Putin und Erdogan sind wieder Freunde

Russland und die Türkei wollen sich in Syrien enger abstimmen und Deeskalationszonen einrichten. Darauf einigten sich die beiden Präsidenten.

Haben den alten Streit vergessen: Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan. (28. September 2017)

Haben den alten Streit vergessen: Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan. (28. September 2017) Bild: Adem Altan/AFP

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Russland und die Türkei wollen die Zusammenarbeit ihrer Diplomaten, Militärs und Geheimdienste im syrischen Bürgerkrieg weiter verstärken. Das kündigte der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstagabend in Ankara nach einem Arbeitstreffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan an.

Beide bekräftigten die Einrichtung von vier sogenannten Deeskalationszonen in Syrien, die Mitte September bei der jüngsten Gesprächsrunde in Astana in Kasachstan vereinbart worden war.

An den Astana-Gesprächen nehmen Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung teil, die Türkei gilt als Schutzmacht der Opposition.

«Brudermörderischer» Krieg

Gemeinsam wollten beide Länder die Einrichtung einer solchen Sicherheitszone in der bislang von Jihadisten kontrollierten Region vorantreiben, sagte Erdogan am Donnerstag nach dem Treffen.

Die grösste dieser Schutzzonen soll in der nordsyrischen Provinz Idlib entstehen. Der Weg dahin sei nicht einfach gewesen, sagte Putin. Aber damit würden die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Flüchtlinge und ein Ende des «brudermörderischen» Krieges in Syrien getroffen.

Putin betonte, nach mehr als sechs Jahren Bürgerkrieg lägen die «notwendigen Bedingungen» für ein Ende des Konflikts vor. Russland und die Türkei wollten ihre «Koordinierung vertiefen», um ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Unabhängigkeitsreferendum keine «Legitimität»

Russland und die Türkei wollen nach den Worten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Spaltung des Iraks und des Bürgerkriegslandes Syrien verhindern: «Beim Thema territoriale Integrität, sei es die des Iraks oder Syriens, sind wir einer Meinung.»

Erdogan betonte erneut, das Unabhängigkeitsreferendum im Irak, bei dem fast 93 Prozent für eine Abspaltung der Kurdenregion stimmten, habe «überhaupt keine Legitimität». «Leider hat die Regionalregierung, indem sie das Referendum trotz aller freundschaftlichen Warnungen abgehalten hat, einen grossen Fehler begangen.»

Erdogan kündigte nicht näher benannte «Massnahmen» gegen die kurdische Führung an. Zuvor hatte er gedroht, die Ölexporte der Kurdenregion über die Türkei zu stoppen. Er hatte auch militärische Schritte nicht ausgeschlossen. Putin verwies auf die Haltung seiner Regierung, wonach das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Irak das Land nicht destabilisieren dürfe.

Rapide Annäherung weckt Argwohn

Der nur wenige Stunden dauernde Besuch Putins bei Erdogan war auch eine Demonstration der engen Partnerschaft, die die beiden Präsidenten inzwischen aufgebaut haben. Bei der Pressekonferenz – bei der keine Fragen zugelassen waren – bezeichneten Putin und Erdogan den jeweils anderen als Freund.

Die rapide Annäherung des Nato-Partners Türkei an Moskau wird im Westen mit Argwohn beobachtet. Das gilt besonders, seit Ankara mit Moskau den Kauf des modernen russischen S-400-Luftabwehrsystems vereinbart hat.

Dabei herrschte bis zum Sommer vergangenen Jahres noch Eiszeit zwischen Russland und der Türkei. Auslöser der schweren Krise war der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November 2015. Im August 2016 legten beide Seiten den Konflikt offiziell bei, nachdem Erdogan sich entschuldigte. Die damals verhängten Sanktionen hat Moskau aber immer noch nicht vollständig aufgehoben. (chk/sda)

Erstellt: 29.09.2017, 03:21 Uhr

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