Diplomatischer Marathonläufer

Emmanuel Macron trifft sich in Paris zuerst mit Angela Merkel und gleich anschliessend mit Donald Trump.

Volles Programm. Der französische Staatschef und seine Frau (l.) zeigen Donald und Melania Trump das Grab Napoleons.

Volles Programm. Der französische Staatschef und seine Frau (l.) zeigen Donald und Melania Trump das Grab Napoleons. Bild: Keystone

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Kaum zurück aus Lausanne – als Botschafter der Pariser Olympia-Kandidatur – traf sich Präsident Emmanuel Macron gestern zuerst mit Angela Merkel zum deutsch-französischen Ministerrat und gleich danach mit Donald Trump. Der kurzfristig organisierte Besuch des Präsidenten der USA war Macron ein so wichtiges Anliegen, dass er die deutsche Bundeskanzlerin bitten musste, für das bereits zur Tradition gewordene bilaterale Treffen, das dieses Mal eigentlich turnusgemäss in Berlin stattfinden sollte, samt ihrer Regierung nach Paris zu kommen.

Diese Konzession gewährte Merkel ihm gern. Sie weiss, wie viel für ihn auf dem Spiel steht, und sie unterstützt ihn bisher in seinen ehrgeizigen Initiativen. Macron hat bei seinem aussenpolitischen Marathon von Beginn weg ein hohes Tempo angeschlagen, um die anderen gar nicht erst zum Verschnaufen oder Nachdenken kommen zu lassen.

Demonstrativ starker Händedruck

Wie sehr Macron darauf aus ist, eine weitgehend verwaiste Führungsrolle in Europa zu übernehmen, hatte er gleich nach seinem Amtsantritt deutlich gemacht. Die diplomatische Agenda hat ihm mit einem Nato-Gipfel, einem G7- und eben erst dem G20-Treffen in Hamburg, bei denen er die wichtigsten Partner kennenlernen konnte, die Sache leicht gemacht.

Ausserdem hat der frisch gewählte Staatschef seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin eingeladen und diesen mit dem Prunk im Schloss von Versailles mehr beeindruckt als geehrt. Man erinnert sich aber vor allem an den demonstrativ kräftigen Händedruck bei der ersten Begegnung mit Trump vor den Kameras. Die Geste sollte zeigen, wie sich der junge französische Präsident in keiner Weise einschüchtern zu lassen gedenkt.

Als Trump das Pariser Klima-Abkommen im Weissen Haus zum Altpapier legte, kritisierte Macron dies mit ebengrosser Härte und verkündete in Umwandlung von Trumps Slogan «Make America great again» als Erwiderung seinen neuen Klima-Kampfruf «Make the Planet great again». Er unterstrich bei mehreren Gelegenheiten, wie sehr er den von Trump gewünschten Protektionismus als «Zwillingsbruder des Nationalismus» verurteilt. Denn dieser nationalistische Rückzug vom internationalen, multilateralen Parkett mit seinen Verpflichtungen und Schutzmechanismen führe letztlich zum Krieg.

Macron steht diesbezüglich ganz in der Tradition von Mitterrand, der 1995 in seiner letzten Ansprache als europapolitisches Vermächtnis den jüngeren Generationen eingeschärft hatte: «Nationalismus, das ist Krieg.»

Ganz so dramatisch soll es mit Trump trotz der existierenden Differenzen in Klima- oder Handelsfragen nicht werden. Macron sucht denn auch nicht die Konfrontation mit dem umstrittenen Trump, sondern im Gegenteil das Gespräch. Darum packte er die Feier des Kriegseintritts der USA vor genau hundert Jahren beim Schopf, um neben einer Delegation amerikanischer Soldaten, die heute neben den französischen Truppen auf der Avenue des Champs-Elysées paradieren, auch den US-Präsidenten als Ehrengast zum Nationalfeiertag einzuladen.

Gestern Abend lockte er mit einem unvergleichlichen Diner im besten Pariser Restaurant auf dem Eiffel-Turm in Gegenwart der beiden Gattinnen Brigitte Macron und Melania Trump, die zuvor nach dem Besuch der Notre-Dame eine Rundfahrt auf der Seine gemacht hatten. Das Programm war noch attraktiver als beim Besuch von Putin. Konnte Trump da noch Nein sagen?

Macron profiliert sich so – nicht zuletzt auf Kosten der britischen Premierministerin Theresa May – als erster direkter und dennoch anspruchsvoller Gesprächspartner der USA in Europa. Oder besser gesagt, er drängt sich nach vorn an die Seite von Trump wie beim G20-Gruppenfoto. Er möchte dem eigenwilligen Staatschef der USA klarmachen, dass sein Land von einem isolationistischen Kurs nichts zu gewinnen und von einer Fortsetzung der historisch engen Beziehungen zu Europa zu gewinnen habe.

Im Bereich des Klimawandels hofft Macron, den sturen Trump einfach umgehen zu können und «Städte, Bundesstaaten und die Unternehmer in Amerika davon zu überzeugen, uns zu folgen», ob das der Staatschef billige oder nicht, erklärte er in einem gestern erschienenen Interview mit der Regionalzeitung Ouest-France.

Hohes Risiko

Nichts garantiert ihm, dass Donald Trump in irgendeiner Weise und in einem einzigen Punkt seine Meinung ändern könnte. Macron pokert wie immer und geht auch dieses Mal ein hohes Risiko ein. Trump ist in seinem eigenen Land durch die Untersuchung der Russland-Connection geschwächt und in Frankreich alles andere als populär.

Laut Informationen aus Washington mussten die Pariser Gastgeber versprechen, dass Trump nicht durch feindselige Massenkundgebungen irritiert werde. Beim Arbeitstreffen gestern Nachmittag wurden auch die wirklich strittigen Punkte ausgeklammert. In den Bereichen wie Kampf gegen den Terrorismus dagegen konnten die beiden Staatspräsidenten bei einer Medienkonferenz problemlos Gemeinsamkeiten unterstreichen.

Der erste Punkt geht an Macron. Doch auch Trump hat gegenwärtig politisch nur zu gewinnen, wenn er nicht permanent Feindseligkeit bei den Partnern der USA auslöst. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 09:53 Uhr

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