Papst bestätigt sexuellen Missbrauch

Nur kurz vor dem grossen Gipfel zur Thematik räumt Franziskus die Misshandlung von Nonnen durch Priester und Bischöfe ein.

Noch gestern feierte der Papst in Abu Dhabi eine Messe. Foto: Reuters

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Es ist das erste Mal, dass sich Papst Franziskus zum Missbrauch von Nonnen so deutlich geäussert hat. «Es stimmt, es ist ein Problem», sagte er gestern auf dem Rückflug von Abu Dhabi nach Rom. «Ich weiss, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan.» Es betreffe gewisse Kulturen und religiöse Gemeinschaften mehr als andere: «Es ist keine Sache, die alle machen.»

Franziskus versicherte, der Vatikan arbeite seit langem an dem Problem. Einige Frauengemeinschaften seien aufgelöst, einige Kleriker suspendiert oder weggeschickt worden. Im Fall einer Gemeinschaft sei es bis zur «sexuellen Sklaverei» durch Kleriker gekommen. Franziskus fügte hinzu, man müsse mehr gegen diese Art von Missbrauch tun. Die Misshandlung von Frauen sei ein generelles Problem: «Die Frau ist zweite Klasse. Es gibt Länder, wo die Misshandlung von Frauen bis zum Frauenmord geht.»

Damit schlägt Franziskus ein neues Kapitel in der Missbrauchsthematik auf – und dies offenbar unter Druck. Vom 21. bis 24. Februar findet im Vatikan der grosse Missbrauchsgipfel statt. Zudem sind im vergangenen Jahr vermehrt einzelne missbrauchte Ordensfrauen an die Öffentlichkeit gelangt.

Nichts wurde unternommen

Das Frauenmagazin der Vatikanzeitung «Osservatore Romano» kritisiert in seiner Februar-Ausgabe das Verschweigen von Missbrauch an Ordensfrauen. So hätten Ordensschwestern in Afrika bereits in den 90er-Jahren das Thema öffentlich gemacht, schreibt Autorin Lucetta Scaraffa. Trotzdem hätten die kirchlichen Autoritäten nichts unternommen.

Gemäss Scaraffa führe in der Institution Kirche die jahrhundertealte Bewertung der Frau als «gefährlich und verführerisch» dazu, «solche Gewalt, auch wenn sie angezeigt wird, als von beiden Seiten freiwillig verübte sexuelle Überschreitung zu klassifizieren».

Peiniger zurückgetreten

So war es auch im Fall der Nonne Doris Wagner, die 2009 vom Oberen der Gemeinschaft, in der sie damals in Rom lebte, vergewaltigt worden war. Gerade letzte Woche ist nun ihr Peiniger, der Deutsche Hermann Geissler, aus der vatikanischen Glaubenskongregation zurückgetreten. Wagner hatte die Vorwürfe der Vergewaltigung im Buch «Nicht mehr ich» und neuerdings im Film «#Female Pleasure» gegen Geissler bekräftigt. Er weist zwar die Vorwürfe zurück. Mit seinem Rücktritt wolle er aber weiteren Schaden von der Glaubenskongregation abwenden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.02.2019, 06:12 Uhr

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