Muss Ai Weiwei für lange Zeit hinter Gitter?

Dem chinesischen Künstler und Bürgerrechtler droht nach Einschätzung von Freunden eine lange Haftstrafe. Über seinen Verbleib schweigen die Behörden des Landes.

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«Wir müssen damit rechnen, dass es für ihn ähnlich ausgeht wie für Liu Xiaobo», sagte der in München lebende chinesische Autor Zhou Qing dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht. Der Friedensnobelpreisträger Liu wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt.

Der im Hongkonger Exil lebende Dissident Jin Zhong sagte dem «Focus», die Verhaftung sei eine Warnung an alle. Die chinesische Führung sei durch die Unruhen im arabischen Raum und die darauf folgenden Proteste in Shanghai und Peking augenblicklich «total verunsichert». Auch die Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu im vergangenen Jahr spiele bei der Verhaftung von Ai Weiwei eine Rolle.

Rekrutierungsversuch vom Geheimdienst?

Nach Angaben eines anonymen Pekinger Freundes von Ai Weiwei, soll der chinesische Geheimdienst den Künstler vor seiner Verhaftung zur Kooperation aufgefordert haben. «Sie haben ihm sogar versprochen, er könne einen Platz in der Konsultativkonferenz bekommen», sagte er dem «Focus». Die Zugehörigkeit zu der Konferenz gilt als prestigeträchtig.

Keine Auskunft von chinesischen Behörden

Zwei Beamte hatten Ai Weiwei am 3. April am Pekinger Flughafen weggeführt, gegen ihn laufen Ermittlungen wegen des «Verdachts einer Wirtschaftsstraftat». Fast eine Woche nach der Festnahme des chinesischen Künstlers und Aktivisten Ai Weiwei hat seine Familie immer noch keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.

Ais Schwester Gao Ge sagte am Samstag, man habe ihr auf dem örtlichen Polizeirevier lediglich gesagt, es gebe keine neuen Informationen über den Fall. Ein Grund für die Festnahme sei der Familie nicht mitgeteilt worden. (raa/dapd)

Erstellt: 09.04.2011, 11:18 Uhr

In grosser Sorge: Gao Ge, die Schwester des Künstlers, am 9. April vor Journalisten in Pekinig. (Bild: Keystone )

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