Demonstranten attackieren Sitz des libyschen Übergangsrates

Mehrere hundert Aktivisten protestierten im Sitz des Übergangsrates in Benghazi für mehr Transparenz. Dabei warfen sie Brandsätze und plünderten die Räumlichkeiten der libyschen Übergangsregierung.

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Wütende Demonstranten haben am Samstag den Sitz des libyschen Übergangsrats in der früheren Rebellenhochburg Benghazi gestürmt. Nach stundenlanger Belagerung sei das Gebäude attackiert und geplündert worden, sagte ein Mitglied des Übergangsrates am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Verletzt wurde demnach niemand.

Am Sitz des Übergangsrates hatten im Tagesverlauf hunderte Menschen für mehr Transparenz und den Ausschluss von früheren Verantwortlichen der Führung um den damaligen Machthaber Muammar al-Ghadhafi von wichtigen Posten demonstriert. Bis zum Abend stieg die Zahl der Demonstranten auf rund 1500. Laut Augenzeugen mit Steinen und Metallstangen bewaffnete Demonstranten warfen auch selbstgebaute Sprengsätze auf das Gebäude.

Jalil mit Flaschen beworfen

Die Demonstranten hätten bei ihrem Angriff die Fassade des Gebäudes in Brand gesetzt, Fenster zerstört und ein gepanzertes Fahrzeug demoliert, sagte Übergangsrats-Mitglied Fathi Badscha. Die Demonstranten hätten den Menschen im Inneren des Gebäudes aber ermöglicht, das Gebäude zu verlassen. Unter ihnen war demnach auch der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil. Augenzeugen zufolge hatte Jalil zuvor erfolglos versucht, die Demonstranten zu beruhigen. Er wurde demnach mit Plastikflaschen beworfen, als er sich an die Menschen wandte.

Seit Wochen gibt es in Benghazi bereits Proteste gegen den Nationalen Übergangsrat. Am Donnerstag wurde der Vize-Präsident des Gremiums, Abdel Hafes Ghoga, in der Universität von Benghazi von wütenden Studenten angegriffen. Sie werfen ihm vor, Teil der alten Führung um Ghadhafi gewesen zu sein, und bezeichneten ihn als «Opportunisten». Der Übergangsrat hatte den Angriff scharf verurteilt.

Die Erstürmung des Sitzes des Übergangsrates ereignete sich einen Tag, bevor das neue Wahlgesetz für die für Juni geplante Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung vorgestellt werden soll. Auch soll am Sonntag die Zusammensetzung der Wahlkommission bekanntgegeben werden. (kpn/AFP)

Erstellt: 22.01.2012, 07:54 Uhr

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