Gute und böse Flüchtlinge

Jetzt werden die vielen jungen Männer in den Asylunterkünften plötzlich als Bedrohung für die ­Migrantinnen betrachtet. Und für die hier lebenden Frauen?

Flüchtlinge bei der Ankunft auf Lampedusa: Das Asylwesen ist laut der Schweizerischen ­Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht zu stark auf Männer ausgerichtet.

Flüchtlinge bei der Ankunft auf Lampedusa: Das Asylwesen ist laut der Schweizerischen ­Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht zu stark auf Männer ausgerichtet. Bild: Keystone

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Auch in Flüchtlings­fragen hat die ­romantische Wunschvorstellung gewisser politischer Akteure reichlich wenig mit der Realität zu tun. Dieser Umstand wurde ­kürzlich von der Schweizerischen ­Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) erkannt. So bemerkten die Verantwortlichen der SBAA in einem Fachbericht, dass das hiesige Asylverfahren zu stark auf Männer ausgerichtet sei, und verlangen eine Anpassung des Asylgesetzes. Dieses müsse zwingend auf die Schwächsten und ­Verletzlichsten ausgerichtet werden und dies betreffe nun mal Frauen und Mädchen.

Die SBAA ruft die Behörden auf, in Asyl­unterkünften die Sicherheit der Frauen zu gewährleisten sowie Frauen und Männer getrennt unterzubringen. Monatelang warteten ganze ­Legionen von Gutmenschen auf Bahnhöfen, schwenkten Refugees-welcome-Plakate und ­verteilten Teddybärchen. Alle Flüchtlinge – ob männlich oder weiblich – wurden herzlich ­empfangen und jeder, welcher diese Willkommenskultur auch nur ansatzweise hinterfragte, bekam den Nazi-Stempel aufgedrückt. Und jetzt sind die vielen jungen Männer in den Asylunterkünften plötzlich eine Bedrohung für die ­Migrantinnen. Naturgesetze können nun mal auch von Asylschwärmern nicht ausser Kraft gesetzt werden.

Und die hier lebenden Frauen?

Ein weiterer Aspekt wurde von der Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht wohl ­aufgrund der politischen Korrektheit gänzlich ausgeklammert. Was bedeuten Flüchtlinge, welche eine Gefahr für Migrantinnen darstellen, für unsere Bevölkerung, und dabei stehen vor allem die weiblichen Angehörigen der Bevölkerung im ­Vordergrund? Nur wenn gewissen Flüchtlingen verunmöglicht wird, innerhalb einer Asylunterkunft die Frauen zu belästigen, bedeutet dies noch lange nicht, dass sich deren Einstellung zum weiblichen Geschlecht in irgendeiner Art und Weise verändert. Für die SBAA reicht es wohl aus, Migrantinnen zu schützen; die hier lebenden Frauen sollen sich doch bitte mit diesem Umstand abfinden. Quasi als Kompensation für die kulturelle Bereicherung unserer Gesellschaft durch eine ungebremste Zuwanderung von Flüchtlingen.

Eine weitere für gewisse Kreise beinahe heilige Gruppe sind Jugendliche, die sich alleine auf der Flucht befinden. So reiste vergangenes Jahr ein 16 Jahre alter Junge ohne Begleitung aus Afghanistan nach Europa und erhielt in Deutschland Asyl. Ein Jahr später wird er dringend verdächtigt, in Freiburg im Breisgau eine 19-jährige Medizinstudentin vergewaltigt und getötet zu haben. Ob sich die Hinterbliebenen damit trösten, dass es sich beim Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter um eine besonders verletzliche Person gemäss Dublin-Verfahren handelt, ist wohl eher zu ­verneinen.

Vor allem Männer

Sicher werden gewisse politische Kreise auch diese Tat als nicht repräsentativen Einzelfall verharmlosen. Auch hierzulande rühmen sich etliche Politikerinnen und Politiker aus dem rot-grünen Spektrum, bei sich Flüchtlinge aufgenommen zu haben. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei den Aufgenommenen in den allermeisten Fällen um Frauen und Kinder. Offenbar sind Männer in den heimischen vier Wänden nicht so gefragt, wobei man auf den Fotos mit den Flüchtlingsschiffen auf dem Mittelmeer und bei der Ankunft in Lampedusa vor allem junge Männer sieht. Auch hier besteht zwischen Wunsch­denken und Realität eine grosse Kluft.

Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.12.2016, 09:46 Uhr

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