Al-Saadi Ghadhafi in Niamey eingetroffen

Der Sohn des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi ist in der nigrischen Hauptstadt Niamey angekommen, wo er politisches Asyl beantragt. Dies bestätigte ein Regierungssprecher.

Hat Libyen verlassen: Muammar al-Ghadhafis Sohn Saadi Ghadhafi im Januar 2011.

Hat Libyen verlassen: Muammar al-Ghadhafis Sohn Saadi Ghadhafi im Januar 2011. Bild: Reuters

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Die nigrische Regierung hatte am Wochenende bestätigt, dass al-Saadi Ghadhafi die Grenze überquert habe. Er befinde sich inzwischen wie die drei Generäle in Niamey, sagte Regierungssprecher Marou Amadou in der Nacht zum Mittwoch. Bei den Generälen handelt es sich um den Befehlshaber von Ghadhafis Luftwaffe und zwei seiner Regionalkommandeure. Sie wollen in Niger politisches Asyl für sich und andere Mitglieder des zusammengebrochenen Regimes erwirken. In dem Land befinden sich nach Regierungsangaben etwa 30 Vertreter des ehemaligen Regimes beziehungsweise deren Angehörige.

Ein Rebellenführer aus Niger, der aufseiten Ghadhafis kämpfte, sagte, die Kommandeure seien ins Nachbarland geflüchtet, nachdem der Kontakt zu Ghadhafi vor dreieinhalb Wochen abgebrochen sei. Die Eroberung von Tripolis durch die Aufständischen führte Rebellenführer Aghaly Alambo auf einen Verrat zurück: Der Sicherheitschef der Hauptstadt sei bereits Wochen zuvor zu den Rebellen übergelaufen, habe die Verteidigung von Tripolis aber weiter geleitet. Unter anderem habe er die Koordinaten von Stellungen der Regierungstruppen verraten, so dass die Nato diese mit Luftangriffen habe ausschalten können, sagte Alambo.

Niger will nicht alle ausliefern

Die libyschen Rebellen fordern von Niger, dass Vertreter des Regimes wieder zurück in ihre Heimat geschickt werden. Niger hat sich bisher lediglich zur Auslieferung der drei vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Regime-Mitglieder bereit erklärt: Ghadhafi, sein Sohn Saif al-Islam und Ghadhafis Geheimdienstchef. Vermutlich hält sich keiner der drei in Niger auf.

Der nationale Übergangsrat der libyschen Rebellen will das Land künftig bei den Vereinten Nationen vertreten. Die Führung der Rebellen habe hierzu einen Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon geschickt und um Weiterleitung an die Vollversammlung gebeten, sagte deren neuer Präsident Nassir Abdulasis al-Nasser. Ein Ausschuss werde den 193 Mitgliedsstaaten hierzu eine Empfehlung geben, sagte al-Nasser. Bislang wird Libyens Sitz bei den Vereinten Nationen noch von der Regierung des früheren Machthabers al-Ghadhafi gehalten.

(wid/sda)

Erstellt: 14.09.2011, 06:15 Uhr

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