Die verdeckte Islamisierung Europas

Saudiarabien und die Türkei führen im Westen einen religiösen Eroberungskrieg. Ihre Waffen sind Propaganda und der Vorwurf der Islamfeindlichkeit.

Moslems in der Schweiz. Moschee «Petit Saconnex» in Genf, 1978 gebaut mit Geldern aus Saudi-Arabien.

Moslems in der Schweiz. Moschee «Petit Saconnex» in Genf, 1978 gebaut mit Geldern aus Saudi-Arabien. Bild: Keystone

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Seit Jahrzehnten verfolge ich die Strategie des in Verbänden organisierten Islam. Diese besteht darin, «Ungläubige» zu täuschen und eine eigene Agenda zu verfolgen. Die Schweiz ist keine Ausnahme. Der in Europa in Moschee-Vereinen organisierte Islam pflegt eine antisäkulare und antieuropäische Moschee-Kultur und kämpft mit allen Mitteln für Sonderrechte für die Islamgemeinde; die Islamfunktionäre behaupten, die gesamte Islam-­Gemeinde zu vertreten, obwohl ­niemand sie hierzu bestellt hat. Diese Funktionäre erhalten vermutlich «Sold», entweder von der islamistischen AKP, die seit 2002 die Türkei regiert, oder vom wahhabitischen Saudi-­Arabien. Islamismus und Wahhabismus sind zwar unterschiedliche Richtungen innerhalb des Islam, aber in Europa arbeiten die Türkei und Saudiarabien eng zusammen.

Islamfunktionäre sind in der Regel keine Theologen; sie praktizieren ihre Tätigkeit scheinbar als einen gut bezahlten Beruf. Eine ihrer vielen Waffen ist der Vorwurf der Islamfeindlichkeit gegenüber Europäern. Zweifelsohne gibt es eine Islamfeindlichkeit in Europa, die man bekämpfen muss; aber diese Funktionäre ziehen den Begriff der Islamophobie heran, um damit Politik zu machen. Auf der Basis der Opferrolle, die die Islamfunktionäre den ­einfachen Muslimen der Diaspora als Kollektiv zuschreiben, fordern sie mehr Rechte für den organisierten Islam.

Im Kampf um Legitimität mobilisieren diese gut betuchten Islamfunktionäre europäische Meinungsforschungsinstitute, indem sie sie sehr gut bezahlen und instrumentalisieren. Diese ­Institute bekommen die Aufgabe, den Nachweis zu erbringen, dass eine ­Islamophobie besteht. Ein Schweizer Beispiel hierfür ist die Politik der «Union europäischer türkischer Demokraten» (UETD), die als Handlanger der AKP in der Schweiz wirkt. Der UETD-Präsident hat im Mai 2016 dem Meinungs­forschungsinstitut GfS den Auftrag gegeben, den Nachweis zu erbringen, dass Muslime in der Schweiz diskriminiert werden. Mit solchen erkauften Forschungsergebnissen geht die UETD an die Öffentlichkeit und betreibt einen weltanschaulichen Krieg gegen Europa, der von Forderungen begleitet wird.

Die Islamophobie-Keule

Während organisierte Islamfunktionäre Lippenbekenntnisse zum demokratisch-gemässigten Islam ablegen, praktizieren sie «iham» (Täuschung), um ihre Islamisierungspolitik zu ver­decken. Die Politik der organisierten Islam-Verbände besteht darin, die Integration der islamischen Zuwanderer zu Citoyens zu verhindern und darauf zu bestehen, dass Muslime Mitglieder eines islamischen Umma-Kollektivs sind; die Islam-Diaspora zu einer «Enklave» zu organisieren; und die Islamophobie-Keule gegen Meinungsfreiheit und Islam-Kritik einzusetzen. Es ist ein Fakt, dass der grösste Teil der in der Schweiz und Deutschland existierenden Moscheen von Saudiarabien und der Türkei direkt oder indirekt finanziert und kontrolliert werden. Das ist eine Fremdbestimmung.

Die türkischen Moscheen sind offiziell der staatlichen Diyanet-Behörde in Ankara untergeordnet. Von dort aus werden vom türkischen Staat bezahlte Imame geschickt. Ein Grossteil der arabischen Moscheen steht unter dem Einfluss der Islamischen Weltliga (al-Rabitah al-islamiyyah). Die Diyanet-­Behörde ist eine staatliche Instanz, die total von der islamistischen AKP ­kontrolliert wird.

In der Schweiz heisst der Handlanger der Diyanet-Behörde «Türkisch-­Islamische Stiftung für die Schweiz». Jene nichttürkischen Moscheen, die unter dem Einfluss der Islamischen Liga stehen, betreiben undurchsichtige Finanzierungsgeschäfte, aber mit einiger Sicherheit fliesst das Geld aus Saudi­-Arabien und den Golfstaaten. Die wahhabitische Monarchie Saudi-­Arabiens und die islamistische AKP in der Türkei haben sich inzwischen ­darüber verständigt, bei der religiösen Eroberung Europas, das heisst Islamisierung, zusammenzuarbeiten.

