Deutsche Städte in der Armutsfalle

Die Verschuldung der deutschen Städte hat trotz sprudelnder Steuereinnahmen ein neues Rekordhoch erreicht. Grund dafür waren vor allem steigende Sozialausgaben.

Die Gesamtverschuldung in den westdeutschen Grossstädten stieg um 1,7 Prozent.

Die Gesamtverschuldung in den westdeutschen Grossstädten stieg um 1,7 Prozent. Bild: Reuters

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Im Vergleich zu 2015 erhöhten sich die Schulden der Grossstädte mit mehr als 100'000 Einwohnern um 1,1 Prozent oder fast eine Milliarde Euro auf 82,4 Milliarden Euro, wie eine am Mittwoch von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Berlin vorgelegte Studie ergab.

Der Studie zufolge verschlechterte sich vor allem in den westdeutschen Grossstädten die Kassenlage. 62 Prozent der Grossstädte in den alten Bundesländern mussten zusätzliche Kredite aufnehmen, die Gesamtverschuldung stieg um 1,7 Prozent. In Ostdeutschland schafften hingegen sieben der neun Grossstädte einen Schuldenabbau, die Gesamtverschuldung insgesamt nahm um 5,1 Prozent ab.

Haushaltslage häufig desaströs

Vor allem in Nordrhein-Westfalen ist die Haushaltslage der Grossstädte häufig desaströs, 15 der 20 am stärksten verschuldeten Grossstädte liegen im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung hatte 2016 Oberhausen mit 9680 Euro Schulden pro Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Ruhrgebietsstadt den Schuldenstand aber um 112 Euro pro Kopf reduzieren.

Auf Platz zwei folgte Mülheim an der Ruhr, wo sich der Schuldenstand mit über 600 Euro pro Kopf auf 9163 Euro erhöhte. Am drittstärksten ist Saarbrücken mit 8825 Euro pro Kopf verschuldet. Die saarländische Landeshauptstadt konnte ihre Verschuldung allerdings binnen drei Jahren um mehr als 2300 Euro pro Kopf verringern, 2013 war Saarbrücken noch klarer Schuldenspitzenreiter.

Massiver Anstieg der Sozialausgaben

Am geringsten ist Braunschweig mit 453 Euro pro Einwohner verschuldet. Es folgen Wolfsburg mit 910 Euro pro Kopf und Jena mit 981 pro Kopf. Allerdings stieg sowohl in Braunschweig als auch in Wolfsburg die Pro-Kopf-Verschuldung.

2015 war den Grossstädten noch ein Abbau der Gesamtverschuldung um 0,4 Prozent gelungen. Laut Ernst & Young lebten einige Städte zwar in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse, hatten Pech mit Finanzanlagen gehabt oder in Nordrhein-Westfalen den Wegfall von Millionendividenden der Energieversorger zu verkraften. Im Wesentlichen sei der aktuelle Anstieg der Verschuldung aber mit dem massiven Anstieg der Sozialausgaben zu erklären, die allein im Jahr 2016 um zehn Prozent auf 59 Milliarden Euro gestiegen seien. (amu/AFP)

Erstellt: 15.11.2017, 12:28 Uhr

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