Die neue Vielweiberei

Im Herzen Europas breiten sich mittelalterliche Parallelwelten aus: Grossbritannien verzeichnet eine starke Zunahme von Sharia-Hochzeiten und Polygamie.

In England nimmt die Polygamie in der islamischen Parallelgesellschaft zu.

In England nimmt die Polygamie in der islamischen Parallelgesellschaft zu. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein kürzlich in der britischen Times erschienener Artikel berichtet von einem starken Anstieg von Scharia-Hochzeiten in Grossbritannien. ­Mindestens 100'000 Paare würden bereits in einer nach muslimischem Gesetz vollzogenen Ehe, Nikah, leben, einer Ehe mithin, von der die ­britischen Behörden nichts erfahren. Mit diesem Anstieg ging auch eine Zunahme der Polygamie einher. Im Gegensatz zum britischen Recht erlaubt es die Scharia dem Mann, bis zu vier ­Ehefrauen zu haben.

Rund ein Viertel ihrer Fälle, erzählt denn auch die Familienanwältin Aina Khan der Times, hätten mit dem Thema Polygamie zu tun. Kritiker dieser Entwicklung warnen vor der Unterwanderung des demokratischen Rechtssystems und vor der Diskriminierung der Frau. Laut Scharia darf der Mann seine Frau schlagen, wenn sie ihm Sex verweigert, bei einer Scheidung fallen die meisten Güter an den Mann und ihm werden die Kinder automatisch ­zugesprochen, sobald sie sieben Jahre alt sind.

Fehlentscheide der Politik

Die Ausbreitung von mittelalterlichen Parallelwelten im Herzen Europas hängt mit der weltweiten Radikalisierung des Islam zusammen. Aber auch mit Fehlentscheiden der Politik. 1996 liess Grossbritannien Scharia-Gerichtshöfe als Schiedsgerichte offiziell zu. Man hoffte, die Integration der latent beleidigten und permanent über Benachteiligung klagenden islamischen Community zu fördern, indem man ihr die Befugnis ­einräumte, Familienangelegenheiten, Erbsachen, geschäftlichen Streit nach eigenen Regeln zu lösen. Das Gegenteil trat ein. Das Gefühl, einen Sonderstatus zu verdienen und ausserhalb der geltenden Gesetze und der Gesellschaft zu stehen, wurde verstärkt.

Amra Bone, die erste weibliche Richterin der mittlerweile Hunderten von Scharia-Gerichtshöfen Englands, drückte dies so aus: «Die Regierung kann den Muslimen nicht vorschreiben, nicht mehr als eine Ehefrau zu haben. Die Leute haben ein Recht, selber zu entscheiden.»

Das Selbstbewusstsein der Muslima-Aktivistin Amra Bone mag vielleicht noch einige unerschütterlichen Anhänger des Multikulturalismus erfreuen. Den meisten anderen dürfte es aber langsam dämmern, dass Vielweiberei, Prügel­erziehung, Religionsjustiz einen zu hohen Preis für kulturelle Diversität darstellen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.07.2015, 10:36 Uhr

Artikel zum Thema

Der Islam ist kein Hippie-Dorf

In der neuesten Ausgabe von Diqab, dem Magazin der Blutmuslime des IS, wird die Unterstellung, der Islam sei eine Religion des Friedens, als Ketzerei verurteilt. Mehr...

Für den Islam den Teppich ausgerollt

Weil es den Basler Muslimen an Platz fehlt, bietet ihnen Pfarrer Ueli Beck seine Kirche an. Auf Dauer ist dies allerdings keine Lösung. Wegen des Endes der Kasernen-Moschee benötigen die Gläubigen eine neue Lokalität. Mehr...

«Der Islam ist nicht reformierbar»

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad hat ein Buch über den islamischen Faschismus geschrieben. Er sieht im Islamismus eine Bedrohung für die Freiheit. Hoffnung auf Besserung gäbe es nicht. Mehr...

Kommentare

BaZ Auktion

Auf zur Schnäpplijagd! Traumreisen und mehr bis zu 50% günstiger. Mitbieten vom 25.11. bis 5.12.17.

Die Welt in Bildern

Jedes Stäubchen muss weg: Jamie Kirschner und Tucker Yaro putzen den Schiffsbauch der Mayflower ll diese brachte die Pilger 1620 von Plymouth in England nach Massachusetts in den USA.
(Bild: Sean D. Elliot/The Day via AP) Mehr...