Burkina Fasos Armee stellt sich hinter Zida

Machtkampf in Burkina Faso: Wenige Stunden nachdem der Militärchef die Macht übernommen hat, liess sich gleich ein zweiter Offizier zum Staatschef ausrufen. Blaise Compaoré reiste derweil in die Elfenbeinküste.

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Nach dem Rücktritt von Blaise Compaoré als Staatschef von Burkina Faso hat sich die Armee hinter Oberst Isaac Zida als Führer einer Übergangsregierung gestellt. Die Armeeführung habe sich einstimmig für den bisherigen Vizechef der Präsidentengarde Zida ausgesprochen, hiess es in einer Erklärung des Generalstabs. Unterzeichnet war die Erklärung von Militärchef Honoré Traoré, der ursprünglich das Amt des Übergangspräsidenten für sich beansprucht hatte.

Der nach Massenprotesten zurückgetretene Präsident Burkina Fasos, Blaise Compaoré, hat derweil das westafrikanische Land verlassen. Compaoré sei in die benachbarte Elfenbeinküste geflohen, meldete der Sender Radio France International.

Machtkampf unter Militärs

Nach dem Rücktritt Compaorés war unter den Militärführern des Lands zunächst offenbar ein Machtkampf um das Amt des Übergangspräsidenten entbrannt. Oberst Zida und Militärchef Traoré liessen sich beide als Staatsoberhaupt ausrufen. Der Vizechef der Präsidentengarde, Oberst Isaac Yacouba Zida, stellte sich wenige Stunden, nachdem Militärchef Honoré Traoré seinen Machtanspruch bekundet hatte, gegen den Armeechef.

In einer von einem privaten Fernsehsender übertragenen Ansprache sagte Zida, er werde als Übergangsstaatschef die «staatliche Kontinuität» wahren und in Zusammenarbeit mit den politischen Parteien und den Organisationen der Zivilgesellschaft für einen «ruhigen demokratischen Übergang» sorgen.

Die Erklärung, mit der Traoré das Präsidentenamt für sich beansprucht hatte, wies Zida als «unwirksam» zurück. Zida forderte die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (CEDEAO) auf, das burkinische Volk bei dieser «schweren Prüfung» zu unterstützen.

Ex-Präsident «an einem sicheren Ort»

Zugleich erklärte er, dass der zurückgetretene Präsident Blaise Compaoré «an einem sicheren Ort» untergebracht sei. Die «Sicherheit» und das «Wohlergehen» Compaorés seien gewährleistet. Wie aus französischen Diplomatenkreisen in Paris verlautete, floh Compaoré aus der Hauptstadt Ouagadougou und reiste in den Süden des Landes.

Nach Massenprotesten gegen eine Verfassungsänderung zugunsten von Präsident Compaoré hatte am Donnerstagabend die Armee die Macht in Burkina Faso übernommen. Compaoré gab am Freitag nach 27 Jahren an der Macht seinen Rücktritt bekannt. Er war seit 1987 an der Macht gewesen.

Kritik an Nähe zum Präsidenten

Militärchef Honoré Traoré erklärte anschliessend, er übernehme «gemäss der Verfassung» mit sofortiger Wirkung das Amt des Staatschefs. Traoré wird jedoch von grossen Teilen der Bevölkerung und von der Opposition wegen seiner Nähe zum geschassten Präsidenten nicht akzeptiert.

Eine Gruppe junger Offiziere um Zida begehrte gegen Traoré auf und erklärte die Verfassung für «aufgehoben». In einer Mitteilung kündigte die Gruppe die Bildung eines Übergangsgremiums an, dass die «schnellstmögliche» Wiederherstellung der Ordnung organisieren solle. In einer weiteren von Zida unterzeichneten Erklärung wurde zudem die Schliessung der Landesgrenzen angeordnet.

Hoffen auf Einigung

Oppositionsführer Benewende Sankara bezeichnete Traorés Vorgehen als «Umsturz». Ein weiterer Oppositionsführer, Zephirin Diabre, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er hoffe auf eine Einigung unter den beiden konkurrierenden Armee-Fraktionen unter Zida und Traoré. Zida scheint dabei mehr Rückhalt in der Zivilgesellschaft zu geniessen.

«Wir verurteilen entschieden jeden Versuch der Machtergreifung auf einem nicht verfassungsmässigen Weg», teilte die US-Regierung in Washington mit. Der diplomatische Dienst der EU in Brüssel erklärte ebenfalls, die Verfassung des Landes müsse respektiert werden.

Frankreichs Präsident François Hollande begrüsste Compaorés Rücktritt und erklärte, nun sei es möglich, «einen Ausweg aus der Krise zu finden». Zugleich forderte Hollande «die schnelle Abhaltung demokratischer Wahlen».

Angespannte Lage in der Hauptstadt

Die Proteste gegen Compaoré waren am Donnerstag eskaliert. Aufgebrachte Demonstranten hatten das Parlament gestürmt und in Brand gesteckt und so die Abstimmung über eine Verfassungsänderung verhindert, die Compaoré eine weitere Amtszeit ermöglicht hätte.

Am Freitag war die Lage in der Hauptstadt weiter angespannt, es kam zu Plünderungen im Regierungsviertel. Die Polizei schritt zunächst nicht ein.

Compaoré war 1987 im Alter von 36 Jahren durch einen Putsch gegen seinen langjährigen Weggefährten Thomas Sankara an die Macht gekommen. Der Sozialist Sankara, der im Zuge der Revolte getötet wurde, wird bis heute von vielen Burkinern verehrt. Compaoré liess sich seit 1991 vier Mal bei Wahlen im Amt bestätigen. Dazu liess er bereits einmal die Verfassung ändern. (kpn/sda)

Erstellt: 01.11.2014, 06:35 Uhr

Im westafrikanischen Burkina Faso ist es nach dem Rücktritt des umstrittenen Präsidenten Blaise Compaore offenbar zu einem Putschversuch und militärinternem Machtkampf gekommen. (Video: Reuters )

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