Tschadische Armee tötet 250 Boko-Haram-Kämpfer in Nigeria

In der Grenzstadt Gamboru haben sich die tschadischen Streitkräfte erstmals Gefechte mit Boko Haram auf nigerianischem Boden geliefert. Sie waren für die Extremistengruppe äusserst verlustreich.

Mehrtägige Militäraktion im Nachbarland: Tschadische Soldaten auf ihren gepanzerten Fahrzeugen in der Nähe von Gamboru. (1. Februar 2015)

Mehrtägige Militäraktion im Nachbarland: Tschadische Soldaten auf ihren gepanzerten Fahrzeugen in der Nähe von Gamboru. (1. Februar 2015) Bild: Marle/AFP

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Die Streitkräfte des Tschad gehen gegen die radikale Islamisten-Miliz Boko Haram auf nigerianischem Boden vor. Bei den Kämpfen wurden laut der tschadischen Armee über 250 Boko-Haram-Kämpfer getötet. Die Jihadisten rächten sich mit einem Massaker an Zivilisten in Kamerun.

In den nigerianischen Städten Gambaru und Ngala nahe der Grenze zu Kamerun seien mehr als 200 Extremisten und neun Soldaten getötet worden, teilte die tschadische Armee am Mittwoch mit.

Zudem sei ein Angriff der Miliz auf die kamerunische Grenzstadt Fotokol abgewehrt worden. Der Informationsminister von Kamerun, Issa Tchiroma, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, mindestens 50 Islamisten seien getötet worden.

Dennoch war es den Extremisten offenbar gelungen, ein Massaker in Fotokol anzurichten: Etwa 70 Einwohner und 6 Soldaten seien dort getötet worden, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Tschadische Soldaten greifen ein

Im Kampf gegen Boko Haram war die tschadische Armee am Dienstag erstmals von Kamerun aus auf das Gebiet Nigerias vorgedrungen. Nach tagelangen Luftangriffen auf mutmassliche Stellungen der Rebellen in Gamboru überquerten etwa 2000 tschadische Soldaten den Grenzfluss. Zudem wurden auch an der Grenze zwischen dem Niger und Nigeria tschadische Truppen zusammengezogen.

Angesichts der Kämpfe in Kamerun kehrten tschadische Soldaten am Mittwoch von Nigeria aus wieder in das Nachbarland zurück, um dort in der Grenzstadt Fotokol die kamerunischen Truppen zu unterstützen. Wie in der nigerianischen Grenzstadt Gamboru durchsuchten die Soldaten aus dem Tschad auch die kamerunische Grenzstadt Fotokol nach dort verschanzten Boko-Haram-Kämpfern.

Die beiden Grenzstädte sind durch eine 500 Meter lange Brücke voneinander getrennt. Von einigen nigerianischen Grenzdörfern bei Gamboru aus ist der Übergang nach Fotokol einfach.

Für die nigerianische Armee, der es bisher nicht gelang, Boko Haram Herr zu werden, bedeutet die Präsenz tschadischer Soldaten in Nigeria nach eigenen Angaben keine Verletzung der «territorialen Integrität» des Landes.

Weiterer tschadischer Angriff möglich

Auch an der Grenze zwischen Niger und Nigeria bezogen tschadische Truppen Stellung. Ein Kontingent von etwa 400 Armeefahrzeugen und Panzern sei zwischen den ostnigrischen Ortschaften Mamori und Bosso stationiert, berichtete der nigrische Radiosender Anfani.

Nur der Fluss Komadougou Yobé trennt die beiden Orte von Nigeria. Die Region im Nordosten Nigerias ist eine der Hochburgen von Boko Haram.

Nicht ausgeschlossen wurde ein Angriff tschadischer Truppen auf den von Boko Haram kontrollierten nigerianischen Ort Malam Fatori auf der anderen Seite des Flusses. Die dort postierten islamistischen Kämpfer verfügen Augenzeugenberichten zufolge über Flugabwehrbatterien, die auf offene Kleintransporter montiert sind.

Mit Hilfe Frankreichs

Der tschadische Armee-Einsatz wird unterstützt von Frankreich, unter anderem durch Luftüberwachung von Tschad und Kamerun. Frankreich ist in der Region mit etwa 4500 Soldaten der sogenannten Operation Barkhane militärisch präsent.

Die jüngsten Offensiven erfolgen kurz vor der nigerianischen Präsidentschaftswahl am 14. Februar, bei der Staatschef Goodluck Jonathan auf eine Wiederwahl hofft. Der Präsident entging am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung im Stadion von Gombe nur knapp einem Attentat.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13'000 Menschen. Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union wurde am Wochenende die Einrichtung einer 7500 Mann starken Eingreiftruppe beschlossen. (rub/chk/sda)

Erstellt: 04.02.2015, 12:00 Uhr

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