Ein Senkrechtstarter in Israel

Der ehemalige Generalstabschef Benny Gantz hat eine neue Partei gegründet. Er bedient rechte sowie linke Klientel

Ein scharfer Herausforderer: Im Gegensatz zu Netanyahu habe er saubere Hände, so der 59-jährige Benny Gantz.

Ein scharfer Herausforderer: Im Gegensatz zu Netanyahu habe er saubere Hände, so der 59-jährige Benny Gantz. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seinen lang erwarteten Auftritt hatte der ehemalige Generalstabschef Benny Gantz diese Woche im Stil amerikanischer Parteiveranstaltungen angelegt – Bad in der Menge, Konfettiregen und Singen der Hymne inklusive. Weder um links noch rechts, sondern um «Israel über allem» gehe es bei der Wahl am 9. April, erklärte Gantz bei seiner ersten Rede als Politiker. Er gilt als der Senkrechtstarter in diesem Wahlkampf. Der 59-Jährige ist der schärfste Herausforderer des rechtsnationalen Premierministers Benjamin Netanyahu. Im Gegensatz zu diesem habe er saubere Hände, verkündete Gantz mit Verweis auf die Anklagen, die dem Premierminister wegen Korruption drohen.

Auch nach seiner Präsentation lässt sich seine neu gegründete Partei, «Widerstandskraft für Israel», im politischen Spektrum nicht genau verorten. Einerseits verkündet Gantz, sich für eine Friedenslösung mit den Palästinensern einzusetzen, andererseits verspricht er, die jüdischen Siedlungsblöcke im Westjordanland zu verstärken, die annektierten Golanhöhen nie zu verlassen, und: «Das vereinte Jerusalem wird für immer die Hauptstadt des Staates Israel sein.»

Bedient rechte und linke Klientel

Mit seinen Hardlinerpositionen in der Sicherheitspolitik will der ehemalige Generalleutnant, der 38 Jahre lang Dienst in der israelischen Armee geleistet hat, Wähler im rechten Spektrum ansprechen. Er präsentierte als Mitstreiter Moshe Yaalon, den noch weiter rechts positionierten Ex-Verteidigungsminister. Mit seiner Forderung nach Friedensverhandlungen und seinem Versprechen, gegen Ungleichheit und steigende Lebenshaltungskosten vorgehen zu wollen, bedient Gantz eine eher linke Klientel.

Sein Vater und seine Schwester waren in der Arbeitspartei aktiv. Als Kind ist er zusammen mit einer älteren und einer jüngeren Schwester in Kfar Ahim aufgewachsen. Diesen Ort hatten seine Eltern Malka und Nahum zusammen mit anderen Holocaust-Überlebenden aus Ungarn und Rumänien im Süden des Landes auf den Ruinen des palästinensischen Dorfes Kastina 1949 gegründet. Seine Eltern waren nicht religiös – ebenso wenig ihr Sohn. Seine Mutter hatte das NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt.

Sie erklärte ihrem Sohn während des Gazakriegs 2014, sie gehe nicht in die Schutzbunker, denn sie habe in ihrem Leben schon Schlimmeres erlebt. Gleichzeitig ermahnte sie ihn, dass seine Truppen weiterkämpfen, aber auch Lebensmittel in den Gazastreifen schicken sollten. In einem Video, das vergangene Woche veröffentlicht wurde, werden – aus israelischer Sicht – Gantz’ militärische Erfolge im Gazastreifen gepriesen: die Ermordung des Hamas-Führers Ahmed al-Jabari und weiterer 1364 «Terroristen».

Viel Zeit verbrachte Benny Gantz, der bereits mit 28 Jahren ein Fallschirmjäger-Bataillon kommandierte, im Libanon. Sein Kalender ist voll mit Todestagen von Soldaten, an denen er sich bei den Familienangehörigen meldet.

Ideale Führungsfigur

Der grosse, asketisch wirkende Gantz verkörpert für viele Israelis das Ideal einer Führungsperson. Dass er entscheiden und in brenzligen Situationen besonnen reagieren kann, hat er während seiner Militärzeit häufig unter Beweis gestellt. Angelastet wird ihm sein Verhalten als Kommandant der israelischen Einheiten im Westjordanland während der zweiten Intifada 2000 in Nablus. Ein von einem Scharfschützen getroffener drusischer Soldat, Madhat Yusuf, verblutete nach mehreren Stunden ohne Hilfe. Dessen Eltern wollten Gantz’ Ernennung zum Oberbefehlshaber vor Gericht verhindern.

Generalstabschef ist der verheiratete Vater dreier Kinder vor allem deshalb geworden, weil sein Vorgänger und der damalige Verteidigungsminister Ehud Barak ihren jeweiligen Favoriten nicht durchbringen konnten. In dieser Funktion, die er vier Jahre lang bis 2015 innehatte und ohne grössere Schnitzer übergeben konnte, erlangte Benny Gantz als Soldat jene öffentliche Bekanntheit, die ihm nun als Politiker zugutekommt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.02.2019, 07:10 Uhr

Artikel zum Thema

Terrortunnelblick

Kommentar Wie in ganz Europa die Vorurteile gegenüber Israel und den Juden zunehmen ist beschämend. Schlussendlich finanzieren wir allerdings den Terror. Mehr...

Israel unterzeichnet Migrationspakt nicht

Die Liste der westlichen Länder, die darauf verzichten, den Uno-Migrationspakt zu unterzeichnen, wird immer länger. Mehr...

Die geduldete Verteufelung Israels

Kommentar Der Antisemitismus kommt in den USA und Europa zunehmend in Mode. Die Medien schauen lieber weg. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

In luftiger Höhe: Ein Paraglider schwebt bei traumhaftem Wetter im Oberallgäu am Mond vorbei. (16. Februar 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...