Polizei löst Demonstration in Putins Geburtsstadt gewaltsam auf

Wladimir Putin wird heute 65. An seinem Geburtstag haben Oppositionelle in über 20 Städten demonstriert. Allein in St. Petersburg wurden 66 Personen festgenommen.

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Am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin haben zahlreiche Oppositionelle in mehreren Städten gegen die Regierung demonstriert. Mehr als 200 Regierungskritiker sind festgenommen worden. In insgesamt rund 80 Städten, darunter Moskau, Sotschi und Kaliningrad, folgten Menschen dem Demonstrationsaufruf des derzeit inhaftierten Oppositionsführers Alexej Nawalny.

Im Zentrum der Hauptstadt Moskau gingen trotz Regens und Versammlungsverbots mehr als tausend Demonstranten auf die Strasse. Sie riefen «Putin, Schande Russlands» und «Alles Gute zum Geburtstag». Viele hielten die russische Verfassung in die Höhe. «Es ist wichtig, eine Wahl zu haben, eine Opposition», begründete die 20-jährige Studentin Swetlana Kiselewa ihre Teilnahme. Die Polizei sprach von einer Menge aus 700 Demonstranten und Journalisten. Hunderte Polizisten hinderten sie am Zugang zum Roten Platz.

«Putin ist ein Dieb! Freiheit für Nawalny!»

Die grösste Kundgebung fand in Putins Geburtsstadt St. Petersburg statt. Dort versammelten sich etwa 3000 Demonstranten, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Teilnehmer riefen «Putin ist ein Dieb! Freiheit für Nawalny!», während sie von zahlreichen Sondereinsatzkräften der Polizei umringt wurden. Der 20-jährige Demonstrant Igor Klimow sagte, Putin «ist immer an der Macht gewesen, solange ich denken kann, und überall sieht man nichts als Korruption».

Der Sprecher von OVD-Info, Artjom Platow, sagte, bei der gewaltsamen Auflösung der Kundgebung in St. Petersburg seien mindestens 66 Menschen festgenommen worden. Bereits vor dem Beginn der verbotenen Demonstration waren dort zwei Mitglieder von Nawalnys Wahlkampfteam festgenommen worden.

Anti-Putin-Proteste: Hunderte wurden festgenommen. (Video: Tamedia/AFP)

Präsidentschaftskandidat in Haft

Bei den Protesten in rund 80 Städten gab es damit laut OVD-Info insgesamt 235 Festnahmen, unter anderem in der westlichen Exklave Kaliningrad, in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi, in Jekaterinburg im Ural und in Samara an der Wolga. Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Demonstranten. Der staatliche Nachrichtensender Rossia-24 erwähnte die Proteste nicht und berichtete stattdessen über Geburtstagsglückwünsche an Präsident Putin.

Zu den landesweiten Demonstrationen hatte der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny aufgerufen. Der 41-jährige Politiker und Anwalt will im März bei der Präsidentschaftswahl gegen Putin antreten.

Seit 1999 an der Macht

Putin führt seit 1999 die politischen Geschicke des Landes – davon insgesamt fünf Jahre als Regierungschef und 13 Jahre als Präsident. Ob er im kommenden Jahr für eine weitere Amtszeit als Staatschef antritt, hat er nach eigenen Angaben noch nicht entschieden. Dies wird jedoch allgemein erwartet.

Nawalny ist einer der bekanntesten Putin-Kritiker des Landes und prangert regelmässig die Korruption im Land an. Nach Auffassung der Wahlkommission darf er aufgrund einer Verurteilung wegen Betrugs nicht gegen Putin kandidieren.

«Dieser Frass für den Rest unseres Lebens»

Bei den Kundgebungen vom Samstag konnte Nawalny nicht so viele Anhänger mobilisieren wie im März und im Juni. Damals waren zehntausende Menschen Nawalnys Aufruf zu Protesten gegen Putin gefolgt. Dabei gab es schwere Zusammenstösse zwischen Polizei und den meist jungen Demonstranten, hunderte Menschen wurden festgenommen.

Nawalny befindet sich derzeit zum wiederholten Mal in Haft. Er war im September auf dem Weg zu einer Kundgebung festgenommen worden. Am Montag verurteilte ihn ein Moskauer Gericht zu einer 20-tägigen Haftstrafe, weil er wiederholt zur Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen aufgerufen hatte.

In einer Botschaft, die Nawalny vor einigen Tagen aus seiner Gefängniszelle diktiert hatte, hiess es am Samstag: «Wenn wir nichts tun, werden sie uns für den Rest unseres Lebens diesen Frass vorsetzen. Und unseren Kindern auch.»

(mch/afp)

Erstellt: 07.10.2017, 20:38 Uhr

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