Die Zahl der Angriffe auf Journalisten in Europa ist gestiegen

Im letzten Jahre wurden dem Europarat 140 gravierende Übergriffe auf Journalisten in 32 seiner 47 Mitgliedsländer gemeldet.

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Der Europarat hat sich alarmiert über immer massivere Angriffe auf Journalisten und Medien geäussert. Die Pressefreiheit in Europa sei derzeit so «gefährdet wie nie zuvor seit dem Ende des Kalten Kriegs.»

Das stellte die paneuropäische Länderorganisation am Dienstag in einem Bericht fest. Demnach wurden dem Europarat im vergangenen Jahr 140 gravierende Übergriffe auf Journalisten in 32 seiner 47 Mitgliedsländer gemeldet. Die Anzahl der gemeldeten Drohungen, einschliesslich Todesdrohungen, habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Der Europarat nennt als Beispiele einen Bombenanschlag auf eine Reporterin in Montenegro, einen Messerangriff auf einen Journalisten in Mailand und einen versuchten Giftanschlag auf Mitarbeiter einer ukrainischen Nachrichtenwebsite. 130 Journalisten befanden sich dem Bericht zufolge zudem Ende 2018 in Haft, davon allein 110 in der Türkei. Das Land sei damit das «weltweit grösste Gefängnis für Journalisten».

«Klima der Straflosigkeit»

Mindestens zwei Reporter – der slowakische Journalist Jan Kuciak und der im saudiarabischen Konsulat in Istanbul getötete Jamal Khashoggi – seien wegen ihrer journalistischen Arbeit ermordet worden, erklärte der Europarat. Bei zwei anderen verdächtigen Todesfällen gebe es zumindest Zweifel bezüglich der polizeilichen Ermittlungen.

Einer betrifft die bulgarische Fernsehjournalistin Viktoria Marinowa, die im Oktober in ihrem Heimatland vergewaltigt und ermordet wurde. Beim zweiten Fall geht es um den russischen Investigativ-Reporter Maxim Borodin, der im April nach einem Sturz von seinem Balkon gestorben war. Die russischen Behörden sprachen von Suizid und verzichteten auf Strafermittlungen.

Insgesamt herrsche in einer Reihe von Ländern – darunter Russland, die Ukraine, die Türkei, mehrere Balkanstaaten und Aserbeidschan – ein «Klima der Straflosigkeit», was Übergriffe auf Journalisten und Medien anbelange, stellten die Experten des Europarats fest. Mangels effizienter Ermittlungen seien 17 Morde an Journalisten, die seit den 90er Jahren begangen wurden, bis heute nicht aufgeklärt worden.

Besorgniserregend sei zudem die wachsende Zahl von verbalen Angriffen – auch von Politikern. So habe der tschechische Präsident Milos Zeman im September bedauert, dass Journalisten nicht zu den «vom Aussterben bedrohten Arten» gehören.

Massenüberwachung

Besorgt äusserte sich der Europarat auch über Tendenzen, den Schutz von Quellen investigativer Journalisten auszuhöhlen – durch Hausdurchsuchungen in Redaktionen oder das Abhören von Telefonen. Einige Länder, darunter Frankreich, Grossbritannien und Polen, hätten zudem Gesetze erlassen, die eine Massenüberwachung der Bürger – und damit auch von Journalisten und ihren Informanten – erleichtern.

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, forderte die Mitgliedsstaaten auf, Massnahmen gegen die «Erosion der Medienfreiheit» und zum besseren Schutz von Journalisten zu ergreifen. Der Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit sei notwendig für die Einhaltung aller anderen Menschenrechte.

Die Erhebung basiert auf Meldungen über Angriffe auf die Pressefreiheit, die zwölf Partnerorganisationen – darunter internationale Journalistenverbände, die Organisation Reporter ohne Grenzen und der Pen-Club – regelmässig an den Europarat senden.

Die Länderorganisation fordert die betroffenen Staaten anschliessend zu einer Stellungnahme auf. Nur in knapp 40 Prozent der Fälle hat der Europarat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr eine Antwort erhalten. Russland, die Türkei, Italien, Bosnien-Herzegowina und Aserbeidschan reagierten demnach auf keine einzige Nachfrage. (nag/sda)

Erstellt: 12.02.2019, 15:18 Uhr

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