Machtkampf in Saudiarabien eskaliert

In Saudiarabien wurden Dutzende Prinzen und Würdenträger des Landes verhaftet. Der Vorwurf lautet auf Korruption. Doch hinter den Kulissen geht es um Macht.

Kronprinz Mohammed bin Salman will Saudi-Arabien mordernisieren und legt sich mit den konservativen Kräften an.

Kronprinz Mohammed bin Salman will Saudi-Arabien mordernisieren und legt sich mit den konservativen Kräften an.

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Der saudi-arabische Generalstaatsanwalt bestätigte Untersuchungen, die als Massnahmen im Kampf gegen Korruption dargestellt wurden. Den Festgenommenen werden unter anderem illegale Geschäfte, Geldwäscherei und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen.

Sicherheitskreise berichteten der Nachrichtenagentur dpa, dass einige von ihnen in Luxushotels in Riad festgehalten würden. Weitere Verhaftungen seien nicht ausgeschlossen. Nahost-Experten sehen in dem Vorgehen vor allem einen Versuch des Kronprinzen Mohammed bin Salman, seine ohnehin weitreichende Macht in der schwerreichen Monarchie weiter zu festigen.

Unter den Festgenommenen ist auch der einflussreiche Milliardär Al-Walid bin Talal. Der 62-jährige Saudi, ein Enkel des Staatsgründers König Abdelasis bin Abdel Rahman al-Saud, ist dem Magazin «Forbes» zufolge mit etwa 16 Milliarden Euro Vermögen der reichste Mann der arabischen Welt. Ihm gehören unter anderem zahlreiche Luxushotels.

Weiter sind laut der regierungsnahen Nachrichtenseite «Sabaq» elf Mitglieder der königlichen Familie und 38 ehemalige hochrangige Würdenträger festgenommen worden. Auch der ehemalige Finanzminister Ibrahim al-Assaf und der Ex-Vorsitzende des königlichen Gerichts, Chalid al-Tuwaidschri, seien festgenommen worden. Zudem wurden Kommandanten von Nationalgarde und Marine sowie der Wirtschaftsminister ersetzt.

Geld soll zurück zum Staat

Das Vermögen der Betroffenen wurde eingefroren. Das saudi-arabische Informationsministerium erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, der Staat beschlagnahme alle Bankkonten und anderen Besitztümer im Zusammenhang «mit diesen Korruptionsfällen». Alle durch Bestechung erworbenen Güter würden dem Staat «zurückerstattet».

Um die Flucht von Verdächtigen zu verhindern, hatten Sicherheitskräfte in der Hafenstadt Dschiddah Privatjets am Boden festgehalten, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Luftfahrtkreisen erfuhr. Bereits im September hatten die Behörden des Königreichs rund zwei dutzend Menschen festgenommen, darunter einflussreiche Geistliche.

Die erfolgten Verhaftungen gingen von einem neu eingerichteten Anti-Korruptions-Komitee mit weitreichenden Befugnissen unter Führung von Kronprinz Mohammed aus. Der oberste Rat der saudi-arabischen Kleriker bezeichnete den Einsatz gegen Korruption als «wichtig» und erteilte dem Vorgehen damit die religiöse Legitimation. Finanzminister Mohammed al-Dschadaan sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur SPA, das Königreich läute mit den Festnahmen «eine neue Ära» und eine «Politik der Transparenz, Klarheit und Rechenschaft» ein: «Die entschlossenen Entscheidungen werden das Investitionsklima und das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit erhalten.»

König bereitet dem Sohn den Weg

«Mit den weitreichenden Verhaftungen setzen die saudischen Behörden einen Trend fort, den wir in den letzten Monaten beobachtet haben», sagte H. A. Hellyer von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe allein um die Festigung der Macht. Überraschend sei dabei allerdings die Geschwindigkeit, mit der dies vor sich gehe.

Kronprinz Mohammed gilt als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens. Nach Einschätzung von Beobachtern zielen die Massnahmen auch darauf ab, Opposition gegen Kronprinz Mohammed zu beseitigen, der sich in vielen Punkten gegen ultrakonservative Kräfte in dem Land gestellt hatte.

In den vergangenen Monaten und Jahren hatte der 81-Jährige König Salman eine Reihe von Entscheidungen getroffen, die die Position seines 32-Jährigen Sohnes Mohammed stärken. Der greise König, über dessen möglichen Rücktritt immer wieder spekuliert wird, machte ihn schliesslich im Juni zum Thronfolger. (amu/sda)

Erstellt: 06.11.2017, 10:27 Uhr

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