Belgische Polizei verhaftet 15 Terrorverdächtige

Bei dem Anti-Terror-Einsatz im ostbelgischen Verviers haben die Behörden mehrere Waffen sichergestellt. Zwei Jihadisten kamen ums Leben. Heute kam es zu weiteren Festnahmen, auch in Frankreich.

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Bei einem Anti-Terror-Einsatz sind in Belgien 13 und in Frankreich zwei Personen festgenommen worden. Das gaben die belgischen Behörden heute bekannt. Die Festnahmen erfolgten einen Tag nach dem Zugriff der Polizei in der ostbelgischen Stadt Verviers, bei dem zwei mutmassliche Terroristen ums Leben kamen. Richter Eric Van der Sypt sagte, ein Dutzend Durchsuchungen habe zum Fund von vier Waffen im Militärstil geführt, darunter Kalaschnikows.

Eine Woche nach dem Angriff auf «Charlie Hebdo» in Paris sind in Belgien gestern bei einem Antiterroreinsatz zwei mutmassliche Jihadisten getötet worden, ein dritter wurde verletzt. Die Syrien-Rückkehrer hätten einen «grossen Anschlag» auf die Sicherheitskräfte geplant, es habe «unmittelbare Gefahr» bestanden, teilte die Staatsanwaltschaft am Abend mit. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris sei nicht hergestellt. Wie die Nachrichtenagentur AP schreibt, hatten die Verdächtigen einen Anschlag auf Polizeigebäude in der Stadt 125 Kilometer südöstlich von Brüssel geplant, der nur Stunden oder Tage später hätte verübt werden sollen.

Der Zugriff erfolgte gegen 18 Uhr in der ostbelgischen Stadt Verviers, 20 Kilometer von der deutschen Grenze und 30 Kilometer von Aachen entfernt. Als die Spezialkräfte eintrafen, hätten die mutmasslichen Jihadisten «sofort» das Feuer eröffnet, dabei hätten sie Sturmgewehre und andere schwere Waffen eingesetzt, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Eric Van der Sijpt. Es seien aber keine Zivilisten oder Polizisten verletzt worden. Der verletzte Verdächtige habe festgenommen werden können. Die Polizeieinsätze dauerten in der Nacht an. In sozialen Medien berichteten Augenzeugen von Explosionen und Schüssen in Verviers. Das Bahnhofsviertel wurde zeitweise abgeriegelt, auch Krankenwagen waren vor Ort.

Die belgische Polizei nahm über ein Dutzend Extremisten fest. (Video: Reuters)

Insgesamt seien ein Dutzend Razzien durchgeführt worden, in Verviers sowie in Brüssel und Vororten der Hauptstadt, sagte Van der Sijpt. Sein Kollege Thierry Werts ergänzte, rund ein Dutzend mutmassliche Jihadisten hätten der Gruppe angehört, von denen «einige» aus Syrien zurückgekehrt seien. Der Terroralarm wurde auf die dritte von vier Stufen angehoben, die Massnahme gelte für Polizeieinrichtungen und den Justizpalast in Brüssel.

Zwei Männer in Berlin festgenommen

Auch in Berlin fand ein Grosseinsatz gegen Terrorverdächtige statt. Die Berliner Polizei nahm am Freitagmorgen zwei Männer fest. Die 41 und 43 Jahre alten Festgenommenen und drei weitere Männer stehen laut Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei im Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Syrien.

Sie hätten auch für die Terrormiliz Islamischer Staat geworben. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie Anschläge in Deutschland geplant hätten. Durchsucht wurden im Auftrag des Berliner Generalstaatsanwalts elf Wohnungen mit Schwerpunkt in Wedding. Im Einsatz waren 250 Beamte und drei Spezialeinsatzkommandos.

