Ägypten: Israel hat seit Monaten Rechnungen nicht bezahlt

Ägypten hat das Gas-Lieferabkommen mit Jerusalem aufgekündigt. Die Massnahme verschärft die Krise zwischen den Nachbarländern und könnte Israel schon bald einen Versorgungsengpass bescheren.

Ägypten macht Sabotageakte für den Lieferstopp verantwortlich: Brennende Gas-Pipeline auf der Sinai-Halbinsel. (November 2011) Bild: Keystone

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Ägypten stellt seine Gaslieferungen an Israel ein. Der israelische Energieminister Uzi Landau warnte heute vor einer Belastung der Beziehungen zwischen beiden Staaten, während Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte, es handele es um rein geschäftliche Angelegenheiten ohne politische Dimension.

Der Liefervertrag aus dem Jahr 2005 wurde seit dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak im vergangenen Jahr zu einem Symbol der Spannungen zwischen beiden Ländern. Kritiker erklärten, Israel habe das Gas unter Marktpreis erhalten. Vertraute von Mubarak hätten von dem Deal profitiert und Millionen verdient. Israel erklärte dagegen, es zahle einen fairen Preis für das Erdgas.

Gegenseitige Vorwürfe

Der Vorstandsvorsitzende des ägyptischen Versorgers, Mohamed Schoeb, erklärte am Sonntag, der Lieferstopp sei keine politische Entscheidung. Israel habe vielmehr seit vier Monaten nicht für das Gas bezahlt. Die ägyptische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Faisa Abul Naga, sagte Israel sei vor der Kündigung des Liefervertrags fünf Mal darauf hingewiesen worden, dass es seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllt habe.

Die israelischen Behörden warfen dem Versorger vor, er habe nicht die vereinbarten Gasmengen geliefert. Der israelische Energieversorger warnte schon vor Stromausfällen im Sommer, die teilweise auf die Unzuverlässigkeit der Erdgaslieferungen aus Ägypten zurückzuführen sein würden.

Freund Mubaraks verurteilt

Ein enger Freund Mubaraks, Hussein Salem, gehörte zu den Gesellschaftern der East Mediterranean Gas Co., dem ägyptisch-israelischen Unternehmen, das das Gas nach Israel liefert. Salem floh nach dem Aufstand nach Spanien und wurde in Abwesenheit wegen des Gasliefervertrags zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Israel bezieht etwa 40 Prozent seines Gases aus Ägypten. Im vergangenen Jahr wurden auf der Sinai-Halbinsel wiederholt Pipelines von Extremisten gesprengt, wodurch Lieferungen nach Israel unterbrochen waren. Aus dem ägyptischen Ölministerium verlautete zunächst, die Lieferungen seien auch wegen der häufigen Anschläge eingestellt worden.

Friedensabkommen 1979

Das Verhältnis zwischen dem jüdischen Staat und Ägypten hat sich seit dem Sturz Mubaraks massiv verschlechtert. Vor einigen Monaten hatte ein wütender Mob die israelische Botschaft in Kairo gestürmt und eine ernste diplomatische Krise ausgelöst.

Ägypten war der erste arabische Nachbar, der 1979 ein Friedensabkommen mit Israel geschlossen hat. Islamisten in Ägypten haben auch dies schon mehrfach in Frage gestellt.

Das von Islamisten dominierte Parlament in Kairo begrüsste den Lieferstopp «in das zionistische Gebiet». Diese Massnahme spiegele den Volkswillen wider. Der Stopp der Erdgaslieferungen nach Israel betrifft auch Jordanien, dessen Elektrizitätswerke zu 80 Prozent von ägyptischem Erdgas abhängen. Die Regierung in Amman zeigte sich denn auch besorgt über die instabilen Lieferungen. (mrs/rub/sda/dapd)

Erstellt: 23.04.2012, 12:13 Uhr

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