Mit Grüssen aus Teheran

Die Einkünfte der Top-Terrororganisationen entsprechen 3.5 Prozent der global ausgeschütteten Entwicklungshilfen. Das sind die reichsten Terroristen.

Hamas richtet schwere Raketen in Richtung Israel.

Hamas richtet schwere Raketen in Richtung Israel. Bild: MOHAMMED ZAATARI/Keystone

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Armut begünstigt Terror: So lautet eine beliebte These. Dass sie falsch ist, lässt sich an zahlreichen Beispielen belegen. Der jüngste Beweis für den Unsinn dieser Behauptung liefert die Januar-Ausgabe der Wirtschaftszeitung Forbes. Deren Israel-Ausgabe listet die zehn reichsten Terrororganisationen der Welt auf. Ihre jährlichen Einnahmen betragen zusammen 4,8 Milliarden Dollar.

Terroristen sind also keine armen Leute. Und es ist blanker Zynismus, dass die reichsten Gewaltanwender gleichzeitig auch zu den grausamsten zählen. Der Terror wäre keine Gefahr, stünde deren Chefs nicht so viel Geld zur Verfügung. Für ihre Liquidität sorgt immer wieder Teheran, um damit den regionalen Imperialismus des Regimes auszuweiten. Insgesamt sind die Einnahmen der vermögendsten Terrororganisationen höher als die jeweiligen Entwicklungshilfen der Schweiz, Schwedens oder Norwegens, und sie betragen das Doppelte der Entwicklungshilfe Dänemarks oder Belgiens. Anders gesagt: Die Einkünfte der Top-Terrororganisationen sind gleich hoch wie rund 3,5 Prozent der global ausgeschütteten Entwicklungshilfe, so wie sie für 2016 von der OECD ausgewiesen wird.

An der Spitze der Reichsten-Liste steht die Hizbollah, die schiitische Terrormiliz aus dem Libanon, die im Auftrag Teherans in den vergangenen Jahren in Syrien für das Regime von Baschar Assad gekämpft hat und gerne auch Israel angreift. In ihre Kassen fliessen derzeit 1,1 Milliarden Dollar pro Jahr. Ein Teil dieser Summe stammt aus der iranischen Staatsschatulle. Zusätzlich Einnahmen beschafft sich die Hizbollah mit dem organisierten Verbrechen. Dazu gehören zum Beispiel Drogenhandel, Geldwäsche oder erpresste Lösegelder nach Entführungen.

Zweitreichste Terrororganisation ist der Taliban. Seine jährlichen Einnahmen gibt Forbes mit 800 Millionen Dollar an. Drogenhandel, Opiumanbau, Erpressung oder Raub füllen die Kasse, zudem die Erpressung von Lösegeldern. So wurden in Afghanistan im Jahr 2016 1673 Menschen entführt, deren Freilassung sich der Taliban bezahlen liess. Auch die radikal-islamische Hamas nagt im Gazastreifen nicht am Hungertuch. Sie bringt es auf 700 Millionen Dollar pro Jahr und landet damit auf Platz drei. Die Gelder stammen aus Teheran, aus Katar und von Hilfsorganisationen. Da die Hamas den Gazastreifen beherrscht, kassiert sie zudem Steuereinnahmen. Am Schmuggel bereichert sie sich nicht mehr so üppig wie vor drei Jahren, als der illegale Handel mit Ägypten noch möglich war.

Damals waren die Einnahmen der Hamas mit einer Milliarde ausgewiesen worden. Ergänzt werden die Einkünfte der Radikalen im Gazastreifen durch den Islamischen Jihad, der es auf 100 Millionen bringt und damit ebenfalls unter den zehn Reichsten ist.

Als gut betucht können sodann al-Qaida und deren Ableger gelten. In ihre Kassen fliessen jährlich 300 Millionen Dollar. Sie stammen vor allem von privaten «Terror-Investoren» in den Golfländern. Bisher hatte der Islamische Staat IS mit zwei Milliarden Dollar die Liste als Krösus angeführt. Doch nach den empfindlichen Rückschlägen in Syrien und im Irak bringt er es nur noch auf Jahreseinnahmen von 200 Millionen Dollar, da wichtige Quellen weggebrochen sind. Damit wird bis auf Weiteres wohl nichts aus dem Ziel, im Orient ein Kalifat zu begründen und den ultimativen Heiligen Krieg gegen Christen und Juden zu finanzieren.

Zu den reichsten Terrorhubs zählen vor allem muslimische Gruppen – aber nicht nur. Die kurdische PKK, die gegen die Türkei und für die kurdische Unabhängigkeit kämpft, hat pro Jahr mindestens 180 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die Real IRA, die Nachfolger der «Irish Republican Army», landet mit Jahreseinnahmen von 50 Millionen Dollar auf Platz zehn der Reichsten-Liste. Im Vergleich zu vielen anderen Terrorgruppen im Mittleren Osten haben sie einen «Konkurrenznachteil»: Sie können nicht auf Gelder aus Teheran zählen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.01.2018, 11:10 Uhr

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