«Der Nobelpreis ist auch eine Botschaft an die Schweiz»

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Anti-Atomwaffen-Bewegung Ican in Genf. Die Reaktion von Annette Willi, Präsidentin Ican Schweiz.

Frohe Botschaft aus Oslo nach Genf: Der Friedensnobelpreis ist die höchstmögliche Anerkennung für die internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen.

Frohe Botschaft aus Oslo nach Genf: Der Friedensnobelpreis ist die höchstmögliche Anerkennung für die internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen. Bild: AFP

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Annette Willi war in einer Sitzung an ihrem Arbeitsplatz, als heute Vormittag kurz nach 11 Uhr unzählige SMS und Anrufe auf ihrem Handy eingingen. «In den ersten Sekunden habe ich gar nichts realisiert», sagt sie im Gespräch mit baz.ch/Newsnet. «Ich dachte: Macht da jemand einen Scherz?» Es war aber alles andere als ein Scherz: Die internationale Anti-Atomwaffen-Bewegung Ican, die ihren Hauptsitz in Genf hat, erhält tatsächlich den diesjährigen Friedensnobelpreis. Annette Willi ist Präsidentin von Ican Switzerland. Der 2014 gegründete Verein gehört zu den rund 400 nationalen Organisationen, die eine Koalition zur Abschaffung von Atomwaffen gebildet haben.

Grosse Freude bei Ican: Die Anti-Atomwaffen-Bewegung bekommt den Nobelpreis. Video: Tamedia/SDA

«Es ist nicht unser Preis. Aber ein ganz kleines bisschen haben auch wir mitgewirkt», freut sich die Ican-Aktivistin, die aus Werdenberg (SG) stammt und seit Jahren in Genf lebt und arbeitet. «Wir sind stolz, Teil dieser grossen Bewegung zu sein, die schon viel erreicht hat und jetzt diese hohe Anerkennung erhält.» Bei Ican habe niemand mit dem Friedensnobelpreis gerechnet. «Aber jetzt sind wir alle überwältigt.» Die 34-Jährige feiert nun mit den Mitstreitern von Ican sowie mit Freunden und Bekannten.

Atomwaffenverbotsvertrag

«Es gibt Möglichkeiten, die Gefahren von Atomwaffen einzudämmen», erklärt Willi. «Dies ist auch die zentrale Botschaft des Friedensnobelpreiskomitees bei seiner Preisvergabe.» Angesichts der angespannten Situation in der internationalen Politik, etwa wegen des Nordkorea-Konflikts, mache es absolut Sinn, eine Anti-Atomwaffen-Bewegung auszuzeichnen und deren Engagement zu ermutigen.

Als Erfolg von Ican erwähnt Willi den Atomwaffenverbotsvertrag. Mehr als 50 Staaten haben vor knapp zwei Wochen den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet. Das Abkommen verpflichtet die Unterzeichner, niemals Atomwaffen zu entwickeln, zu testen oder zu erwerben. Insgesamt 122 Länder hatten die Vereinbarung im Juli mitgetragen. Das Problem an der Sache: Die eigentlichen Atommächte haben das Abkommen boykottiert, Deutschland ebenfalls. Zu den Staaten, die den Atomwaffenverbotsvertrag noch nicht unterzeichnet haben, gehört auch die Schweiz.

Hoffen auf Umdenken des Bundesrats

Laut Willi ist der Friedensnobelpreis 2017 «auch eine Botschaft an die Schweiz». Sie äussert nun die Hoffnung, dass die hohe Anerkennung für Ican vorab beim Bundesrat zu einem Umdenken führt. Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hatte im September mitgeteilt, dass die Evaluierung des Vertragstextes zum Atomwaffenverbot mehrere Monate dauern werde. Zudem müsse klargestellt werden, dass der Vertrag nicht andere Abkommen, etwa den Atomsperrvertrag, gefährde.

«Das Verbot von Atomwaffen führt nicht direkt zu deren Abschaffung», betont Willi.

«Wir sind nicht naiv.» Annette Willi, Präsidentin Ican Schweiz.

Aber ein Verbot könne ein Umdenken bei den Staaten bewirken und ein wichtiger Schritt sein auf dem Weg zur Abschaffung von Atomwaffen, dem grossen Ziel. Ican Switzerland will zusammen mit sieben Partnerorganisationen, wie zum Beispiel der Anti-Atom Verein Klar!Schweiz, die Schweizer Öffentlichkeit über die «katastrophalen humanitären Auswirkungen von Atomwaffen» aufklären.

Für Ican Switzerland arbeitet Willi ehrenamtlich an Abenden und an Wochenenden. Ihre engste Mitstreiterin ist Maya Brehm, mit der sie auch den Schweizer Ican-Ableger mit Sitz in Genf gegründet hatte. Beruflich ist Willi für die Nichtregierungsorganisation Geneva Call tätig, im Bereich Kommunikation/Fundraising. Geneva Call engagiert sich für den Schutz von Zivilpersonen in bewaffneten Konflikten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2017, 16:57 Uhr

«Es ist nicht unser Preis. Aber ein ganz kleines bisschen haben auch wir mitgewirkt»: Annette Willi, Präsidentin von Ican Schweiz.

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