Er holte die Fussball-WM nach Südafrika – aber wie?

Der neue Bürgermeister von Port Elizabeth, Danny Jordaan, ist ein alter Bekannter in der Fifa. Jetzt hat der Politiker ein Problem.

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Es war ein für den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) höchst peinlicher Zufall. Soeben waren die letzten Vorbereitungen für die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters der südafrikanischen Hafenstadt Port Elizabeth getroffen, da platzte im 10'000 Kilometer entfernten Zürich eine Bombe, deren Druckwelle bis ans Kap der Guten Hoffnung zu spüren war – und über den Feierlichkeiten in Port Elizabeth eine Staubwolke absetzte.

Denn der neue Bürgermeister heisst Danny Jordaan: eben jener schwarzhaarige Herr mit inzwischen leicht ergrauten Schläfen, der gemeinsam mit Nelson Mandela im Jahr 2004 als Chef des südafrikanischen Bewerbungskomitees die Fussballweltmeisterschaft für 2010 ans Kap geholt hatte. Jordaan, der anschliessend auch dem Vorbereitungskomitee der ersten WM auf afrikanischem Boden vorstand, geniesst hierzulande einen dermassen guten Ruf, dass ihn der ANC als Retter einsetzen wollte: Der Präsident des südafrikanischen Fussballbundes (Safa) sollte Port Elizabeth vor dem drohenden Untergang retten.

Denn im nächsten Jahr stehen Kommunalwahlen an, und der ANC hat in der Hafenstadt derartiges Unheil angerichtet, dass der Fall der Stadt an die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) zu befürchten war. Es wäre nach Kapstadt die zweite südafrikanische Grossstadt, die dem Feind in die Hände fallen könnte.

Zwei Mitverschwörer

Der Schachzug der Regierungspartei wurde zunächst als meisterhaft gefeiert. Doch plötzlich drohen die Enthüllungen aus Zürich und New York dem ANC einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen: Denn Danny Jordaan könnte sich als keineswegs der Saubermann herausstellen, den die Regierungspartei in der vom Feind belagerten Stadt braucht. In der Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft ist von zwei Südafrikanern die Rede, die in die Bestechung mehrerer Fifa-Verantwortlicher verwickelt gewesen seien – zu diesem Zweck seien dem damaligen Vizepräsidenten Jack Warner zehn Millionen Dollar zugeleitet worden. Die beiden Verdächtigten werden zwar nicht mit Namen genannt, sondern lediglich als «Mitverschwörer Nummer 15 und 16» bezeichnet. Doch die Staatsanwaltschaft führt aus, dass es sich bei den Verdächtigten um «hochrangige Offizielle des südafrikanischen Bewerbungskomitees 2006 und des lokalen Organisationskomitees 2010» handle.

Die Abwehr steht

In beiden Gremien war Jordaan der höchste Offizielle: Und dass sich Bestechung in diesem Umfang ohne zumindest die Kenntnis des Chefs vollzog, ist ziemlich ausgeschlossen. Der frischgekürte Bürgermeister wollte zu den Vorwürfen keine Stellung beziehen. Sportminister Fikile Mbalula teilte mit, er habe allen ehemaligen Mitgliedern des Bewerbungs- und Organisationskomitee geraten, sich zu den Vorwürfen nicht zu äussern, zumindest solange diese nicht präzisiert worden seien. Ausserdem versicherte der Minister, dass die Bücher der Komitees von der renommierten Beratungsfirma Ernest & Young geprüft und für korrekt befunden worden seien: An den Vorwürfen sei also nichts dran.

Allerdings ist der Anklageschrift auch zu entnehmen, dass die zehn Millionen Dollar gar nicht aus Südafrika an Warner überwiesen wurden. Sie seien vielmehr mit Zahlungen verrechnet worden, die eigentlich von der Fifa ans Kap gehen sollten. Insofern konnten sie in den südafrikanischen Büchern gar keinen Niederschlag finden. Südafrika hatte die Bewerbung mit 14 zu 10 Stimmen gegen Marokko gewonnen: 3 Stimmen weniger – und das Kap der Guten Hoffnung wäre wieder einmal, wie zuvor gegen Deutschland, leer ausgegangen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2015, 10:23 Uhr

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