Die Institution, die diese Politik der Islamisierung verfolgen soll, heisst «Europäische Organisation Islamischer Zentren» mit Hauptsitz in Genf. Die Agenda der «europäischen Organisation» ist nicht neu, sie stammt von der Islamischen Liga. Ich zitiere hier ein Dokument der Islamischen Weltliga, das in der a-Sharq al-Ausat am 28. Juli 1993 erschienen ist: «Die Islamische Weltliga hat auf ihrer Arbeitstagung in Kairo eine neue Strategie gefordert für die Da’wa (Aufruf zum Islam) … Hierzu gehört der Aufbau islamischer Zentren in Europa … um die dort lebenden Muslime auf ihre Rolle in der Zukunft vorzubereiten … Die Anwendung der Scharia als Richtschnur im Leben der Muslime ist zu fordern.»

Ich füge hinzu, dass das Spiel mit der Opferrolle der Muslime mit der Forderung nach der Scharia zusammenhängt. Aus diesem Zitat geht eindeutig hervor, dass die Islamfunktionäre für Da’wa (Missionierung) und für die Durchsetzung der Scharia eintreten, und hierbei einen Missbrauch islamischer Migranten als Missionare für eine Islamisierungspolitik betreiben.

Der verschwundene Artikel

Wie wird die Islamisierungspolitik betrieben? Es werden vorwiegend zwei Instrumente eingesetzt:

1. Ein Propaganda-Krieg; das Ins­trument des Iham (Täuschung) zum Schutz vor Enthüllungen durch zwei Behauptungen: Darstellung der Muslime als Opfer des Westens und Unterstellung einer systematischen Islamophobie. Auf beiden Ebenen werden die Europäer durch Keulen eingeschüchtert, um Sonderrechte zu erstreiten.

2. Das Instrument des christlich-­islamischen Dialogs, der von Täuschung im Sinne von Iham dominiert wird. ­Dialog ist eine noble Angelegenheit, wenn er von der Mühe begleitet wird, gemeinsam über existierende Probleme und Vorurteile zu sprechen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das ist jedoch nicht der Fall bei den organisierten Islamverbänden.

Wie reagieren Islamisten und schriftgläubige Muslime auf jene Muslime, die Aufklärung über diese Täuschungen betreiben?

Ich möchte mit einem Bericht über eine Erfahrung antworten. Vor 14 Jahren, 2002, habe ich einen Artikel in der Zeit unter dem Titel «Selig sind die Belogenen. Der christlich-islamische Dialog beruht auf Täuschungen und westlichem Wunschdenken» veröffentlicht. Ich wurde danach wegen dieser Aufklärungsarbeit jahrelang belästigt, bedrängt und auch bedroht. Vor einigen Monaten erhielt ich eine Leserzuschrift, worin mir berichtet wurde, dass mein Artikel aus dem Zeit-Archiv entfernt worden sei. Als ich mich selbst erkundigte, was der Grund dafür sei, wurde ich an die Zeit-Rechtsabteilung verwiesen, die mir nur ausweichende Information gab. Klar und eindeutig war, dass hier verdunkelt wird.

Die Ideen jenes Artikels sind hochaktuell, weil darin die beschriebene Strategie und Taktik organisierter Islamverbände, die unverändert weiterhin bestehen, entlarvt werden. Die zentralen Ideen jenes Artikels trage ich hier in aktualisierter Form vor.

Das Ziel der Islam-Verbände ist die graduelle Islamisierung Europas, diesmal jedoch friedlich, also ohne einen Jihad zu führen. Was heisst Islamisierung? Schriftgläubige Muslime wollen, dass «Dar al-Islam» (Haus des Islam) auf die gesamte Erde ausgeweitet wird. Selbst Vertreter der islamischen Reformtheologie heben al-taghallub (Dominanz), also die Superiorität des Islam, als Wesensmerkmal ihrer Religion hervor. Eine solche Weltanschauung der Überlegenheit über andere ist weder mit dem Kultur- noch mit dem Religionspluralismus westlicher Gesellschaften vereinbar.

Die Gutmensch-Islamexperten

Ein ehrlicher Dialog erfordert eine moderne Denkweise, die vom religiösen Pluralismus ausgeht, wonach alle Religionen als gleichwertig gelten und daher miteinander in Frieden leben können. Die Imame der türkisch und saudiarabisch dominierten Moscheen gehen aber vom Gebot des folgenden Koran-Verses aus: «Die Religion bei Gott ist der Islam» (Al-Imran, Vers 19), und erziehen in Europa geborene Muslime im Geiste der Exklusion, bis eine Islamisierung Realität wird.

Von einigen Gutmensch-Islam­experten wird behauptet, den Islam verbinde mit dem Christentum eine historische Ehe, die durch Missverständnisse in eine Missstimmung geraten sei; sie predigen als Heilmittel den «Dialog». Doch diese «Ehe»-Vorstellung ist nur dem Wunschdenken wohlmeinender deutscher Kulturprotestanten geschuldet. Bevor man einen Dialog führt, muss man sich doch fragen: Verstehen beide Seiten darunter überhaupt dasselbe? Seit der Wandlung Europas vom «christlichen Abendland» Karls des Grossen zur säkularen westlichen Zivilisation nach der Renaissance bedeutet Dialog hier: diskursiver Austausch, nicht aber Missionierung Andersgläubiger.

