Warum hat Japan die Rakete nicht abgeschossen?

Erneut hat Nordkorea mit einem Raketenabschuss provoziert. baz.ch/Newsnet beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Zum ersten Mal seit 2009 ist eine nordkoreanische Rakete über Japan geflogen. Was ist über den Abschuss bekannt?

Um 6.06 Uhr hat die Rakete den Osten der nördlichen japanischen Insel Hokkaido überflogen und um 6.12 Uhr ist sie 1180 Kilometer weiter östlich in den Pazifischen Ozean gestürzt sein, wie «NHK News» berichtet.

Nordkorea hat die Rakete ohne Ankündigung abgefeuert. Das nordkoreanische Militär bestätigte den Start. Man habe eine Rakete in Richtung Japanisches Meer abgefeuert. Sie habe eine Höhe von 550 Kilometern erreicht und sei 2700 Kilometer weit geflogen. Es wurde vermutet, dass bisher keine der getesteten Raketen so weit reichte wie diese, südkoreanische Behörden bestätigten das jedoch nicht.

Menschen sehen sich auf einem öffentlichen Bildschirm in Tokio eine Grafik an, die die Flugbahn der Rakete zeigt. (29. August 2017) Bild: Kazuhiro Nogi

Welche Auswirkungen hatte der Abschuss auf die japanische Bevölkerung?

Am Dienstagmorgen ist die Bevölkerung im Norden Japans vom japanischen Alarmsystem «J-Alert» gewarnt worden. Das satellitenbasierte Warnsystem zeigte an, dass um 5.58 Uhr eine Rakete abgefeuert worden ist. Die Menschen auf Hokkaido sind aufgefordert worden, Schutz zu suchen. Eine Frau berichtet der Zeitung «Asahi Shimbun», sie habe eine Warnung auf ihrem Mobiltelefon erhalten, die sie dazu aufgefordert habe, in ein stabiles Gebäude zu flüchten. «Ich hatte keine Ahnung, ob mein Haus stabil genug ist oder ob ich in eine Zivilschutzunterkunft gehen muss.»

«Rakete fliegt vorbei, Rakete fliegt vorbei»

Noch nie zuvor wurden so viele Japaner durch das Alarmsystem gewarnt. Es schlug Alarm in zwölf Präfekturen. Der Zugverkehr auf Hokkaido ist für 20 Minuten eingestellt worden. Betroffen war auch der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Die öffentlichen Schulen auf Hokkaido sind geschlossen worden.

Laut der japanischen Atomaufsichtsbehörde habe der Raketenstart keinen Einfluss auf Atomkraftwerke gehabt.

Eine Frau sieht sich die Meldung des Warnsystems «J-Alert» an. (29. August 2017) Bild: Keystone/Kazuhiro Nogi

Die Bevölkerung im Norden des Landes wurde per SMS gewarnt. «Rakete fliegt vorbei, Rakete fliegt vorbei», hiess es in einer Textnachricht. Zugfahrer sahen auf Anzeigetafeln den Hinweis: «Alle Verbindungen gestört. Grund: Ballistische Rakete gestartet.» Berufspendler in der nördlichen Millionenstadt Sapporo suchten deshalb Zuflucht in U-Bahn-Stationen.

Warum hat Japan die Rakete nicht abgeschossen?

Japan hatte in der Vergangenheit angekündigt, nordkoreanische Raketen abzuschiessen, die eine Bedrohung japanischen Territoriums darstellten. Bei dem rund zweiminütigen Überflug der Rakete am Dienstag sei die Armee jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass keine Gefahr für japanisches Gebiet bestehe, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera.

Wie hat Japan auf den Raketenabschuss reagiert?

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe sprach von einer «beispiellosen und ernsthaften» Bedrohung. Er forderte eine UN-Sondersitzung. Er werde sich für mehr Druck gegen Pyongyang aussprechen, erklärte Abe. Japan sei bereit, gemeinsam mit den USA auf alle Situationen zu reagieren und die Sicherheit der Menschen zu schützen.

Japans Premierminister Shinzo Abe fordert eine UN-Sondersitzung. (29. August 2017) Bild: Keystone

Wie war die Reaktion anderer Länder?

Südkorea reagiert mit einer Militärübung. Kurz nach dem nordkoreanischen Raketentest warfen vier F-15-Kampfflieger testweise acht MK-84-Freifallbomben auf einem Feld in Südkorea ab. Der Sicherheitsdirektor Chung Eui Yong telefonierte zudem mit US-Präsidenten Donald Trumps Sicherheitsberater, Herbert Raymond McMaster, um über den nordkoreanischen Raketentest zu sprechen.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben nach Einschätzung der Volksrepublik China einen «Wendepunkt» erreicht. Eine Sprecherin des Aussenministeriums in Peking forderte Zurückhaltung nach dem nordkoreanischen Raketenabschuss vom Dienstag. Peking rufe nach wie vor zu Friedensgesprächen auf. «Druck und Sanktionen» gegen Pyongyang könnten den Konflikt «nicht grundlegend lösen».

Russland hat sich «extrem besorgt» gezeigt. Die Lage habe die «Tendenz zur Eskalation», sagte der russische Vize-Aussenminister Sergej Riabkow am Dienstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. «Wir sind extrem besorgt über die allgemeine Entwicklung», sagte er demnach. (oli)

Erstellt: 29.08.2017, 12:30 Uhr

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