«Schockiertes» China stellt sich hinter Pakistan

Nach dem Nato-Angriff auf zwei Militärposten ist das Verhältnis zwischen Pakistan und dem Westen zerrüttet. Nun bekommt Islamabad gewichtige Unterstützung – von der Grossmacht China.

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Nach dem Nato-Luftangriff auf zwei pakistanische Militärposten im Grenzgebiet zu Afghanistan mit 24 Toten schieben sich die Parteien gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Es drohen diplomatische Verstimmungen.

Die pakistanische Armee geht von einem vorsätzlichen Angriff des Nato-Bündnisses aus. Die Afghanistan-Schutztruppe Isaf sei über den Standort eines jeden pakistanischen Armeeposten informiert, sagte Militärsprecher Athar Abbas dem Sender Geo TV. Bei dem Angriff habe es sich nicht um ein Missverständnis gehandelt.

USA kündigt Untersuchung an

Das pakistanische Militär wies auch Vorwürfe der afghanischen Armee zurück, wonach internationale Truppen zuerst von Pakistan aus beschossen worden seien und daher Luftunterstützung angefordert hätten. Abbas forderte die ausländischen Truppen auf, Opfer des angeblichen Beschusses zu präsentieren.

Derweil kündigte die USA eine eigene Untersuchung des Nato-Luftangriffs in Pakistan an. Ein Verantwortlicher dafür solle bis heute benannt werden, verlautete am Sonntag aus dem Verteidigungsministerium in Washington. Auch die Nato untersucht den Vorfall.

Möglicherweise sind afghanische Soldaten für die tödlichen Luftangriffe auf pakistanische Soldaten verantwortlich. Die afghanischen Truppen seien an der Grenze zu Pakistan unter Beschuss geraten und hätten Unterstützung der Nato angefordert, hiess es laut dem «Wall Street Journal» aus afghanischen Regierungskreisen.

Senatoren fordern harte Linie

Als Reaktion auf den Beschuss sperrte Pakistan zwei Grenzübergänge für Versorgungstransporte der internationalen Truppen in Afghanistan und verlangte die Räumung eines von den USA genutzten Luftwaffenstützpunkt. Nun forderten führende US-Senatoren ein konsequenteres diplomatisches Vorgehen gegen Islamabad.

«Harte Diplomatie» sei gegenüber Pakistan nötig, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Republikaner im US-Senat, Jon Kyl. Sein demokratischer Amtskollege kritisierte die «Inkompetenz und Korruption» in Afghanistan und warf Pakistan «Komplizenschaft» vor.

Pakistaner verbrennen Obama-Bild

Pakistan erhöht zudem nach dem Angriff seinerseits den Druck auf die USA. Pakistan drohte, die Zusammenarbeit bei den Friedensbemühungen in Afghanistan drastisch einzuschränken. «Das könnte ernste Konsequenzen für die Art und den Umfang unserer Kooperation haben», sagte Militärsprecher Abbas.

Doch nicht nur von Seiten der pakistanischen Regierung regt sich der Widerstand gegen die Militärinterventionen westlicher Nationen. Aus Empörung über den Nato-Angriff demonstrierten zahlreiche Pakistaner am Sonntag gegen die Macht der USA.

In der Hafenstadt Karachi versammelten sich vor dem US-Konsulat rund 700 Demonstranten mit Sprechchören wie «Nieder mit Amerika!» Sie verbrannten ein Bild von US-Präsident Barack Obama. In Multan wurden bei einer Demonstration mit mehr als 300 Teilnehmern US- und NATO-Flaggen verbrannt.

China «tief geschockt»

China zeigte sich «tief geschockt» über den Angriff. Der Sprecher des Aussenministeriums, Hong Lei, sagte, die Souveränität und territoriale Integrität Pakistans müsse respektiert werden. China sei sehr besorgt über den Zwischenfall, der eingehend untersucht werden müsse.

China pflegt traditionell ein enges Verhältnis zu Pakistan, das im Zuge der Verschlechterung seiner Beziehungen zu den USA eine grössere Nähe zu der aufstrebenden asiatischen Macht sucht. (wid/AFP)

Erstellt: 28.11.2011, 14:19 Uhr

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