Neue Telefonmitschnitte belasten Sarkozy

«Ich werde nach Monaco fahren und den Prinzen treffen»: Eine französische Zeitung veröffentlicht Aufnahmen, die beweisen sollen, dass Ex-Präsident Sarkozy tatsächlich einen Staatsanwalt bestechen wollte.

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Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy gerät in der Affäre um die mögliche Bestechung eines Staatsanwalts weiter unter Druck. Die Tageszeitung «Le Monde» publizierte gestern mutmasslich belastende Mitschnitte von Telefongesprächen zwischen Sarkozy und seinem Anwalt.

Ein Justizmitarbeiter bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Echtheit der Aufnahmen. Die delikaten Aufzeichnungen betreffen mehrere Gespräche, die Sarkozy im Februar mit seinem Anwalt Thierry Herzog von einem unter falschem Namen laufenden Mobiltelefon aus geführt haben soll.

Diese belegen offenbar, dass der ehemalige Spitzenpolitiker dem leitenden Staatsanwalt am Kassationsgerichtshof, Gilbert Azibert, als Gefälligkeit im Gegenzug für einen Geheimnisverrat einen Posten in Monaco beschaffen wollte.

In den von «Le Monde» veröffentlichten Aufnahmen sagt Sarkozy mit Blick auf Azibert zu Herzog: «Ich werde ihm helfen, ich werde ihn beim Aufstieg unterstützen.» Weiter wies er Herzog demnach an: «Rufe ihn heute an und sage ihm, dass ich mich darum kümmere, ich werde nach Monaco fahren und den Prinzen (Albert II.) treffen.»

In einem weiteren Mitschnitt gab Sarkozy nach Angaben der Zeitung Herzog den Auftrag, Azibert auszurichten, dass er mit dem Regierungschef von Monaco, Michel Roger, sprechen werde.

Verdacht geschöpft

Doch Sarkozy kam offenbar der Verdacht, abgehört zu werden. Einen Tag später führte er den Aufnahmen zufolge zwei fast gleich lautende Gespräche mit Herzog, und zwar je auf seinem offiziellen Handy sowie auf dem geheimen.

Auf diesen Mitschnitten sagt Sarkozy, er habe Aziberts Karrierewünsche doch nicht in Monaco angesprochen. «Das erschien mir ein wenig lächerlich», sagte Sarkozy - mutmasslich wissend, wer da noch zuhört.

Auch wenn Sarkozy, wie er im Interview mit den TV-Sendern TF 1 und Europe 1 beteuerte, Azibert nicht bestochen hat, ist er nicht zwangsläufig entlastet. Nach französischem Strafrecht erfüllen auch «Angebote» im Gegenzug für Gefälligkeiten den Tatbestand der Bestechung.

Sarkozy weist Vorwürfe zurück

Gegen Sarkozy läuft wegen der Affäre seit Anfang Juli ein Ermittlungsverfahren. Dem konservativen Politiker wird vorgeworfen, er habe sich zusammen mit seinem Anwalt illegal Informationen aus einem anderen laufenden Gerichtsverfahren beschaffen wollen. Die Justiz prüft zudem, ob Azibert möglicherweise versucht hatte, diese Ermittlungen zugunsten von Sarkozy zu beeinflussen.

Gegen Herzog und Azibert wurden ebenfalls Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sarkozy, der eine Rückkehr in die Politik nicht ausschliesst, weist sämtliche Vorwürfe als «grotesk» zurück und wirft der sozialistischen Regierung von Präsident François Hollande eine politische Instrumentalisierung der Justiz vor. (fko/sda)

Erstellt: 12.07.2014, 17:02 Uhr

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Sarkozy im Visier der Justiz

Sarkozy im Visier der Justiz Illegale Wahlkampfspenden, Bestechungsversuche, Freundschaftsdienste: Die Liste mit den Vorwürfen gegen Frankreichs Ex-Präsidenten ist lang.

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