Religiöse Fanatiker wollen in Mali unabhängigen Staat gründen

Die Tuareg und Islamisten haben sich in Mali auf die Erschaffung eines unabhängigen, islamischen Staates geeinigt. Brisant: Die beteiligte Rebellengruppe Ansar Dine unterhält enge Kontakte zur al-Qaida.

Konnten weite Teile Malis beinahe ohne Widerstand erobern: Mitglieder der Rebellengruppe Ansar Dine in Mali. (Archivbild)

Konnten weite Teile Malis beinahe ohne Widerstand erobern: Mitglieder der Rebellengruppe Ansar Dine in Mali. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Nationale Bewegung zur Befreiung von Azawad (NMLA) und die islamistische Rebellengruppe Ansar Dine haben die Errichtung eines unabhängigen islamischen Staats in dem von ihnen besetzten Norden Malis angekündigt. Der Führer von Ansar Dine, Alghabass Ag Intalla, erklärte gestern, dass seine Bewegung sich dafür mit der säkularen NMLA vereinen wolle. Am Abend sei in der Stadt Gao eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet worden. Sowohl in Gao als auch in Timbuktu wurde die Nachricht von Anhängern mit Freudenschüssen gefeiert. «Ich habe gerade ein Abkommen unterzeichnet, das einen unabhängigen islamischen Staat vorsieht, in dem islamisches Recht gilt», erklärte Ag Intalla.

Bislang scheiterte eine Einigung zwischen den Islamisten und der NMLA vor allem daran, dass die säkulare NMLA gegen die Einführung islamischen Rechts war. Ansar Dine wiederum sprach sich bislang gegen die von der NMLA angestrebten Schaffung eines unabhängigen Staates für die Tuareg in Mali aus. Ansar Dine unterhält Verbindungen zur al-Qaida im islamischen Maghreb.

Konflikte zwischen den beiden Gruppen

Gemeinsam eroberten NMLA und Ansar Dine nach dem Putsch in der Hauptstadt Bamako um 21. März weite Teile Nordmalis. Insgesamt eine Fläche von der Grösse Frankreichs. Allerdings berichteten Anwohner damals von Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern beider Gruppen. In Timbuktu übernahm die NMLA die Kontrolle über den Flughafen, während Ansar Dine ihr Lager im Stadtzentrum aufschlug. Anwohner berichteten, dass als eine Gruppe über einem eroberten Regierungsgebäude ihre Fahne hisste, Mitglieder der anderen Gruppe anrückten und sie gegen ihre eigene Fahne austauschten. Die nun erzielte Einigung legt nahe, dass beide Seiten in den wochenlangen Verhandlungen grosse Zugeständnisse gemacht haben.

Die Übergangsregierung in Bamako kündigte an, den Norden zurückerobern zu wollen. Allerdings wurden bislang kaum Fortschritte gemacht.

Kämpfe an der Grenze zu Burkina Faso

Derweil eskaliert im weitgehend führungslosen Mali ein weiterer Konflikt: Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen zwei Volksgruppen an der Grenze zwischen Mali und Burkina Faso sind mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen.

Die Kämpfe zwischen Angehörigen der Peul aus Burkina Faso, auch Fulbe genannt, und der Dogon aus Mali hatten vergangene Woche in dem malischen Dorf Sari nahe der Grenze zu Burkina Faso begonnen, wie der burkinische Minister für Landverwaltung, Jérôme Bougouma, sagte. Bis Donnerstag seien die Leichen von mindestens 25 Burkinern gefunden worden.

Keine Ansprechpartner

Aus dem Ort flohen hunderte Menschen über die Grenze nach Burkina Faso, wie ein Journalist der amtlichen Nachrichtenagentur AIB berichtete. In den Dörfern um die burkinische Ortschaft Banh wurden demnach bis zu tausend malische Fulbe aufgenommen. Bei den Auseinandersetzungen ging es demnach um ein Stück Land, über das die Hirten vom Nomadenvolk der Fulbe normalerweise ihr Vieh trieben. Die Dogon, die Ackerbau betreiben, hätten dort jedoch gesät. Als die Fulbe dagegen protestierten, wurden sie von den Dogon angegriffen.

Es gebe bei den malischen Behörden keinen Ansprechpartner, mit dem über ein Ende der Kämpfe verhandelt werden könne, sagte Minister Bougouma. Die Lage in dem westafrikanischen Land ist äusserst angespannt, nachdem im März eine Gruppe von Soldaten die Macht an sich gerissen und Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt hatte. Nach dem Putsch gelang es Tuareg-Rebellen und bewaffneten Islamisten binnen weniger Tage, praktisch ohne Gegenwehr der malischen Armee grosse Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen. (mrs/dapd)

Erstellt: 27.05.2012, 09:04 Uhr

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