Jihadisten legten die verheerenden Bomben von Damaskus

Eine Islamisten-Front mit Kontakten zu al-Qaida hat sich zu den Anschlägen mit rund 70 Toten bekannt. Die Gotteskrieger prägen den Konflikt immer mehr – und erschweren eine Lösung.

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Eine Islamistenorganisation mit Verbindung zu al-Qaida hat sich zu dem verheerenden Bombenanschlag mit bis zu 70 Toten am Donnerstag in Damaskus bekannt. Die «Al-Nusra Front zum Schutz des Volkes der Levante» erklärte, der Anschlag auf ein Gebäude der Sicherheitskräfte sei eine Rache für den Beschuss von Wohnvierteln.

Das Regime müsse das «Massakrieren des sunnitischen Volkes beenden oder die Konsequenzen tragen», hiess es laut der Agentur sda in der Video-Erklärung auf der unabhängigen Website Syria Politic.

Einige Formulierungen in der Botschaft lassen allerdings Zweifel daran aufkommen, dass dieses Schreiben authentisch ist. Ausserdem wurde es nicht in den Foren radikaler Islamisten veröffentlicht, die sonst derartige Botschaften publizieren. Die Al-Nusra-Front hat sich erst Ende 2011 gebildet. Bereits in der Vergangenheit hat sich die Organisation im Internet zu Bombenanschlägen in Syrien bekannt. Sie führt nach eigenen Angaben einen heiligen Krieg gegen das Regime von Bashar al-Assad.

«Syrien wird zu einem zweiten Irak»

Der Selbstmordanschlag vom Donnerstag zeigt die zunehmende Skrupellosigkeit der Täter: Die Angreifer schlugen während des Berufsverkehrs zu und zündeten zunächst eine Bombe, um eine Menschenmenge anzulocken. Kurz danach zündeten sie ihren zweiten, viel stärkeren Sprengsatz und rissen damit 55 Menschen in den Tod.

Viele fühlten sich angesichts dieser al-Qaida-Taktik an das vom Krieg zerstörte Nachbarland erinnert. «Syrien wird langsam aber sicher zu einem zweiten Irak», sagt Bilal Saab, ein Syrien-Experte am Monterey-Institut für Internationale Studien in Kalifornien.

330 bis 600 al-Qaida-Kämpfer

Bei dem Anschlag am Donnerstag nahe waren je nach Angaben 55 bis 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die Regierung macht den Widerstand dafür verantwortlich. 330 bis 600 Al-Qaida-Kämpfer seien im Grossraum Damaskus aktiv, heisst es. Die Opposition beschuldigt dagegen das Regime, die Anschläge selbst zu inszenieren, und fordert eine internationale Untersuchung.

Westliche Beobachter zweifeln nicht daran, dass Extremisten mit Verbindungen zu al-Qaida seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar Assad vor 14 Monaten auf dem Vormarsch sind. Über die Zahl der al-Qaida-Mitglieder, ihren Einfluss und ihre Aktivitäten in Syrien gibt es aber kaum unabhängige Informationen. «Wir haben Geheimdienstinformationen, wonach es in Syrien eine al-Qaida-Präsenz gibt, aber ehrlich gesagt haben wir keine guten Geheimdienstinformationen darüber, was genau sie machen», sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Donnerstag in Washington.

Extremisten sind nicht die Opposition

Syrische Rebellen, den Streitkräften in Zahlen und Ausrüstung unterlegen, greifen häufig auf eine Guerilla-Taktik zurück und greifen Militärposten und Konvois an. US-Generalstabschef Martin Dempsey betonte am Donnerstag, zwar versuchten «extremistische Elemente», in Syrien Boden zu gewinnen. Doch seien sie nicht mit der Opposition gleichzusetzen.

Die Präsenz von al-Qaida-Kämpfern und anderen Extremisten fügt dem Konflikt ein Element der Unberechenbarkeit hinzu, das die internationalen Bemühungen um ein Ende des Blutvergiessens erschweren könnte. Während die Grossmächte und UN-Beobachter in Syrien Druck auf Regierung und Opposition ausüben können, den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan einzuhalten, haben sie keinerlei Einfluss auf militante Islamisten im Untergrund, die sich oft noch nicht einmal zu ihren eigenen Anschlägen bekennen.

Selbstmordanschlag vereitelt

Gestern Freitag haben die syrischen Sicherheitskräfte nach offizieller Darstellung einen weiteren schweren Selbstmordanschlag vereitelt (siehe Video). In der Provinz Aleppo seien ein Kleinbus mit mehr als einer Tonne Sprengstoff abgefangen und ein Selbstmordattentäter getötet worden.

Heute beschossen die syrischen Streitkräfte nach Angaben der Opposition erneut die Stadt Homs. gestern seien 14 Oppositionelle von den Sicherheitskräften getötet worden; heute habe es weitere Opfer gegeben.

Seit dem 12. April gilt eigentlich in Syrien eine international vermittelte Waffenruhe. Angaben der Regierung wie der Opposition sind in Syrien wegen der Einschränkung der Pressefreiheit nur schwer objektiv nachprüfbar. (ami/sda/dapd/AFP)

Erstellt: 12.05.2012, 16:36 Uhr

Video



Vereitelter Anschlag? Ein syrischer Offizier zeigt UNO-Beobachtern einen Kleinbus, der eine Tonne Sprengstoff an Bord gahabt haben soll. Quelle: Staatsfernsehen via youtube.com/user/syriatruthnetworken

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