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Weg mit den Deutschen, her mit den Italienern

Mario Monti räumt auf: Statt Audis und BMWs sollen ab sofort italienische Autos als Staatskarossen eingesetzt werden. Doch nicht etwa schnittige Maseratis, sondern ältere, günstigere Modelle.

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Kein anderes Land auf der Welt hat so viele Dienstwagen wie Italien: 600'000. Diese Tatsache sorgte in jüngster Vergangenheit – angesichts der heiklen wirtschaftlichen Situation des Landes – fortlaufend für Polemik. Ende Oktober, als die Diskussionen um die Schuldenmisere schon voll im Gange waren, goss der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa noch einmal ordentlich Öl ins ohnehin schon lodernde Feuer.

Er kaufte für sein Ministerium 19 gepanzerte Maserati Quattroporte für einen Preis von rund 150'000 Euro pro Auto. Die darauf folgende Kritik prallte am PDL-Politiker gänzlich ab. «Was soll die Aufregung?», fragte La Russa gegenüber den italienischen Medien, «die Maseratis sind immerhin italienische Autos und kosten weniger als die deutschen Limousinen.»

Die neuen Alten

Eine ähnliche Strategie fährt nun der neue Ministerpräsident Mario Monti. Doch statt mit sportlichen Rennwagen werden sich Italiens Politiker künftig mit Gebrauchtwagen wie Lancia Thesis, Fiat Croma, Alfa Romeo 166 – oder gar Lancia Kappa und Dedra, die seit 2000 nicht mehr produziert werden – begnügen müssen. Die italienischen Medien schreiben zwar bereits von Montis «Oldtimer-Autopark» («La Repubblica»), begrüssen aber diesen ersten und doch sehr gewichtigen Entscheid des Ministerpräsidenten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Dienstwagen den Staat bisher 18 Milliarden Euro jährlich gekostet haben (in der stattlichen Summe inbegriffen sind die Kosten für die Autos, das damit verbrauchte Benzin und die Gehälter der Fahrer). Laut der italienischen Konsumentenschutzorganisation Codacons gehen dabei vier Milliarden Euro auf das Konto der Steuerzahler.

Eigentlich stünde Mario Monti als Ministerpräsident ein schnittiger ungebrauchter Maserati Quattroporte zur Verfügung. Denn der Dienstwagen wurde von Silvio Berlusconi nie gebraucht, er bevorzugte einen Audi A8. Doch auch Mario Monti liess die Luxuskarosse bisher in der Garage stehen und tauchte stattdessen jeweils im weitaus günstigeren Lancia Thesis auf. Wohl um ein klares Zeichen zu setzen, aber auch um das noch nicht gelöste Maserati-Problem nicht erneut aufzurollen. Denn was mit den 19 von Ignazio La Russa gekauften Autos geschehen wird, ist noch unklar.

Und als Nächstes werden die Zulassungen überprüft

Dringlicher ist für Mario Monti ohnehin die Überprüfung der Zulassung der überdurchschnittlich vielen Dienstwagen. Denn das Verwaltungsgericht der Region Lazio hat kürzlich eine Beschwerde der Konsumentenschützer Codacons bezüglich der Rationalisierung der Staatskarossen angenommen: Nun hat Monti sechzig Tage Zeit zu untersuchen und zu bestimmen, wer in Zukunft überhaupt noch das Anrecht auf eine Fahrt auf Kosten des Staates hat.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2011, 12:13 Uhr

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