Ghadhafi-Sohn Khamis laut Bericht getötet

Widersprüchliches aus Libyen: Die Regierung will die Festnahme des früheren Regimesprechers gar nicht verkündet haben. Ein Bericht über den Tod des jüngsten Ghadhafi-Sohns ist zudem noch unbestätigt.

Wurde angeblich getötet: Muammar al-Ghadhafis Sohn Khamis. (Archivbild Keystone)

Wurde angeblich getötet: Muammar al-Ghadhafis Sohn Khamis. (Archivbild Keystone) Bild: Keystone

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In Libyen hat ein Reporter des TV-Senders Libya TV gesagt, er habe die Leiche von Muammar al-Ghadhafis jüngstem Sohn Khamis mit eigenen Augen gesehen. Abu Shagur erklärte in der Nacht über Twitter, die Leiche sei in ein Spital in der Stadt Misrata gebracht worden. Der Bericht blieb vorerst unbestätigt.

Verwirrung herrscht in Libyen zudem über die angebliche Festnahme von Moussa Ibrahim, des früheren Sprechers von Machthaber Ghadhafi: Wenige Stunden nachdem die libysche Regierung dessen Verhaftung bekannt gegeben hatte, relativierte sie ihre eigenen Aussagen. Die Regierung habe nichts Offizielles über die Festnahme irgendeines Mitglieds des früheren Regimes verlauten lassen, sagte Regierungssprecher Nasser al-Manaa im privaten Fernsehsender Libya al-Ahrar am Samstagabend.

Angebliche Audiobotschaft von Ibrahim

Zuvor hatte der libysche Vizepremier Mustafa Abu Shagur über den Kurznachrichtendienst Twitter vermeldet, dass der «Kriminelle Moussa Ibrahim» in der Stadt Tarhuna zwischen Bani Walid und Tripolis verhaftet worden und auf dem Weg in die Hauptstadt sei.

Im Verlaufe der Nacht tauchte dann im Internet eine Tonaufnahme auf, in der Ibrahim seine eigene Festnahme bestritt. Die Echtheit der Aufnahme konnte jedoch nicht überprüft werden.

Darin sagt ein Mann, der sich als Moussa Ibrahim vorstellt: «Mit den Nachrichten über meine Festnahme soll von den Verbrechen abgelenkt werden, die die Rebellen der Nato gegen unsere Leute in Bani Walid verübt haben.» Dort würden selbst Frauen und Kinder getötet. Er selbst befinde sich gar nicht in Libyen.

Blutige Kämpfe in Bani Walid

Unterdessen stieg die Zahl der Opfer bei erneuten Kämpfen um die ehemalige Ghadhafi-Bastion Bani Walid. Wie Krankenhausärzte in der Nacht mitteilten, wurden 26 Menschen getötet. Aus dem Krankenhaus der nordöstlich gelegenen Stadt Misrata, in dem regierungstreue Kämpfer behandelt werden, wurden 22 Tote und mehr als 200 Verletzte gemeldet. Das Krankenhaus der Wüstenstadt Bani Walid meldete vier Tote, darunter ein vierjähriges Mädchen, und 23 Verletzte.

Die Stadt ist seit Tagen Schauplatz von Kämpfen zwischen regierungstreuen Milizen, die sich aus früheren Rebellen zusammensetzen, und bewaffneten Gruppen. Ghadhafi-Gegner hatten Bani Walid am 17. Oktober 2011 eingenommen. In den vergangenen Monaten gewannen die Anhänger Ghadhafis dort aber wieder die Oberhand.

Genau ein Jahr nach dem Tod des libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi ist dessen Sprecher festgenommen worden. Wie die libysche Regierung mitteilte, wurde Moussa Ibrahim am Samstag in der Ortschaft Tarhuna rund 50 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis gefasst.

Die kurze Regierungsmitteilung bestätigte Gerüchte, die seit den Morgenstunden kursierten. Ibrahim wurde am Samstag nach Tripolis gebracht.

Die Festnahme des einstigen Sprechers erfolgte am ersten Todestag Ghadhafis, der in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte lang uneingeschränkt geherrscht hatte. Der Machthaber wurde im Zuge eines Volksaufstandes, bei dem die Rebellen von einer internationalen Militärallianz unterstützt wurden, gestürzt und am 20. Oktober 2011 auf der Flucht getötet.

Der 38-jährige Ibrahim hatte den Posten des Ghadhafi-Sprechers im März 2011 kurz nach dem Beginn der Revolte gegen den Machthaber übernommen. Über Monate lieferte er der internationalen Presse die Interpretation der Regierung zu den Ereignissen im Land.

Weiter Kämpfe in Bani Walid

Vor der Festnahme Ibrahims hatte der Präsident der libyschen Nationalversammlung, Mohammed al-Maghariaf, in einer in der Nacht zum Samstag ausgestrahlten Rede bedauert, dass einige Regionen des Landes ein Jahr nach dem Tod Ghadhafis noch nicht «vollständig befreit» seien.

Er verwies dabei insbesondere auf Bani Walid, wo sich noch viele von der Justiz gesuchte Anhänger des gestürzten Machthabers aufhalten sollen. Laut Maghariaf befinden sich dort auch Söldner des Ghadhafi-Lagers. Die Wüstenstadt ist seit Tagen Schauplatz von Kämpfen, regierungstreue Milizen beschiessen die Stadt.

Nahkämpfe in Stadtvierteln

Am Samstag seien neun Tote und 122 Verletzte eingeliefert worden, sagte ein Verantwortlicher des Spitals der nordöstlich gelegenen Stadt Misrata, in dem regierungstreue Kämpfer behandelt werden. «Die meisten Verletzungen wurden durch leichte Waffen verursacht, was auf Nahkämpfe in den Stadtvierteln schliessen lässt.»

«Die Regierung hat den Milizen grünes Licht gegeben, die Stadt auszulöschen», sagte Salem al-Waer, der die grösste bewaffnete Gruppe in Bani Walid führt. Er rief die UNO und westliche Staaten auf, die Zivilisten in der Stadt zu schützen. Auch am Samstag sei die Stadt seit dem Morgen bombardiert worden, sagte er. «Die humanitäre Lage ist sehr schlecht.»

Bani Walid war am 17. Oktober 2011 von den Ghadhafi-Gegnern eingenommen worden. In den vergangenen Monaten gewannen aber die Anhänger Ghadhafis dort wieder die Oberhand.

(mrs/sda)

Erstellt: 20.10.2012, 22:20 Uhr

Der ehemalige Regierungssprecher Moussa Ibrahim. (Archivbild)

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