Ein herber Rückschlag für Libyens Rebellen

Die Ermordung des libyschen Rebellenkommandeurs hat das Vertrauen des Westens in die Opposition erschüttert. Für die kaum ausgebildeten Aufständischen ist der Tod von Abdel Fattah Junis ein grosser Verlust.

Viele offene Fragen: Abdel Fattah Junes, der verstorbene Armeeführer der Rebellen.

Viele offene Fragen: Abdel Fattah Junes, der verstorbene Armeeführer der Rebellen. Bild: Keystone

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Junis, der unter mysteriösen Umständen getötet wurde, war einst Ghadhafis gefürchteter Sicherheitschef. Sein Überlaufen zu den Rebellen hatte diesen gewaltigen Auftrieb gegeben - verhasst blieb er dennoch auf beiden Seiten. Am Freitag machten Spekulationen die Runde, ob das Regime oder seine eigenen Kameraden Junis getötet hatten, und was sein Tod für den ins Stocken geratenen Bürgerkrieg bedeutet.

Grossbritannien, einer der wichtigsten Unterstützer bei den Nato-Luftangriffen auf Ghadhafi, verurteilte die Tat, blieb in seiner Reaktion darauf aber zurückhaltend. «Was genau geschehen ist, bleibt unklar», sagte der Staatsminister im britischen Aussenministerium, Alistair Burt. Er sagte, dass er mit dem politischen Führer der Rebellen gesprochen und dieser betont habe, dass «die Tötung gründlich untersucht werde». Es sei wichtig, dass die Verantwortlichen durch ein ordentliches Gerichtsverfahren zur Rechenschaft gezogen würden, sagte Burt.

Die Umstände von Junis' Tod bleiben unklar

Junis' Tod war am Donnerstag von den Rebellen bekannt gegeben worden, die zugleich widersprüchliche Angaben machten, was das Vertrauen des Westens untergrub. Sicherheitsoffiziere der Rebellen hatten zunächst gesagt, sie hätten Junis wegen mutmasslicher Verbindungen zum Ghadhafi-Regime für eine Befragung festgenommen. Später sagte der politische Führer der Rebellen, Mustafa Abdul Dshalil, Junis sei für eine Befragung in militärischen Angelegenheiten einberufen worden. Er sei dann aber gemeinsam mit zwei Begleitern vor seiner Ankunft erschossen worden. Die Rebellen hätten einen Verdächtigen festgenommen, die Leichen aber noch nicht gefunden, sagte Dschalil weiter.

Obwohl Dshalil, der Vorsitzender des Nationalen Übergangsrats ist, nicht direkt sagte, wer seiner Meinung nach hinter dem Angriff stecke, so schien er doch das Regime dafür verantwortlich zu machen, als er die Streitkräfte der Rebellen aufforderte, «diese Bestrebungen des Ghadhafi-Regimes, unsere Einheit zu brechen» zu ignorieren.

Die einfachste Erklärung

Oliver Miles, ein früherer britischer Botschafter in Tripolis, ist der Ansicht, dass die Tötung Junis' durch Truppen Ghadhafis, «die einfachste Erklärung» sei. Aber das macht sie nicht zur wahrscheinlichsten. «Er hatte eine Menge Feinde», sagt Miles. «Es kann eine persönliche Angelegenheit gewesen sein. Es kann eine interne Angelegenheit im Nationalen Übergangsrat gewesen sein.»

Letzteres hält auch der Direktor des Middle East Center an der London School of Economics, Fawaz Gerges, für nicht ausgeschlossen: «Vor dem Hintergrund interner Machtkämpfe unter den Rebellen waren es wahrscheinlich einige Personen, die gegen ihn waren.» Wer auch immer dafür verantwortlich sei, habe «der Glaubwürdigkeit der Rebellen einen erheblichen Rückschlag beschert», sagt Gerges.

In Ordnungen bringen

«Ob Paris, London oder Washington - sie sind wahrscheinlich extrem beunruhigt über diese Wendung», sagt der Experte. «Sie zählen darauf, dass die Rebellen ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen.» Für die Propaganda von Ghadhafis Truppen ist der Tod Junis' ein Glücksfall, selbst wenn sie ihn gar nicht getötet haben sollten. Abdel Fattah Junis war unter jenen Offizieren, die 1969 an jenem Militärputsch beteiligt waren, der al-Ghadhafi an die Macht brachte. Für mehr als 40 Jahre blieb er dann ein Verbündeter des Diktators.

Für Fawaz Gerges hängt nun vieles davon ab, wie ernsthaft die Rebellen den Mord untersuchen und ob ihnen ein militärischer Durchbruch gelingt. «Das kann eine Krise sein, oder ein Nagel im Sarg jener Vision eines anderen Libyens, die die Rebellen verwirklichen wollen.»

(jak/wid/dapd)

Erstellt: 31.07.2011, 13:07 Uhr

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