Al-Qaida breitet sich im Südjemen aus

Der jemenitische Arm von al-Qaida nutzt das politische Chaos im Jemen, um seine eigene Machtstellung auszubauen: Das Terrornetzwerk hat bereits einen Flughafen, ein Öllager sowie einen Hafen unter Kontrolle.

Der Konflikt im Jemen wird immer unübersichtlicher: Bewaffnete Mitglieder einer separatistischen Bewegung im Süden des Landes. (14. April 2015)

Der Konflikt im Jemen wird immer unübersichtlicher: Bewaffnete Mitglieder einer separatistischen Bewegung im Süden des Landes. (14. April 2015) Bild: AFP

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Während die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen den Luftangriffen arabischer Länder trotzen und ihren Vormarsch vorantreiben, bauen sunnitische al-Qaida-Kämpfer ihre Macht anderswo im Lande aus.

Kämpfer des Terrornetzwerkes haben im Süden des umkämpften Jemen den strategisch wichtigen Flughafen von Mukalla erobert. Zuvor hätten sie sich einen kurzen Kampf mit Soldaten geliefert, die den Airport schützen sollten, teilten Militärsprecher mit. Auch nahmen die Extremisten den Angaben zufolge ein Öllager und den Hafen von Mukalla ein. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Dschamal Benomar, reichte inmitten des herrschenden Chaos seinen Rücktritt ein.

Kritik aus Saudiarabien

Die Vereinten Nationen teilten aber mit, sie würden nichts unversucht lassen, um den Friedensprozess im Jemen wieder in Gang zu bringen. Wegen ausbleibender Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung für das Land war zuletzt Kritik an Benomar laut geworden, vor allem aus Saudiarabien. Das Königreich und andere arabische Länder fliegen derzeit Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen.

Damit soll der Vormarsch der schiitischen Aufständischen aus dem Norden des Jemen gestoppt werden. Die Huthis haben die Hauptstadt Sanaa und grosse Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Mit ihrem Angriff auf die südjemenitische Hafenstadt Aden trieben sie Ende März den international anerkannten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi in die Flucht. Er rettete sich nach Saudiarabien.

Jemens Vizepräsident Chaled Bahah rief die Huthis auf, ihren Vormarsch auf Aden zu stoppen. Dies wäre eine Geste des guten Willens und könne Friedensinitiativen eine Chance geben, sagte Bahah in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Dorthin war er mit Hadi geflohen.

Hafenstadt überrannt

Der jemenitische Arm von al-Qaida nutzt das politische Chaos im Jemen, um seine eigene Machtstellung auszubauen. Mukalla selbst – eine Hafenstadt im Osten von Jemens grösster Provinz Hadramawt – hatten die sunnitischen Extremisten bereits vor einigen Wochen überrannt und Häftlinge befreit, darunter auch Männer aus den eigenen Reihen.

Nach Angaben von Einwohnern leisteten die in Mukalla stationierten Regierungstruppen nur geringen Widerstand, als al-Qaida anrückte. Die ausserhalb der Stadt stationierte Infanterie-Brigade gehört zu den grössten des Landes, sie soll eigentlich die Küste von Mukalla absichern. Al-Qaida Im Jemen gilt als der gefährlichste Arm des Terrornetzwerkes. Nach Mukalla sind Huthi-Rebellen bisher nicht vorgedrungen. (rar/sda)

Erstellt: 16.04.2015, 22:18 Uhr

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