Macron – das Pferd, das den Drachen besiegt

Emmanuel Macron versucht sich in China als neuen Führer Europas zu positionieren. Ein Pferd soll ihm dabei helfen.

Setzen auf «Soft Power»: Die Macrons posieren bei der Ankunft in China mit zwei Kindern für die Presse.

Setzen auf «Soft Power»: Die Macrons posieren bei der Ankunft in China mit zwei Kindern für die Presse. Bild: Iudovic Marin/Keystone

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Zum Auftakt seines ersten Besuches in China hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron heute in einer Rede in Xi'an in Westchina besonders den Klimaschutz und die chinesische Initiative für den Bau einer «neuen Seidenstrasse» mit Handelskorridoren nach Europa hervorgehoben.

Als erste Station seines dreitägigen Besuchs hatte sich Macron bewusst die alte Kaiserstadt ausgesucht, die einst Ausgangspunkt der antiken «Seidenstrasse» war. Am Nachmittag traf Macron in Peking ein, wo ein privates Abendessen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping und den Ehefrauen auf dem Programm stand.

Die Krise um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm, die angespannte Lage im Iran sowie die bilaterale Wirtschaftskooperation stehen im Mittelpunkt seines Staatsbesuches, der am Dienstag im formellen Rahmen fortgesetzt wird. Es wurde erwartet, dass zahlreiche Wirtschaftsabkommen unterzeichnet werden, darunter auch über die Lieferung von Airbus-Flugzeugen.

China soll seine Macht ausspielen

Vor seinem Besuch tauschte sich Macron am Telefon mit US-Präsident Donald Trump über Nordkorea und den Iran aus. Dabei habe Trump die internationale Entschlossenheit unterstrichen, eine Beseitigung der Atomwaffen in Nordkorea zu erreichen, wie das Weisse Haus mitteilte.

Beide stimmten auch überein, dass die Demonstrationen im Iran «ein Zeichen für das Versagen des iranischen Regimes sind, den Bedürfnissen seines Volkes nachzukommen», indem es den Reichtum des Landes umleite, um Terrorismus und Gewalt im Ausland zu finanzieren.

Am Ausgangspunkt der Seidenstrasse: Die Macrons besuchen die Terrakotta-Krieger. Foto: AFP / Mark Schiefelbein

In der Nordkorea-Krise hofft Macron auf die Wirkung der Sanktionen. «Ich erwarte viel von dem unerlässlichen Druck, den China auf Nordkorea ausüben kann, um es zu einem Kurswechsel zu ermutigen», sagte Macron in einem Interview, das die offizielle Webseite china.org zum Besuchsauftakt in Xi'an veröffentlichte, wo Macron mit seiner Frau Brigitte auch die Terrakotta-Soldaten besuchte.

Macron will «ausgewogene Partnerschaft»

Macron unterstrich sein Interesse an einer französischen und europäischen Beteiligung an der geostrategischen Initiative von Xi Jinping für die «neue Seidenstrasse». Ungeachtet der von anderen geäusserten Bedenken über Chinas aussenpolitische Ambitionen und der Einhaltung internationaler Standards sagte Macron, Frankreich wolle «eine führende Rolle spielen». Es sei ein «sehr wichtiges Vorhaben». Beide Seiten sollten konkrete Projekte zur Umsetzung identifizieren.

Während China schon wegen der vornehmlich mit chinesischen Milliarden finanzierten Initiative die Führungsrolle beansprucht, plädierte Macron für eine «ausgewogene Partnerschaft, in der die Finanzierungsregeln mit unseren Standards und dem übereinstimmen, was wir gemeinsam anstreben».

Angesichts des grossen Defizits im Handel mit China, das für rund 30 Milliarden Euro mehr nach Frankreich exportiert, als dieses nach China liefert, wollte sich Macron in Peking auch für mehr Marktzugang und einen Abbau der Handelsungleichgewichte einsetzen.

Menschenrechtsorganisationen forderten Macron auf, auch Fälle von Bürgerrechtlern, die Religionsfreiheit und die Verfolgung der in Nordwestchina lebenden muslimischen Uiguren anzusprechen. Er solle sich auch für die Freilassung von Liu Xia, der unter Hausarrest stehenden Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, einsetzen.

Macrons «Ross-Diplomatie» in China

Auf die chinesische «Panda-Diplomatie» hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine ganz eigene Antwort gefunden: Er schenkt dem chinesischen Staatschef Xi Jinping ein Pferd.

Damit wolle Macron die «freundschaftlichen Verbindungen» zu China unterstreichen, hiess es heute am Rande des Treffens der beiden Politiker in Peking aus der Entourage Macrons.

Auf Mandarin wird Macron «Makelong» genannt - das heisst übersetzt «Das Pferd, das den Drachen besiegt». Der geschenkte Gaul heisst Vésuve de Brekka. Er gehörte bis zum Herbst zur Republikanischen Garde Frankreichs, von der sich Xi bei einem Paris-Besuch im Jahr 2014 «fasziniert» zeigte.

Zunächst erhält Xi nur ein Foto des acht Jahre alten Braunen. Denn das Pferd ist noch in Quarantäne, bevor es in den Stall des chinesischen Präsidenten übersiedeln kann. Macrons «Ross-Diplomatie» spielt auf die chinesische «Panda-Diplomatie» an – die Volksrepublik bekundet ihre Freundschaft mit anderen Ländern regelmässig durch kostspielige Leihgaben von Pandabären.

Im Sommer hatte Xi dem Berliner Zoo das Panda-Pärchen Meng Meng und Juao Qing übergeben. Im französischen Zoo von Beauval lebt die Leih-Bärin Huan Huan. Sie gebar vor rund fünf Monaten das Junge Yuang Meng, dessen «Patentante» Macrons Frau Brigitte ist.


Bilder: Tierische Politik

(sda)

Erstellt: 08.01.2018, 21:15 Uhr

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