Schweizer Missionarin in Mali verschleppt

Der Norden Malis gilt als gefährliche Region für westliche Ausländer – umso mehr, seit Rebellen die Region kontrollieren. Gestern ist eine Schweizer Missionarin von Bewaffneten entführt worden.

Sie engagierte sich im Norden Malis sozial: In der Stadt Timbuktu wurde die Schweizerin entführt.

Sie engagierte sich im Norden Malis sozial: In der Stadt Timbuktu wurde die Schweizerin entführt. Bild: Keystone

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Im Norden Malis ist gestern angeblich eine Schweizerin von Unbekannten aus ihrem Haus verschleppt worden. Laut Augenzeugenberichten war die Frau am Nachmittag von bewaffneten Männern mit Turban in der Oasenstadt Timbuktu entführt worden.

«Die Schweizerin Beatrice wurde an diesem Sonntag in Timbuktu von bewaffneten Männern entführt», sagte Mohammed Ould, ein Beamter der Stadtregierung. Ein Bewohner der Stadt sagte, er habe sechs bewaffnete Männer gesehen, die Beatrice mitgenommen hätten.

Sie spricht mehrere lokale Sprachen

Ein Nachbar der Schweizerin im Abaradjou-Quartier bestätigte die Berichte. «Sie war bekannt in der Stadt», sagte ein weiterer Bewohner von Timbuktu. Sie sei in der Stadt herumgelaufen und habe versucht, Leute (zum Christentum) zu konvertieren.

Nach übereinstimmenden Aussagen ist die rund 40-jährige Frau eine sozial engagierte Missionarin, die seit Jahren in Timbuktu lebt und mehrere lokale Sprachen spricht. Jenny Piaget, Sprecherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), sagte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, das Aussenminsterium überprüfe die Berichte.

Tuareg-Rebellen haben vor rund einer Woche die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. Die Macht wird allerdings de facto zu grossen Teilen von der islamistischen Bewegung Ansar Dine ausgeübt. Diese kontrolliert nach Berichten aus der Region alle wichtigen Städte, darunter auch Timbuktu. Fast alle westlichen Ausländer haben seither Nordmali verlassen. Anhänger der al-Qaida sind für Dutzende Entführungen westlicher Ausländer in der Sahel-Zone in den vergangenen fünf Jahren verantwortlich.

(rbi/sda)

Erstellt: 16.04.2012, 06:31 Uhr

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