Boko Haram tötet bis zu 500 Menschen

Die Gewalt in Nigeria erreicht einen neuen Höhepunkt: Die Angreifer verkleideten sich als Soldaten und fielen in mehrere Dörfer ein.

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Kämpfer der radikalislamischen Gruppe Boko Haram haben laut Augenzeugen im Nordosten Nigerias mindestens 400 bis 500 Zivilisten ermordet. Die Angreifer seien als Soldaten verkleidet in vier Gemeinden im Staat Borno eingefallen und hätten die Menschen getötet, berichtete ein Ortsvorsteher, der überlebt hat. Bestätigt sich die hohe Opferzahl, wären es die blutigsten Attacken von Boko Haram seit Beginn ihres Aufstands vor fünf Jahren.

Die Provinzregierung habe Soldaten zum Schutz der Orte versprochen, doch seien die Truppen nicht rechtzeitig eingetroffen, sagte der Ortsvorsteher weiter. Ein Senator aus Borno und ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte in der Provinzhauptstadt Maiduguri bestätigten den Vorfall, der sich bereits am Montag zugetragen haben soll. Da der Weg nach Maiduguri extrem gefährlich ist und Telefonverbindungen, wenn überhaupt vorhanden, nur sehr schlecht sind, dauerte es mehrere Tage, bis die Nachricht von dem Massaker die Stadt erreichte.

Die betroffenen Dörfer liegen in der Nähe von Gwoza, einer Kreisstadt, deren Emir in der vergangenen Woche bei einem Angriff der Boko Haram getötet wurde. Die religiösen Würdenträger und traditionellen Führer sind verstärkt ins Fadenkreuz der Boko Haram geraten, seit sie sich gegen die Extremisten ausgesprochen haben.

Hilflose Regierung

Boko Haram hält seit rund fünf Jahren die Menschen im Norden Nigerias in Angst und Schrecken. Die Gruppe will einen islamischen Staat errichten. Mehr als 2000 Menschen haben allein in diesem Jahr bei Angriffen und Anschlägen von Boko Haram das Leben verloren. Mitte April hat Boko Haram zudem mehr als 300 Schülerinnen entführt. Noch immer sollen 272 von ihnen in Gefangenschaft sein.

Die nigerianische Regierung steht dem Terror weitgehend hilflos gegenüber. Insbesondere in den ländlichen Regionen im Nordosten des Landes gibt es mehrere Gegenden, die so gefährlich sind, dass sich selbst das Militär dort nicht mehr hineintraut.

Kashim Shettima, der Gouverneur des Staates Borno, der am Wochenende in die Region um Gwoza gereist war, räumte laut der Internetseite Information Nigeria selbst ein, dass er auf der Reise Angst gehabt habe, obwohl sein Konvoi von etwa 150 Soldaten bewacht worden sei. (thu/AP)

Erstellt: 05.06.2014, 12:35 Uhr

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