Der Mann hinter dem «Charlie Hebdo»-Attentat

Al-Qaidas Nummer zwei, Nasser al-Wuhayshi, ist tot. Wie der ex-Begleitoffizier Bin Ladens zu einer der wichtigsten Figuren des Terrornetzes wurde.

Scheint von der CIA getötet worden zu sein: Nasser al-Wuhayshi. (Quelle: www.thedailybeast.com)

Scheint von der CIA getötet worden zu sein: Nasser al-Wuhayshi. (Quelle: www.thedailybeast.com)

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Im Kampf gegen den Terror haben die USA offenbar einen wichtigen Treffer gelandet. CNN berichtete unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Sicherheitsverantwortliche im Jemen, Nasser al-Wuhayshi, Stellvertreter von Al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahri, sei am Freitag in der Gegend von Hadramaut östlich der südjemenitischen Stadt Aden bei einem US-Drohnenangriff getötet worden. Am Dienstag bestätigte ein örtlicher Behördenvertreter diese Meldung, seine Leiche liege streng bewacht in der Leichenhalle eines Krankenhauses in Mukalla. Ein US-Beamter hingegen sagte gegenüber der «Washington Post»: «Wir versuchen, seinen Tod zu bestätigen.»

Einer von Bin Ladens engsten Vertrauten

Wuhayshi gilt als langjähriger Weggefährte des am 2. Mai 2011 getöteten «Terrorfürsten» Osama Bin Laden. Er diente Bin Laden als Begleitoffizier in den späten 90er-Jahren und war im Jahr 2001 bei der Schlacht um die Bergfestung Tora Bora an der Seite des Al-Qaida-Chefs – beide entwischten dort den US-Truppen. Nasser al-Bahri, Bin Ladens ehemaliger Leibwächter, schrieb in seiner Biografie «Mein Leben bei al-Qaida»: «Auf seinem Flug in die Höhlen von Tora Bora wollte Osama nur seine engsten Vertrauten bei sich haben: Ayman al-Zawahri, Nasser al-Wuhayshi und der 2011 getötete Hamza al-Ghamdi.» Zwei Jahre später wurde der in den Iran geflohene Wuhayshi verhaftet und dem Jemen, seinem Heimatland, ausgeliefert. Im Gefängnis galt er als geistlicher Führer der Jihadisten und baute die Präsenz von al-Qaida im Jemen auf. Der dortige Ableger des Terrornetzwerkes ist heute bekannt als Aqap (al-Qaida der arabischen Halbinsel) und gilt als einer der stärksten und gefährlichsten. Vor einigen Monaten bekannte sich die Aqap öffentlich zu den Anschlägen auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo».

Im Jahr 2006 gelang Wuhayshi und seinen Gefolgsleuten dank einem selber gegrabenen Tunnel bis zur nebenan liegenden Moschee der Ausbruch aus dem Gefängnis. Gemäss dem US-Nachrichtenportal «The Daily Beast» sollen die Terroristen in ihren Zellen Passagen aus dem Koran möglichst laut rezitiert haben, um den Lärm der Schaufeln und Spitzhacken zu übertönen. Wuhayshi, auch Abu Bashir genannt, und seine 22 Mitflüchtlinge teilten sich anschliessend in Zweier- oder Dreiergruppen auf und flohen in verschiedene Richtungen.

Schnell wurde Wuhayshi zum Anführer der Aqap gewählt, stieg zu einem Topmann der al-Qaida auf, bis er von der Organisation 2008 erstmals öffentlich als deren «Emir im Jemen» bezeichnet wurde. Seinen Höhepunkt erreichte er, als Zawahri – Bin Ladens Nachfolger nach dessen Tod – an die Spitze al-Qaidas kam. Der neue Chef erinnerte sich an den stets loyalen Wuhayshi und machte ihn zum «Ma’sul al-Amm», Arabisch für «Geschäftsführer» – so wurde der ehemalige Islamstudent zu einem der von der CIA meistgesuchten Männer.

Die Aufgaben eines Geschäftsführers

Spätestens seit der Sicherstellung eines von Osama Bin Laden im Jahr 2010 verfassten Briefes an seinen damals neu ernannten Geschäftsführer, Atiyah Abd al-Rahman, weiss man um die Macht dieses Amtes, auch deshalb wird der «Ma’sul al-Amm» als Stellvertreter des Anführers oder als «al-Qaidas Nummer zwei» bezeichnet. So ernannte Bin Laden unter anderem die «Nomination von Brüdern für die allgemeine Pflicht der externen Arbeit (Anschläge im Ausland, Anm. d. Red.) in allen Regionen» zu den Aufgaben, mit dem Zusatz: «Im Zweifelsfall übernimmst du die Verantwortung.» Dazu soll der Geschäftsführer für die «Überwachung und Unterstützung aller Führer beim Angriff auf den Westen» zuständig sein und «die externe Arbeit der pakistanischen und afghanischen Taliban koordinieren.» Wie das amerikanische «The Long War Journal» schrieb, soll Wuhayshi auch noch Zeit gefunden haben, Kämpfer für Aqap selber zu rekrutieren und nach Paris gesandt zu haben.

In einem Bericht von 2013 schrieb die US-Regierung, Wuhayshi sei der ideale Kandidat «um sicherzustellen, dass die regionalen Ableger weiterhin einen grossen Teil ihrer Ressourcen gezielt dem Westen widmen». Sollten sich die Meldungen um Wuhayshis Tod tatsächlich bestätigen, wäre es also ein schwerer Schlag für al-Qaida. Und einer der wichtigsten Erfolge der USA seit der Tötung von Osama Bin Laden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2015, 11:33 Uhr

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