Wir übersetzen: Das steht im Abkommen

Ein Foto des unterzeichneten Dokuments zeigt, worauf sich Kim Jong-un und Donald Trump geeinigt haben.

Von den Kameras eingefangen: Donald Trump hält das unterzeichnete Abkommen in die Höhe. Bild: AFP

Von den Kameras eingefangen: Donald Trump hält das unterzeichnete Abkommen in die Höhe. Bild: AFP

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Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und der amerikanische Präsident Donald Trump haben beim historischen Gipfel in Singapur ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet. Fotografen ist es gelungen, eine Nahaufnahme des Dokuments (hier vergrössert anschauen) zu machen. Das steht in der Vereinbarung:

«Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un haben einen umfassenden, detaillierten und aufrichtigen Dialog geführt über die Aufnahme neuer Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea sowie den Aufbau einer nachhaltigen und stabilen Friedensregelung auf der Koreanischen Halbinsel. Präsident Trump hat sich verpflichtet, Nordkorea Sicherheitsgarantien bereitzustellen, und der Vorsitzende Kim Jong-un hat nochmals sein unerschütterliches Engagement für eine komplette Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel bekräftigt.»

Bedeutung: Was genau diese Sicherheitsgarantien seitens der USA bedeuten und ob es um militärische und aussenpolitische Zusammenarbeit geht oder eher um die Sicherung von Kims Macht, ist nicht klar.

«In der Überzeugung, dass die neuen Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea zu Frieden und Wohlstand auf der Koreanischen Halbinsel und der Welt beitragen und dass der Aufbau gegenseitigen Vertrauens die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel fördern kann, erklären Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un Folgendes:»

«1. Die USA und Nordkorea verpflichten sich, neue Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu etablieren, in Einklang mit dem Wunsch der Völker beider Länder nach Frieden und Wohlstand.»

«2. Die USA und Nordkorea werden gemeinsam versuchen, eine starke und nachhaltige Friedensregelung auf der Koreanischen Halbinsel aufzubauen.»

«3. Als Bestätigung der Panmunjom-Vereinbarung vom 27. April 2018 verpflichtet sich Nordkorea nochmals, auf eine vollständige Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten.»

Bedeutung: Mit der Vereinbarung vom 27. April ist das historische Treffen zwischen Südkoreas Staatschef Moon Jae-in und Kim Jong-un gemeint, als der nordkoreanische Machthaber eine Denuklearisierung seines Landes in Aussicht stellte. Auffällig ist laut der «Süddeutschen Zeitung», dass in der Formulierung von Trump und Kim konkrete Vorgaben dazu fehlen, wie die Abrüstung umgesetzt werden soll – und wie sie kontrolliert wird. Ein Zeitplan ist ebenfalls nicht in dem Dokument enthalten.


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«Das ist die Sprache, die in der nuklearen Frage von Pyongyang bevorzugt wird, nicht von Washington», sagte Adam Mount von der Federation of American Scientists zu «Bloomberg». Nordkorea weigere sich, erste Schritte festzulegen oder einen konkreten Zeitplan aufzustellen.

Wichtig könnte aber der Hinweis auf die «Koreanische Halbinsel» sein. Das würde Südkorea mit einschliessen, wo auch US-Truppen stationiert sind.

«4. Die USA und Nordkorea verpflichten sich zur Bergung der Überreste von POW/MIA, einschliesslich der unverzüglichen Rückführung von denen, die bereits identifiziert sind.»

Bedeutung: Hier geht es um den Austausch sterblicher Überreste von Soldaten des jeweils anderen Landes, die im Koreakrieg (1950–1953) gekämpft haben. Dieser wurde 2005 eingestellt, nachdem sich die Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea zunehmend verschlechterten.

«In Anerkennung, dass das Treffen zwischen den USA und Nordkorea – das erste in der Geschichte – ein historisches Ereignis von grosser Bedeutung war, um die jahrzehntelangen Spannungen und Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern zu überwinden und eine neue Zukunft zu ermöglichen, verpflichten sich Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un, die Bestimmungen dieses gemeinsamen Abkommens vollständig und rasch umzusetzen. Die USA und Nordkorea einigen sich, unter der Leitung von US-Aussenminister Mike Pompeo und eines hochrangigen nordkoreanischen Vertreters zum frühestmöglichen Zeitpunkt Folgeverhandlungen zu führen, um die Ergebnisse des Gipfels zwischen den USA und Nordkorea umzusetzen.»

Analyse: Donald Trump und Kim Jong-un bleiben aus Sicht der meisten Beobachter sehr oberflächlich in ihrem gemeinsamen Abkommen. «Das sind alles sehr nette Worte, aber wenig Details», meint «Bloomberg». Der Sender CNN spricht von «übertriebenen Erklärungen einer neuen Freundschaft, aber nur vagen Versprechen einer nuklearen Abrüstung.»

Video: Die Unterzeichnung des Dokuments

«Die USA und Nordkorea verpflichten sich, eine neue Beziehung zwischen den beiden Ländern zu etablieren»: Donald Trump und Kim Jong-un setzen ihre Unterschrift unter die Vereinbarung. (Tamedia-Webvideo/Agenturen) (wig.)

Erstellt: 12.06.2018, 09:02 Uhr

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