Luftangriffe beim Mosul-Staudamm

Anwohner berichten von Kampfhandlungen beim grössen Staudamm des Irak. Zuvor hatten Überlebende berichtet, IS-Mitglieder hätten ein Massaker unter Jesiden angerichtet und Frauen und Kinder verschleppt.

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Nahe dem von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingenommenen Staudamm bei der nordirakischen Stadt Mossul hat es heute Nachmittag Luftangriffe gegeben. Wie Anwohner berichteten, wurden dabei Extremisten getötet. Eine Stellungnahme von den USA oder anderer Seite gab es dazu zunächst nicht.

Der am Tigris gelegene Staudamm ist der grösste des Landes und für die Trinkwasserversorgung und Stromerzeugung äusserst wichtig. Die IS-Kämpfer, die seit Juni die Grossstadt Mossul kontrollieren, hatten den Damm am 7. August als Teil ihrer Offensive im Irak eingenommen.

Rund 80 Jesiden getötet

IS hat laut Berichten ein Massaker an irakischen Jesiden angerichtet. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen. In einem Dorf im Norden des Landes seien 80 Angehörige der jesidischen Minderheit getötet worden. Der Angriff habe sich in Kocho ereignet. Das Dorf liegt in einer Gegend, die von der IS kontrolliert wird und wo Journalisten nicht arbeiten können.

Der jesidische Abgeordnete Mahma Chali sagte, die Kämpfer der IS hätten das Dorf vor einigen Tagen besetzt und den jesidischen Einwohnern einige Tage Zeit gegeben, zum Islam zu konvertieren. «Als die Einwohner das verweigerten, fand das Massaker statt.» Halgurd Hekmat, Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte, sagte, Frauen und Kinder seien bei dem Angriff gefangen genommen und in die nahe Stadt Tall Afar gebracht worden, die von der Terrormiliz kontrolliert wird. Der Jesiden-Kämpfer Mohsen Tawwal sagte der Nachrichtenagentur AFP, im Dorf Kocho lägen zahlreiche Leichen.

Die USA flogen darauf erneut Luftangriffe gegen die Islamisten. Eine Drohne habe in der Nacht auf Samstag zwei Fahrzeuge der Extremisten-Gruppe Islamischer Staat zerstört, teilte das US-Militär mit. Der Einsatz habe sich in der Nähe einer Ortschaft im Norden des Landes ereignet, in der die radikalen IS-Kämpfer die Zivilisten getötet haben sollen.

Zusammenhang mit Massaker unklar

Es war zunächst unklar, ob der US-Luftangriff in Zusammenhang mit dem Massaker stand. US-Präsident Barack Obama hatte vor einer Woche die Luftschläge autorisiert, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen und einen Völkermord an den Jesiden zu verhindern.

Die sunnitischen Islamisten bezeichnen die Jesiden als Teufelsanbeter und bedrohen sie mit dem Tode. Die IS gilt als radikaler als al-Qaida und hat in den eroberten Gebieten in Syrien und im Irak einen Gottesstaat ausgerufen. Immer wieder wird von Gräueltaten berichtet.

Deutsche Hilfe angekommen

Ein Transportflugzeug der deutschen Bundeswehr hat derweil die ersten deutschen Hilfsgüter in den Nordirak geflogen. Die Maschine landete am Samstagmorgen um 2.14 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Flughafen in Erbil im nordirakischen Kurdengebiet.

Das deutsche Flugzeug soll nach dem Entladen der 6,6 Tonnen Hilfsgüter wie etwa Lebensmitteln umgehend wieder starten. Weitere Hilfsflüge der Bundeswehr vom türkischen Incirlik aus soll es voraussichtlich am Samstagabend geben. Fünf Transall-Maschinen transportieren Hilfsgüter für die in Not geratenen Menschen im Nordirak. Nach Erbil hatten sich Zehntausende Jesiden, Christen und andere Vertriebene gerettet, die vor dem IS geflüchtet waren.

Steinmeier wartet noch zu

Ob sich Deutschland an Waffenlieferungen beteiligen wird, blieb derweil unklar. Beim Kampf gegen die Terrormiliz sei eine enge Abstimmung mit der irakischen Führung nötig, sagte der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier in Brüssel. «Wir werden uns zunächst mal anhören, was dort erwartet wird von den Europäern und auch von Deutschland.»

Frankreich hat sich als einziges EU-Land bereits für Waffenlieferungen entschieden. London stellt Transportkapazitäten bereit. Tschechien könnte bereits Ende August erste Handfeuerwaffen oder Munition an die Kurden im Nordirak liefern, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Prag. (chk/thu/sda/AFP)

Erstellt: 16.08.2014, 12:59 Uhr

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