Die historische Beziehung zwischen der christlich-europäischen und der islamischen Zivilisation ist durch gegenseitige Bedrohung, aber auch Faszination gekennzeichnet. Beide Parteien versuchten mit kriegerischen Mitteln – Jihad einerseits, Kreuzzüge andererseits – die jeweils andere zu unterwerfen. Dieses kriegerische Bewusstsein ist im Islam bis heute lebendig geblieben. Auf westlicher Seite hat dagegen die Säkularisierung obsiegt.

In Deutschland existieren Versuche eines Dialoges mit dem Islam seit den frühen Achtzigerjahren. Gesprächspartner waren auf europäischer Seite die Kirchen und christlichen Stiftungen, auf muslimischer Islamgelehrte und Regierungsvertreter. Ab den Neunzigerjahren aber traten organisierte Gruppen auf, die vorgaben, für die deutschen Muslime zu sprechen. Staaten wie die Türkei und Saudiarabien finanzieren heute diese Gruppen. In Europa ist der «Islam-Funktionär» zu einem bestens bezahlten Beruf geworden. Die Österreicher haben versucht, mit ihrem Islam-Gesetz die Fremdfinanzierung islamischer Verbände zu unterbinden. Ob das gelingt, ist fraglich, weil organisierte Islam-Funktionäre immer einen Weg finden, das bestehende Recht zu umgehen, manchmal sogar im Namen des Dialogs.

Aus diesem Grunde ist Skepsis angebracht, wenn diese Funktionäre sich zu Demokratie und Pluralismus bekennen, aber faktisch nichts als Forderungen und Anklagen erheben. Die Muslime gefielen sich in der Rolle des Opfers. Den christlichen Vertretern wurde nicht nur die deutsche Vergangenheit vorgehalten, sie wurden auch für die Kreuzzüge und für den Kolonialismus mit­verantwortlich gemacht. Zugleich verbaten es sich die Muslime doppelzüngig, mit der Geschichte des Jihad konfrontiert zu werden.

Der verlogene Dialog

Bei den islamischen Jihad-Eroberungen ist viel Blut geflossen, und Muslime haben Nichtmuslimen ihren Glauben oftmals brutal aufgezwungen. Doch darüber zu reden, gilt als Tabu. Lieber reden auch die Christen von ihrer eigenen dunklen Vergangenheit. Ein solches Ritual einseitiger Schuldzuweisungen ist kein Beitrag zur Verständigung zwischen den Zivilisationen. Es kommt dabei nur ein verlogener Dialog heraus. Christen müssen sich mit dieser feindseligen Einstellung offen auseinandersetzen, statt weiterhin von Nächstenliebe zu sprechen.

Warum geschieht dies nicht?

Erstens: die Schuldgefühle der europäischen Christen in Bezug auf die unrühmliche Vergangenheit ihrer ­Kirche im Dritten Reich. Nie wieder will man in die Gefahr kommen, andere Religionen zu diskriminieren. Hier stellt sich freilich die Frage, warum es Islamisten, die militante Antisemiten sind, gestattet sein soll, moralisches Kapital aus dem vergangenen Leiden der Juden zu schlagen.

Zweitens: die gesinnungsethisch verordnete Fremdenliebe der Deutschen, die es ihnen verbietet, zwischen demokratischen und undemokratischen Kulturen zu unterscheiden.

Drittens: die Angst der christlichen Kirchen vor Machtverlust. Wenn nämlich der Anspruch des organisierten Islam, alle Muslime im Rahmen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu vertreten, zurückgewiesen wird, bliebe dies im Sinne der Gleichbehandlung nicht ohne Folgen für die Kirchen. Wer den Monopolanspruch der orthodoxen Muslime bestreitet, gefährdet das entsprechende christliche Monopol.

Ein aufrichtiger Dialog muss einige Kriterien als Voraussetzung erfüllen: Beide Dialogpartner müssen sich vor­urteilsfreies theologisches und historisches Wissen über den anderen aneignen. Weder brauchen wir inter­religiöse Schmusestunden noch einen Austausch von Beweihräucherungen oder verlogenen Zusicherungen des guten Willens der abrahamitischen Religionen. Ehrlichkeit gibt es nur, wenn man ohne Selbstzensur, Tabus und Duckmäuserei miteinander reden kann. Die Grundlage muss die Akzeptanz der Gleichberechtigung der Religionen sein. Weder Beschuldigungen noch Selbstbezichtigungen helfen dabei weiter. Weder Islamisten noch schriftgläubige Muslime und erst recht nicht Islam-Funktionäre erfüllen die Bedingungen.

Bassam Tibi (72) ist emeritierter Professor für Internationale Beziehungen der Universität Göttingen. Als Islam-Experte schreibt er regelmässig für die BaZ. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.10.2016, 07:12 Uhr

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