Am Rand eines Krieges

Israel und Iran liefern sich in Syrien Scharmützel. Die Unsicherheit in Nahost steigt.

Isrealische Soldaten beziehen an der israelisch-syrischen Grenze Stellung.

Isrealische Soldaten beziehen an der israelisch-syrischen Grenze Stellung. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Israel und Iran sind am Wochenende erstmals militärisch aufeinandergestossen. Am Samstag war eine iranische Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen, die in der Folge von israelischen Kampfhelikoptern abgeschossen wurde. Noch am gleichen Tag stieg eine israelische Vierer-F-16I-Staffel auf, um die iranische Kommandoanlage der Drohne zu zerstören, die sich auf syrischem Gebiet befand. Dabei gelang es der syrischen Armee erstmals seit 1982, einen israelischen Kampf-Jet zu zerstören.

Er stürzte am Samstag über israelischem Gebiet ab, nachdem er von der syrischen Fliegerabwehr getroffen worden war. Die beiden Piloten konnten sich retten, indem sie den Schleudersitz bedienten. Wären sie über syrischem Territorium abgestürzt und in syrische Gefangenschaft geraten, wäre die Lage eskaliert.

Vorerst hat sich die Situation zwar beruhigt. Laut Experten haben weder Jerusalem noch Teheran sowie die iranischen Satelliten in Damaskus und in Beirut Interesse an einem Krieg. Die Auswirkungen der Konfrontation vom Samstag werden in Tel Aviv indessen unterschiedlich eingeschätzt. Was im Norden Israels geschah, könnte der Beginn eines iranisch-israelischen Krieges sein, meinen Kommentatoren in israelischen Medien; falls nämlich die iranische Militärpräsenz in Syrien verstärkt werde, so die eine Denkschule.

Auch die Tatsache, dass seine Luftwaffe einen israelischen Flieger abgeschossen habe, werde Syriens Herrscher Baschar Assad selbstsicherer machen; das könnte ihn zu neuen Abenteuern verleiten. Obwohl die israelische Luftwaffe mit dem Abschuss des Kampfflugzeugs einen empfindlichen Schlag einstecken musste, sei die Abschreckungskraft aber nach wie vor garantiert, widersprechen andere Militärexperten. Bei einer weiteren Provokation werde die Luftwaffe noch stärker zurückschlagen, warnte gestern ein Kabinettsmitglied.

Die Staffel hatte in Syrien laut Angaben des Armeesprechers ein Dutzend Ziele angegriffen, darunter auch vier iranische. Dabei sei ein «signifikanter Teil» der syrischen Fliegerabwehr zerstört worden.

Netanyahu und Putin in Kontakt

Vor ein paar Tagen hatte das israelische Kabinett im Norden Israels getagt, um die Feinde im Norden zu warnen: Syriens Regierung, die Hizbollah und die iranischen Milizen in Syrien. Premier Benjamin Netanyahu hatte in den vergangenen Monaten mehrmals Russlands Präsidenten Wladimir Putin getroffen oder mit ihm telefoniert. Dabei definierte Netanyahu gegenüber Putin, dem derzeit wichtigsten Akteur in Syrien, die roten Linien Israels.

Israel befürchtet einen zunehmenden Einfluss seines Erzfeindes Iran in Syrien. Netanyahu soll Putin gebeten haben, Iran zur Mässigung aufzufordern. Teheran wolle syrisches Gebiet dazu benutzen, Israel anzugreifen, mit dem erklärten Ziel, Israel zu zerstören, fasst Jerusalem die iranische Gefahr zusammen. Als ob die Ayatollahs dies bestätigen wollten, präsentierten sie an einer Militärparade die neuesten ballistischen Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern.

Unter dem Schutzschirm der russischen Armee, die in Syrien Präsenz markiert, haben der Iran und die libanesischen Hisbollah-Milizen in Syrien ein Netzwerk aufgezogen, um Israel zu attackieren. In den vergangenen Monaten hat Israels Luftwaffe in Syrien wiederholt eingegriffen, um iranische Waffentransporte an die Hizbollah zu unterbinden. Bisher war das stets ohne Gefahr möglich gewesen.

Nach dem Abschuss eines Kampfjets ist man sich in Tel Aviv indessen nicht mehr sicher, ob diese Bewegungsfreiheit auch künftig ohne Risiken möglich sein werde. Je enger die russisch-iranische Allianz in Syrien wird, desto schwieriger wird es für Israel, Aggressionen aus dem nördlichen Nachbarland abzuwehren, ohne dabei russische Interessen zu treffen.

Zudem etabliert sich in Nahost immer stärker ein amerikanisch-russischer Gegensatz: Die Vereinigten Staaten haben unter Präsident Donald Trump ihren Kurs gegen den Iran deutlich verschärft. Trump droht seit seinem Amtsantritt immer wieder, das zwischen Teheran und den fünf Vetomächten und Deutschland geschlossene Atomabkommen aufzukündigen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 10:30 Uhr

Artikel zum Thema

Israel bietet Migranten Geld für Ausreise

Im Kampf gegen die illegale Einwanderung bietet Israel Flüchtlingen aus Afrika Geld für eine freiwillige Rückkehr und droht zugleich mit Haft. Mehr...

Trump zündelt im Nahen Osten

Der Streit um die Verlegung der US-Botschaft in Israel nach Jerusalem eskaliert. Mehr...

Paid Post

Schmuckträume zum Afterwork de luxe

Zum Feierabend italienischen Edelschmuck in stilvoller Atmosphäre bewundern? Das geht im Salotto Pomellato bei Seiler Juwelier.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...