Behörden sind alarmiert

Die belgischen Sicherheitsbehörden waren nach den Anschlägen in Paris mit 17 Todesopfern besonders alarmiert. In Belgien gibt es eine wachsende Islamistenszene, Verviers gilt neben einigen Vororten Brüssels als eine Hochburg. Erst gestern hatte die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in einem Internetvideo mit einem Anschlag in Belgien gedroht, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga meldete. Im Mai hatte ein Islamist bei einem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel vier Menschen getötet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch, ob es weitere Spuren eines der Pariser Attentäter nach Belgien gibt. Es werde die Frage untersucht, ob Amédy Coulibaly, der in Paris fünf Menschen tötete, seine Waffen in Belgien gekauft habe, sagte Van der Sijpt. Gestern war ein Mann aus Charleroi unter dem Verdacht des Waffenhandels festgenommen worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kaufte der Mann das Auto von Coulibalys Partnerin Hayat Boumeddiene, die inzwischen über die Türkei nach Syrien gereist sein soll. Der Anwalt des Verdächtigen bezeichnete Medienberichte als «Hirngespinst», wonach das Auto gegen Waffen eingetauscht worden sei. Eric Van Der Sijpt von der Generalstaatsanwaltschaft stellt klar: «Zu diesem Zeitpunkt ist keine Verbindung zu den Attentaten von Paris hergestellt worden.» Was genau hätte passieren können, wenn die «Gefährder» freies Spiel gehabt hätten, bleibt indes im Ungewissen. Eine neue Pressekonferenz ist für Freitag angekündigt. «Ein Blutbad wurde verhindert», urteilt Laurette Onkelinx, die bis vor kurzem Belgiens Innenministerin war.

Für Verstörung und einen weiteren Polizeieinsatz sorgt derweil im Lauf des Abends ein Mann in einer Brüsseler Metrostation. Er soll «Allah ist gross» gerufen, Drohungen ausgestossen haben und bewaffnet gewesen sein.

Dutzende vor Gericht

In Belgien hat es eine signifikante Zunahme von Aktivitäten radikaler Islamisten gegeben. Nach Angaben der belgischen Behörden sind rund 100 islamistische Kämpfer aus Syrien zurückgekehrt, 170 weitere kämpfen noch in Syrien und dem Irak, wo die Jihadisten-Miliz Islamischer Staat aktiv ist.

In Antwerpen stehen derzeit 46 Personen vor Gericht, die junge Männer für den Kampf von Islamisten im syrischen Bürgerkrieg angeworben haben sollen oder selbst dorthin reisen wollten. Der Prozess ist der bisher grösste gegen mutmassliche Islamisten in Belgien. Das Urteil sollte diese Woche gefällt werden, wurde jedoch um einen Monat verschoben.

Im Mai vorigen Jahres hatte ein aus Frankreich stammender Attentäter zwei Israelis und eine Französin im Jüdischen Museum in Brüssel erschossen. Im September wurden die Sicherheitsvorkehrungen bei der EU-Kommission verschärft, nachdem einem Medienbericht zufolge Anschlagspläne auf deren Hauptgebäude in Brüssel aufgedeckt wurden. (AFP/sda/AP)

Erstellt: 16.01.2015, 12:31 Uhr

Europol-Chef: «Nicht alle Anschläge können gestoppt werden»

Neue Strukturen in radikalislamischen Gruppen erschweren es der Polizei nach Einschätzung von Europol-Chef Rob Wainwright, den Terror in Europa zur Gänze zu verhindern. «Das Ausmass des Problems, das diffuse Wesen des Netzwerks, die Zahl der involvierten Personen macht es auch für sehr gut funktionierende Antiterrorbehörden wie in Frankreich extrem schwierig, jeden Anschlag zu stoppen», sagte Wainwright in einem Interview. Die europäischen Staaten müssten noch enger zusammenarbeiten, damit Attacken wie jene in Frankreich in der vergangenen Woche nicht wieder passierten. Er verwies auch auf die Gefahr durch radikalisierte und im Kampf geschulte Rückkehrer aus Syrien und Irak. Mindestens 2500 und bis zu 5000 Europäer seien dorthin gereist, um sich dem Islamischen Staat oder anderen Terrorgruppen anzuschliessen, sagte Wainwright.

Frankreich will sich durch die Terroranschläge der vergangenen Woche nicht von seinem Kampf gegen Extremisten im Irak und in Nordafrika abbringen lassen. «Wir haben keine Angst», sagte Präsident François Hollande vor Diplomaten mit Blick auf Vergeltungsdrohungen radikaler Gruppen. Frankreich befinde sich in einem Krieg gegen den Terrorismus. «Es ist kein Krieg gegen Religion, es ist ein Krieg gegen Hass», sagte der Staatschef weiter. (sda)

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