Ein einstiger Flüchtling schreibt in Belgien Geschichte

Pierre Kompany ist der Vater des Fussballstars Vincent Kompany. Nun wird er der erste schwarze Bürgermeister der belgischen Geschichte.

Belgisch-kongolesische Karrieren: Pierre und Vincent Kompany.

Belgisch-kongolesische Karrieren: Pierre und Vincent Kompany.

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Vincent Kompany ist ein berühmter Fussballer. Er ist Captain des WM-Dritten Belgien und Verteidiger von Manchester City. Die internationale Aufmerksamkeit gehört nun aber seinem Vater Pierre. Der gebürtige Kongolese hat am Wochenende belgische Geschichte geschrieben: Als erster Schwarzer gewann er eine Bürgermeisterwahl. In der Gemeinde Ganshoren vor den Toren der Metropole Brüssel war der Christdemokrat als Spitzenkandidat eines Parteienbündnisses angetreten. Im Alter von 71 Jahren ist Pierre Kompany Bürgermeister geworden. Sein bewegtes Leben erzählt die Geschichte eines Aufsteigers und Integrationsvorbildes.

Geboren wurde Kompany in der kongolesischen Stadt Bukavu direkt an der Grenze zu Ruanda. Die Demokratische Republik Kongo war damals noch eine belgische Kolonie. 1960 erlangte der zentralafrikanische Staat seine Unabhängigkeit. Pierre Kompany studierte Ingenieurswissenschaften. Später geriet er in Konflikt mit dem Regime des Despoten Mobutu Sese Seko, der das Land in Zaire umbenannt hatte. Kompany wurde über 13 Monate in einem Militärlager festgehalten. 1975, nach der Freilassung, verliess er sein Heimatland. Und er kam als politischer Flüchtling nach Europa – nach Belgien, wohin auch zahlreiche andere Kongolesen zogen. Sieben Jahre später erlangte Kompany die belgische Staatsbürgerschaft.

Taxifahrer, Ingenieur, Dozent, Politiker

In Brüssel musste sich der studierte Ingenieur zunächst als Taxifahrer durchschlagen. Kompany heiratete eine Belgierin. Aus der später geschiedenen Ehe entsprangen drei Kinder: Vincent, François und Christel. Die Kompanys sind eine fussballbegeisterte Familie. Vincent machte Karriere bei ManCity, François ist ebenfalls Fussballprofi, aber in Belgien, und Christel war Präsidentin eines Brüsseler Fussballclubs. Auch der Vater spielte offenbar ganz gut Fussball. In seiner alten Heimat stürmte der junge Pierre für TP Mazembe, damals eine der drei besten kongolesischen Mannschaften.

In seiner neuen Heimat Belgien arbeitete Kompany als Ingenieur in Industriefirmen und als Professor an einem Institut der Künste und Berufe. Im fortgeschrittenen Alter engagierte er sich immer stärker in der Politik, insbesondere in der Umwelt- und Integrationspolitik. Einer seiner Slogans lautete: «Für echte Werte ohne Farbe». Seit 2014 ist er Mitglied des Parlaments der Region Brüssel-Hauptstadt.

In der knapp 25'000 Einwohner zählenden Gemeinde Ganshoren war Kompany als Kommunalrat tätig, bevor er nun ins höchste Amt gewählt worden ist. Als neuer Bürgermeister will er den Wohnungsbau forcieren, insbesondere für Senioren und junge Menschen. Kompany wünscht sich ein friedliches Zusammenleben zwischen den Generationen. Er versteht sich als Bürgermeister aller Bevölkerungsgruppen.

Nach der für Belgien historischen Wahl ist der erste schwarze Bürgermeister ein gefragter Interviewpartner. Sogar die «New York Times» soll sich bei ihm gemeldet haben. Der Rummel um seine Person ist wohl auch in der Berühmtheit seines Fussballstar-Sohnes Vincent begründet. Pierre Kompany legt Wert auf einige Präzisierungen: «Viele Leute, die mich wählten, haben mir gesagt, dass sie für mich stimmten und nicht für Vincent.» Und weiter liess er wissen: «Ich bin eine umgängliche Person, die ohne Probleme auf verschiedenste Menschen zugehen kann.» Obwohl er nun Bürgermeister von Ganshoren sei, werde er derselbe Mensch bleiben.

Zu den ersten Gratulanten nach der Bürgermeisterwahl gehörten seine beiden Söhne. Vincent und François Kompany nahmen ein Video auf und veröffentlichten dieses auf der Plattform Instagram: «Das ist historisch. Wir sind so stolz auf dich, Papa», heisst es in der Gratulationsbotschaft. «Kamst 1975 als Flüchtling aus Kongo. Gewinnst das Vertrauen deiner Gemeinde und wirst der erste schwarze Bürgermeister in Belgien.» Kompany senior tritt das Bürgermeisteramt in Ganshoren im Dezember an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.10.2018, 17:32 Uhr

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