AKW-Unfall nördlich von Basel war gravierender als angenommen

Erst jetzt weiss man, wie dramatisch ein Zwischenfall im französischen AKW Fessenheim wirklich war. Eine normale Abschaltung war bereits unmöglich.

Führt immer wieder zu Schlagzeilen: Das Akw Fessenheim in Frankreich. (Archivbild)

Führt immer wieder zu Schlagzeilen: Das Akw Fessenheim in Frankreich. (Archivbild) Bild: Christophe Karaba/Keystone

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Eine Panne im umstrittenen elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim im April 2014 hat sich einem Bericht zufolge als dramatischer als bislang bekannt herausgestellt. Der Reaktor habe sich vorübergehend nicht mehr richtig steuern lassen, berichtet die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit dem WDR. Die Überschwemmung habe damals eine «Abfolge von technischem Versagen und Chaos» nach sich gezogen.

Normale Abschaltung war bereits unmöglich

Es sei festgestellt worden, dass das Wasser auch in Schaltschränke gelaufen sei. Dadurch sei offenbar eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausser Gefecht gesetzt worden. Das einberufene Krisenteam habe darum entschieden, den Reaktor abzuschalten. Am Ende wurde der Meiler dem Bericht zufolge per Einleitung von Bor ins Kühlsystem heruntergefahren. In der Mitteilung der französischen Atomaufsicht sei von einer solchen Massnahme aber nicht die Rede gewesen.

«Mir ist kein Fall bekannt, wo ein Leistungsreaktor hier in Westeuropa störfallbedingt durch Zugabe von Bor abgefahren werden musste», sagte der Reaktorexperte Manfred Mertins der «SZ». «Das Ereignis zeigt, dass die betriebliche Abschaltung nicht mehr möglich war, sodass andere Mittel in Angriff genommen werden mussten.»

Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs

Die beiden Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen und sind damit die ältesten in Frankreich. Atomkraftgegner und Politiker in Frankreich, Deutschland und der ebenfalls nahe gelegenen Schweiz fordern seit langem die Stilllegung des besonders pannenanfälligen Atomkraftwerks.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte wiederholt versprochen, die am Oberrhein gelegene Anlage noch in seiner bis Mai 2017 laufenden Amtszeit vom Netz zu nehmen. Immer wieder werden aber Zweifel daran laut, dass dies auch wirklich geschehen wird. Im Herbst erklärte die Regierung in Paris, sie werde die Schliessung 2016 zumindest in die Wege leiten.

Auch die deutsche Regierung ist gemäss der Nachrichtenagentur AFP wegen des Atomkraftwerks besorgt. Das AKW sei «antiquitiert» und solle «so schnell wie möglich» geschlossen werden. (mch/AFP)

Erstellt: 04.03.2016, 13:13 Uhr

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