Eskalation im Nahen Osten

Israel zerstört iranische Stellungen in Syrien.

Über Damaskus. Das Bild der syrischen Armee soll israelische Raketenangriffe gegen iranische Stützpunkte zeigen.

Über Damaskus. Das Bild der syrischen Armee soll israelische Raketenangriffe gegen iranische Stützpunkte zeigen. Bild: Keystone

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n der Nacht auf Donnerstag ist es in Syrien zum bisher schwerwiegendsten Schlagabtausch zwischen Iran und Israel gekommen. Damit setzt Israel seine Doktrin um, keine iranischen Stellungen im Nachbarstaat Syrien zu dulden. Im Laufe des syrischen Bürgerkriegs hatte Iran und dessen Alliierten in Syrien ihre Positionen verstärkt, um Syriens Präsidenten Baschar al-Assad zu unterstützen.

Die Regierung in Jerusalem droht bereits mit weiteren Militärschlägen gegen iranische Ziele in Syrien, sollte Teheran «nicht zur Vernunft kommen», wie ein Militärsprecher sagt. Falls Iran «uns Regen schickt, schicken wir ihm eine Sintflut», warnte Verteidigungsminister Avigdor Liberman an einer Sicherheitskonferenz unweit von Tel Aviv.

Seit mehreren Monaten betont Premierminister Benjamin Netanyahu, dass Israel den Aufbau iranischer Stellungen in Syrien nicht tolerieren werde. Mit mehreren Angriffen auf iranische Ziele in Syrien hatte Netanyahu dieser Position Nachdruck verliehen. Im April hatte er erstmals vage angedeutet, dass Israel der iranischen Militärpräsenz ein Ende setzen könnte.

Vorspiel für nächste Schlacht

Jüngste Aktionen zeigen, dass die israelische Luftwaffe (IAF) im syrischen Luftraum Iran und Syrien überlegen ist. Offenbar verfügen die Geheimdienste zudem über sehr genaue Informationen darüber, an welchen Standorten Iran seine Stellungen aufgebaut hat. In der vergangenen Woche hatte der Mossad bewiesen, dass er zudem auch in Iran genau Bescheid weiss. Bei einer spektakulären Aktion, an der rund 100 Spione beteiligt gewesen sein sollen, wurden hochbrisante Originaldokumente aus einer Halle im Zentrum Teherans gestohlen und nach Israel transportiert.

Die Mossad-Dokumente würden beweisen, dass die Iraner einen Mechanismus entwickelt haben, um eine Atomwaffe herzustellen, kommentierte Netanyahu die Informationen. Er präsentierte sie in der vergangenen Wochen zur besten Sendezeit auf den wichtigsten TV-Kanälen Israels. Netanyahu benutzte dabei nicht die Landessprache Hebräisch, sondern sein amerikanisches Englisch. Denn eigentlich sprach er nicht zur Nation, sondern zu einem einzigen Mann: Zum Chef des Weissen Hauses in Washington.

Dort kam die Botschaft an. Als Trump am Dienstag seinen Austritt aus dem Atom-Deal verkündete, kritisierte er genau das, woran sich Netanyahu von Anfang an gestört hatte: Dass der Deal Iran Optionen offen lasse, sich die Atomwaffe zu beschaffen. Weitere Schwachpunkte seien zudem, dass ballistische Raketen keinen Beschränkungen unterliegen und Iran nicht verpflichtet wird, auf die expansive Politik in der Region zu verzichten und die Unterstützung an Terrororganisationen einzustellen. Ein ehemaliger Sicherheitsberater Netanjahus sagt: «Ich hätte Trumps Rede nicht besser schreiben können.»

Der Schlag gegen die iranische Präsenz, sagen Beobachter, sei bloss ein Vorspiel für die nächste grosse Schlacht gegen die iranischen Atomanlagen. In Israel war vor rund sechs Jahren ein Präventivschlag diskutiert worden. Netanyahu, der ihn befürwortet hatte, konnte sich aber gegen die Warner aus Militär- und Geheimdienstkreisen nicht durchsetzen, die das Unterfangen als «zu ambitiös» beurteilten. Netanyahu wusste zudem, dass der damalige US-Präsident Barack Obama den Militärschlag nicht gutgeheissen hätte.

Mindestens 23 Tote

Trumps Entschluss, aus dem Atom-Deal auszusteigen, wird in Jerusalem als Sieg gefeiert. Netanyahu hatte von Anfang an vor dem schlechten Deal gewarnt, der ohne israelische Beteiligung ausgehandelt worden war. Netanyahu könne auf das Verständnis Washingtons zählen, heisst es in Jerusalem. Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung, kommentierte das Weisse Haus den jüngsten israelisch-iranischen Schlagabtausch.

Er hatte laut israelischer Darstellung damit begonnen, dass iranische Revolutionsgarden von Syrien aus Raketen auf militärische Ziele in Israel abfeuerten. Was sich als Flop entpuppte: Von den 20 Raketen wurden vier von der «Eisernen Kuppel» (Iron Dome) abgefangen und 16 schlugen in Syrien ein. Auf den Raketenangriff, der von Israel erwartet worden war, reagierte die IAF mit massiven Angriffen auf iranische Militärstützpunkte in Syrien. Dabei sei «fast die ganze Infrastruktur» des Iran in Syrien zerstört worden, sagte Verteidigungsminister Liberman. Er sprach von 50 Einrichtungen, die vernichtet oder getroffen wurden. Dazu gehörten laut einem Militärsprecher Abschussrampen von Raketen, Logistikzentren, Beobachtungsposten und Einrichtungen iranischer Geheimdienste.

Israelische Militärkreise sprechen von einer der grössten IAF-Einsätze der letzten zehn Jahre. Dabei soll es mindestens 23 Tote gegeben haben, darunter fünf Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden.

Der iranische Angriff war in Israel erwartet worden, nachdem israelische Kampfjets in den vergangenen Wochen mehrere Einsätze gegen iranische Ziele geflogen hatten. Dabei wurden auch sieben Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden getötet. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.05.2018, 07:08 Uhr

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