Mehr als tausend Festnahmen bei Anti-Putin-Protesten

Zwei Tage vor Beginn seiner vierten Amtszeit kommt es in Russland zu Protesten gegen Wladimir Putin. Unter den Verhafteten ist auch Oppositionsführer Alexej Nawalny.

Rief zum Protest gegen Putin auf: Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Video: Tamedia

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Alexej Nawalny lässt nicht locker: Zwei Tage vor der Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin hat die Polizei den russischen Oppositionellen und rund tausend seiner Anhänger bei Demonstrationen festgenommen.

Der Anti-Korruptionsaktivist hatte für Samstag landesweit zu Protesten gegen Putin aufgerufen unter dem Motto: «Kein Zar für uns!». Das Bürgerrechtsportal OVD-Info berichtete von mehr als 1600 Festnahmen. Allein in der Hauptstadt seien mehr als 700 Menschen auf Polizeiwachen gebracht worden. Angaben der Behörden lagen zunächst nicht vor. Den Verhafteten drohen mehrtägige Freiheitsstrafen.

Aus der Menge gezerrt

In Moskau waren nach Augenzeugenberichten mehrere Tausend meist junge Anhänger auf dem zentralen Puschkinplatz versammelt, die Polizei sprach von 1500 Menschen. Diese ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Zudem kam es zu Zusammenstössen zwischen Nawalny- und Putin-Anhängern.

Nawalny erschien ungehindert auf dem Platz. Der Oppositionelle sagte in seinem Videokanal, er habe die Nacht in einer konspirativen Wohnung verbracht, um nicht schon vorher abgefangen zu werden.

Sein Auftauchen endete aber wie bei mehreren Kundgebungen zuvor: Die Polizei zerrte ihn aus der Menge und führte ihn ab. Neben Nawalny sei auch sein Verbündeter Nikolai Ljaskin festgesetzt geworden, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

Besonders viele Festnahmen gab es nach Angaben von OVD-Info in Moskau (475), in Tscheljabinsk (163) und Jakutsk (74) in Sibirien. Vielerorts waren die Demonstrationen mit den Behörden abgestimmt.

In Moskau erklärte die Stadtverwaltung den angekündigten Versammlungsort aber für gesperrt. Auf dem Schlossplatz in St. Petersburg wurde überraschend eine Probe für die Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai anberaumt.

Deutlich weniger Demonstrierende

Die Kundgebungen in etwa 90 russischen Städten richteten sich gegen Putins lange Herrschaft, gegen Korruption und Internetzensur. Putin, der Russland seit 18 Jahren führt - abwechselnd als Präsident und Regierungschef - wird am Montag im Kreml in Moskau den Eid für eine weitere sechsjährige Amtszeit ablegen.

Nawalny wollte damit auch an Massendemonstrationen gegen Putins Amtseinführung 2012 anknüpfen. Damals war Putin in einem vereinbarten Ämtertausch mit Dmitri Medwedew wieder Staatschef geworden. Die Rochade verärgerte die Mittelschicht in den Grossstädten, doch Putin zerschlug den Protest mit harten Strafen gegen die Organisatoren.

Die neuen Proteste fielen kleiner aus, sie mobilisierten auch weniger Teilnehmer als bei Nawalny-Demonstrationen im vergangenen Jahr. Von der Präsidentschaftswahl im März war Nawalny mit einer juristisch fragwürdigen Vorstrafe ferngehalten worden. Putin siegte mit dem Rekordergebnis von fast 77 Prozent der Stimmen. (oli/sda)

Erstellt: 05.05.2018, 20:04 Uhr

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