Identitäre wollen Flüchtlingsretter auf See stoppen

Die Gruppierung der Identitären sammelt Geld für eine Anti-NGO-Flotte. Diese soll Rettungsfahrten für Flüchtlinge bekämpfen.

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Der Kampf ums Überleben im Mittelmeer ist gnadenlos. Hilfsorganisationen und NGOs sind im Einsatz, um in Seenot geratene Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Der Identitären Bewegung in Österreich und Italien sind die Aktionen ein Dorn im Auge.

Nun sammelt sie Geld für eine eigene Schiffsflotte, mit der sie gegen die Rettungsaktionen vorgehen möchte. Die dafür lancierte Online-Spendenaktion brachte bereits 46'000 Euro zusammen, wie es in einem Bericht von «die Presse» heisst.

«Wir wollen den Flüchtlingen keine Probleme verursachen, wenn sie in den italienischen Häfen ankommen, sondern die Abfahrt von NGO-Schiffen bremsen, stören und verhindern», berichtete Lorenzo Fiato, Sprecher der Identitären Bewegung in Italien nach Angaben italienischer Medien.

«Schlepperwahnsinn im Mittelmeer»

Bereits Mitte Mai blockierten Aktivisten der Identitären im Hafen von Catania das NGO-Schiff «Aquarius» der Hilfsorganisation Sos Mediterrane und behinderten es beim Auslaufen. Mit dieser Aktion will die Gruppierung «auf den kriminellen Schlepperwahnsinn im Mittelmeer hinweisen», wie die österreichische Delegation der Identitären auf ihrer Website schreibt. Die Küstenwache konnte jedoch einschreiten und die Aktivisten verscheuchen.

Die Identitären begründen das Eingreifen in die Rettungsaktionen mit humanitären Gründen. Die Hilfsorganisationen seien für das Ertrinken Tausender Afrikaner im Mittelmeer verantwortlich. Die Flüchtlinge würden die gefährliche Überfahrt nämlich nur aufgrund der Erwartung riskieren, rechtzeitig von den NGOs aufgegriffen zu werden, wie es auf der Website der Identitären weiter heisst.

Diese Argumentation blendet aus, dass die Rettungsaktionen der EU und von NGOs erst ausgeweitet oder überhaupt ins Leben gerufen wurden als Reaktion auf die steigende Zahl von Flüchtlingen, die bei der riskanten Überfahrt starben. Kriminalität auf offenem Meer

Die Zahl der Menschen, die seit Anfang des Jahres über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet sind, ist auf mehr als 60'000 gestiegen. Allein in der vergangenen Woche seien 9500 Menschen gerettet und in italienische Häfen gebracht worden, berichtete das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Dienstag in Genf.

Seit Anfang Januar seien mindestens 1720 Menschen bei dem Fluchtversuch ums Leben gekommen oder würden noch vermisst. Immer öfter berichteten Überlebende von Kriminellen, die die Flüchtlingsboote auf dem Meer überfallen. In Salerno seien Menschen angekommen, die nach eigenen Angaben auf dem Boot ausgeraubt wurden. Die Gangster hätten auch den Motor geklaut.

Auf Lampedusa seien am Wochenende Flüchtlinge mit Schusswunden eingetroffen. Einer habe berichtet, Menschenhändler hätten ihn gefoltert, um Geld zu erbeuten. (kaf/sda)

Erstellt: 31.05.2017, 16:48 Uhr

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