Eine neue Terrorgruppe bedroht den Westen

Ein Bin-Laden-Vertrauter baut in Syrien ein weiteres Terrornetzwerk auf. Laut Geheimdiensten plant es Anschläge in Amerika und Europa.

Er gilt als Kopf der Terrorgruppe Khorasan: Steckbrief von Muhsin al-Fadhli.

Er gilt als Kopf der Terrorgruppe Khorasan: Steckbrief von Muhsin al-Fadhli.

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Der unheimliche Siegeszug des Islamischen Staates (IS) im Nahen Osten steht derart im Fokus der Weltöffentlichkeit, dass andere islamistische Terrororganisationen beinahe in Vergessenheit geraten. Dabei geht es nicht nur um bekannte Gruppierungen wie die al-Qaida-nahe Al-Nusra-Front in Syrien, sondern auch um neue wie Khorasan. Auch Khorasan steht dem Terrornetzwerk des getöteten Osama Bin Laden nahe.

Gemäss einem Bericht der «New York Times» ist der Chef von Khorasan Muhsin al-Fadhli, ein 33-jähriger Bin-Laden-Vertrauter, der aus Kuwait stammt. Al-Fadhli, der viele Jahre die Al-Qaida-Zelle im Iran befehligte, hat im vergangenen Jahr in Syrien mit dem Aufbau eines neuen Terrornetzwerks begonnen. Die USA haben schon vor Jahren sieben Millionen Dollar für Hinweise zur Festnahme von al-Fadhli ausgesetzt. Gesucht wird der Khorasan-Chef bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Anschläge auf Passagierflugzeuge

Khorasan, das derzeit Jihadisten aus dem Westen rekrutiert, plant Anschläge in den USA und in Europa, wie amerikanische Geheimdienste zu wissen glauben. Hinsichtlich der konkreten Bedrohung für das eigene Territorium wird Khorasan als grössere Gefahr für den Westen eingestuft als die Terrormiliz IS. Diese Einschätzung stammt von James R. Clapper, dem Nationalen Geheimdienstkoordinator der USA. Während Khorasan auf klassischen Terrorismus im Ausland setzt, etwa Anschläge auf Passagierflugzeuge, konzentriert sich der IS bisher auf die Errichtung eines Kalifats in Syrien und im Irak. Westliche Geheimdienste gehen allerdings davon aus, dass IS-Jihadisten aus dem Westen bei einer Rückkehr gefährlich sein könnten.

Belgiens Sicherheitsbehörden sollen bereits Attentate von Jihadisten vereitelt haben, darunter einen Anschlag auf das Gebäude der EU-Kommission. Die belgische Tageszeitung «L’Echo» berichtete am Wochenende, die Sicherheitsbehörden hätten mehrere Anschläge von Syrien-Rückkehrern und IS-Sympathisanten verhindert. Anschläge im Westen werden auch von der neuen Terrorgruppe Khorasan erwartet.

Khorasan kooperiert nicht nur mit der syrischen Al-Nusra-Front, sondern auch mit dem jemenitischen Al-Qaida-Ableger Aqap. Solchen al-Qaida-nahen Gruppierungen gelang es in den letzten fünf Jahren mindestens dreimal, Sprengsätze in Flugzeugen mit Zielflughäfen in den USA zu platzieren. Allerdings scheiterten die Anschläge. Einer dieser versuchten Terroranschläge geht auf das Konto des sogenannten Unterhosenbombers Umar Farouk Abdulmutallab, der zu Weihnachten 2009 ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit zur Explosion bringen wollte.

Kuwaitische Gelder für Khorasan-Terroristen

Die Terrorgruppe Khorasan ist benannt nach einer historischen Region, die in vor- und frühislamischer Zeit Teile des heutigen Iran, Irak, Afghanistans, Turkmenistans und Usbekistans umfasste. Als Stellvertreter von Fadhli gilt der 28-jährige Saudi-Araber Adel Radi Saqr al-Wahabi al-Harbi. Gemäss amerikanischen Erkenntnissen wird Khorasan von Jihad-Sponsoren aus Kuwait finanziert. Inzwischen sollen sich auch Al-Qaida-Leute aus Pakistan der Bande von Fadhli angeschlossen haben.

Wie die syrische Al-Nusra-Front ist auch die Khorasan-Gruppe eine Rivalin des Islamischen Staates. Ayman al-Zawahri, der aus Ägypten stammende Al-Qaida-Führer, hat die Verbindungen zum IS bereits vor Monaten abgebrochen. Vom Kampf der internationalen Allianz unter Führung der USA gegen die IS-Jihadisten in Syrien könnte die geschwächte Al-Nusra-Front profitieren. So oder so: Das Bürgerkriegsland Syrien wird noch lange eine Basis für islamistische Terroristen bleiben. (vin)

Erstellt: 22.09.2014, 17:48 Uhr

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