS trotz seiner Verluste auf dem Schlachtfeld wie zuletzt etwa in Falludscha zu solchen Anschlägen in der Lage ist, setzte auch den ohnehin angeschlagenen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi zunehmend unter Druck. Er ordnete eine Reihe neuer Sicherheitsmassnahmen für Bagdad an.

Korruptionsverdacht bei Kauf von Detektoren

Unter anderem verfügte Al-Abadi, dass die von einer britischen Firma hergestellten Bombensuchgeräte der irakischen Sicherheitskräfte aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Eine Untersuchung über angebliche Korruption bei der Vergabe des Auftrags an den britischen Hersteller ATSC werde neu aufgerollt, erklärte Al-Abadi. Ausserdem sollten Metalldetektoren auch an den Provinzgrenzen eingerichtet werden, rund um die Hauptstadt solle am Boden und aus der Luft intensiver nach möglichen Selbstmordattentätern gesucht werden.

Zahl der Opfer steigt: Zwei Autobomben in Bagdad. (Video: Reuters)

Die Autobombe war in der Nacht zum Sonntag im belebten und vor allem von Schiiten bewohnten Bagdader Einkaufsviertel Karada detoniert. Zu dem Zeitpunkt waren immer noch viele Menschen auf den Strassen, die nach Sonnenuntergang ihr tägliches Fasten während des Ramadans beendet hatten. Angrenzende Häuser wurden durch die Wucht der Explosion und ein Feuer fast vollständig zerstört.

Menge beschimpft Ministerpräsidenten

Ihre Trauer und ihre Wut richteten viele Iraker gegen Al-Abadi, der Stunden nach dem Attentat den Tatort besuchte. In Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie er von einer aufgebrachten Menge beschimpft wurde. Steine, Benzinkanistern und Schuhen flogen auf seinen Konvoi.

In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Protesten gegen Al-Abadi gekommen. Regierunsgegner und Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr stürmten unter anderem das Bagdader Regierungsviertel, die sogenannte Grüne Zone. Sie warfen Al-Abadi vor, trotz gegenteiliger Versprechen nichts gegen Gewalt und Korruption im Land zu unternehmen. (chi/fal/sda/afp)

Erstellt: 04.07.2016, 14:46 Uhr

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