Trumps Propaganda-Video für Kim sorgt weltweit für Lacher

«Zwei Männer, ein Schicksal»: Diesen Trailer zeigte der US-Präsident auf seinem iPad Kim Jong-un. Eine Ver­äp­pe­lung folgte sogleich.

Viel Pathos: Ausschnitte aus dem Film der US-Regierung zum historischen Gipfeltreffen mit Nordkorea in Singapur. (Video: Tamedia/The White House)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nur wenige Menschen treffen Entscheidungen, die den Lauf der Welt verändern. Nur wenige können etwas bewegen. Destiny Pictures präsentiert: Die Geschichte einer einmaligen Chance, eines Neuanfangs. Zwei Männer, zwei Anführer, ein Schicksal.»

Nein, das ist kein Trailer eines neuen Hollywood-Blockbusters und auch kein Fake oder eine Parodie, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Die Szenen stammen aus einem Video, das vom Weissen Haus produziert wurde. US-Präsident Donald Trump spielte es Kim Jong-un und weiteren Vertretern aus Nordkorea beim Gipfeltreffen in Singapur auf einem iPad vor. Das Weisse Haus veröffentlichte das Filmmaterial später auf Facebook. Wir wissen also, dass es echt ist.

Auch bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche in Singapur wurde es gezeigt. Die Anwesenden dachten laut «Washington Post» zunächst, es handle sich um einen Propagandafilm aus Pyongyang. Zu befremdlich ist die Botschaft, zu irritierend sind die Bilder, die Kim und Trump als Helden zeigen.

«Aus der Dunkelheit kommt Licht und das Licht der Hoffnung kann hell scheinen.»Aussage im Film

Das rund vier Minuten lange Video trieft vor Pathos. Und es fällt auf, wie stark es auf die Interessen und Vorlieben von Kim Jong-un zugeschnitten ist. Der nordkoreanische Machthaber gilt als grosser Filmfan, soll ein Privatkino und eine riesige DVD-Sammlung besitzen. Die amerikanische Regierung inszenierte das Video deshalb bewusst im Stil eines Kinofilm-Trailers. Auch Szenen wie jene mit einer Jacht und einem Slamdunk dürfen nicht fehlen, da Kim bekanntlich Luxus und Basketball liebt.

Dem Machthaber Nordkoreas wird aufgezeigt, dass er zwei Möglichkeiten habe: Wenn er «die Hand des Friedens» (Bild von Trump) schüttle, könne er der Held seiner Bevölkerung werden und seiner Nation Wohlstand und Reichtum bringen. Es werden boomende Städte, Paketdrohnen und glückliche Menschen gezeigt. Wenn er den anderen Weg einschlage, drohten Krieg und Armut. «Ein grossartiges Leben oder mehr Isolation – welcher Weg wird es sein?», fragt die Erzählstimme, unterlegt von dramatischer Musik.

«Ich glaube, Kim hat den Film geliebt.»Donald Trump

Nach Angaben des Weissen Hauses sollte der nordkoreanische Machthaber mithilfe des Trailers davon überzeugt werden, einen Deal mit Trump abzuschliessen. Es existiert eine englische und eine koreanische Version. Der US-Präsident gab sich in Singapur denn auch überzeugt, dass das Video die gewünschte Wirkung entfaltet habe. «Ich glaube, er hat es geliebt», sagte er über den Moment, als er Kim den Film präsentierte.

Bei Beobachtern und Medien kommt der Film hingegen weniger gut an. Auf Social Media machen sich viele darüber lustig. Das Video wird zudem wahlweise als «Schwachsinn», «absurd» oder «lächerlich» bezeichnet. Trump schmeichle Kim doch nur, wenn er ihn so darstelle, lautet eine oft gehörte Kritik.

Der englische «Guardian» bezeichnet den Film als «bizarr», die «Süddeutsche Zeitung» spricht von «irrwitziger Propaganda». Noch weiter geht die «New York Times», die gleich eine eigene, satirische Version des Videos produzierte.

Macht sich mit einer eigenen Version über den Film lustig: Die «New York Times». (Video: nyt.com)

Man könne kaum glauben, dass es wirklich passiert sei. «Aber Trump hat tatsächlich einen gefakten Film-Trailer gemacht, um mit einer echten nuklearen Bedrohungen fertig zu werden», sagt die «New York Times» und greift damit eine Frage auf, die sich viele stellen: Ist das die neue Sprache der Politik? Show und Pathos statt Inhalte?

Im Video heisst es, die Produktionsfirma Destiny Pictures sei für den Trailer verantwortlich. In Los Angeles gibt es tatsächlich ein Unternehmen mit diesem Namen, Inhaber Mark Castaldo sagte allerdings: «Wir hatten mit diesem Film nichts zu tun. Propaganda, all diese Sachen, das ist nichts, was wir machen würden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 10:37 Uhr

Artikel zum Thema

«Ein 1:0 oder sogar ein 2:0-Sieg für Kim»

Russland, China und die EU reagieren positiv auf das historische Abkommen – Experten sind kritischer. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...