Mugabe ist nicht mehr WHO-Sonderbotschafter

Die WHO ist nach reger Kritik zurückgekrebst und hat die Auszeichnung des umstrittenen Präsidenten von Zimbabwe zurückgezogen.

Wird Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Mugabe bei einem Meeting mit dem Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma, in Pretoria. (3. Oktober 2017)

Wird Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Mugabe bei einem Meeting mit dem Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma, in Pretoria. (3. Oktober 2017) Bild: Themba Hadebe/Keystone

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Nach internationalen Protesten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Berufung von Simbabwes Präsident Robert Mugabe zum WHO-Sonderbotschafter für Afrika rückgängig gemacht - eine erste politische Feuertaufe für den neuen WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

«Ich habe allen zugehört, die ihre Bedenken geäussert haben», teilte Tedros heute mit. Nach Rücksprache mit der Regierung Simbabwes sei man übereingekommen, dass die aktuelle Entscheidung im Interesse der WHO sei.

Die jüngst erfolgte Ernennung des 93-jährigen Mugabe, der seit 1980 Zimbabwe regiert und aus Sicht seiner Gegner die Menschenrechte verletzt, war auf heftigen Protest gestossen. Statt das Gesundheitssystem seiner Heimat aufzubauen, habe es Mugabe durch Korruption geschädigt, so die Organisation Human Rights Watch. Auch die britische Regierung hatte sich befremdet über die Rolle Mugabes als WHO-Sonderbotschafter geäussert.

Innovative Methoden

Als Sonderbotschafter sollte sich Mugabe um die Bekämpfung chronischer Krankheiten kümmern. Nach WHO-Angaben sterben jährlich 40 Millionen Menschen an deren Folgen.

WHO-Direktor Tedros hatte die Ernennung von Mugabe im Kurznachrichtendienst Twitter unter anderem damit begründet, dass Zimbabwe innovative Methoden zur Mobilisierung von Ressourcen im Land gefunden habe. Davon könnten andere Länder in der Region lernen. Ausserdem wolle sich Mugabe dafür einsetzen, dass seine Kollegen dem Kampf gegen chronische Krankheiten Vorrang einräumten.

Äusserst schlechte Versorgung

Kopfschütteln hatte die Ernennung auch in Mugabes Heimatland ausgelöst. Dort ist die medizinische Versorgung äusserst schlecht. Nur ein Arzt komme auf rund 100'000 Patienten, sagte ein ehemaliges Regierungsmitglied der Nachrichtenagentur dpa. Im grössten Spital des Landes würden die Kranken aufgefordert, mangels fliessenden Wassers einen eigenen Eimer mit Wasser mitzubringen. Mugabe, der als Präsident für diese Zustände verantwortlich sei, lasse sich stets im Ausland ärztlich behandeln.

Der Äthiopier Tedros ist der erste WHO-Chef aus Afrika. Er war am 1. Juli der Chinesin Margaret Chan im Amt gefolgt. Die WHO spielt eine Schlüsselrolle im weltweiten Kampf gegen Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria. (sep/sda)

Erstellt: 22.10.2017, 20:43 Uhr

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