Rassistischer Priester bereitet Polen Sorgen

In wenigen Tagen übernimmt Polen den EU-Ratsvorsitz. Ausgerechnet jetzt sorgt ein Priesterskandal für Aufregung. Das Land sorgt sich um sein Image.

Startet mit seinen Aussagen eine Kontroverse: Tadeusz Rydzyk bei einem Treffen mit Papst Benedikt im Jahr 2007.

Startet mit seinen Aussagen eine Kontroverse: Tadeusz Rydzyk bei einem Treffen mit Papst Benedikt im Jahr 2007. Bild: Keystone

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Wenige Tage vor der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch Polen sorgt dort ein Skandal um angeblich antisemitische Äusserungen eines Priesters für Aufregung. Das Aussenministerium sandte erstmals in der Geschichte des Landes eine Beschwerde an den Vatikan, in der es den Geistlichen Tadeusz Rydzyk beschuldigt, das Ansehen Polens im Ausland zu schädigen.

Rydzyk, der den ultra-katholischen und politisch einflussreichen Radiosender «Radio Maryja» betreibt, hatte erklärt, Polen sei ein unzivilisierter und totalitärer Staat, der «seit 1939 nicht mehr von Polen regiert wird». Kritiker warfen dem Priester vor, damit anzudeuten, dass das Land von Juden regiert werde. Der polnische EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek bezeichnete die Aussagen Rydzyks als «skandalös und inakzeptabel».

Chance für Imageverbesserung

Die Bemerkungen des einflussreichen Priesters, die er bereits am vergangenen Dienstag im EU-Parlament getätigt hatte, haben in Polen für grosse Aufregung gesorgt, in Brüssel blieben sie bisher weitgehend unbeachtet. Polen übernimmt am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz, die Regierung in Warschau sieht dies auch als Chance, das Image Polens im Ausland zu verbessern.

Rydzyk, der auch einen Fernsehsender besitzt, war in der Vergangenheit mehrfach beschuldigt worden, im mehrheitlich katholischen Polen über sein Medienimperium Antisemitismus zu schüren.

(mrs/dapd)

Erstellt: 27.06.2011, 18:47 Uhr

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