Wie es in Hebron wirklich ist

Israel sei ein Apartheidsstaat, sagen Agitatoren. Eine Klarstellung.

Die andauernde Konfliktsituation im Nahen Osten erfordert konsequente Sicherheitsmassnahmen. Mit Apartheid hat dies jedoch nichts am Hut.

Die andauernde Konfliktsituation im Nahen Osten erfordert konsequente Sicherheitsmassnahmen. Mit Apartheid hat dies jedoch nichts am Hut. Bild: Keystone

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Bei der vorsätzlichen Delegitimierung Israels erfreut sich der Vorwurf der Apartheid grösster Beliebtheit. Auch Alon Liel, ein viel beschäftigter jüdischer «Kronzeuge» gegen Israel, bezichtigt in seinem Artikel «Ein wahrer Freund Israels» ( BaZ vom 10. Januar 2018) den jüdischen Staat der Apartheid, indem er behauptet, in Hebron, der zweitgrössten Stadt der Westbank, wären «ganze Strassenzüge für alle Palästinenser gesperrt».

Hebron, wo sich die Ruhestätten der drei Erzväter Abraham, Isaak, Jakob und ihrer Frauen befinden, ist nach Jerusalem die heiligste Stadt der Juden und eine zentrale Stätte der biblischen Geschichte. Nach der muslimischen Eroberung im siebten Jahrhundert lebten Juden in Hebron als «Dhimmis» – Menschen zweiter Klasse, bis sie 1929 anlässlich des Hebron-Massakers vertrieben wurden. Als 1967 der Sechstagekrieg die völkerrechtswidrige Besatzung Hebrons durch Jordanien beendete, durften Juden wieder in der Stadt ansässig werden.

Kein Zutritt für Juden

Seit 1998 garantiert das «Wye River Memorandum» den Palästinensern die Kontrolle über 80 Prozent von Hebron. Juden leben in einer winzigen Enklave. Zu den meisten Stadtteilen Hebrons haben Juden keinen Zutritt. Einschränkungen für Palästinenser gelten einzig für die Shuhada-Strasse – Israels berüchtigte «Apartheid-Strasse» – und auch dort nur für Palästinenser, die nicht in der Shuhada-Strasse wohnen. Eine Vorsichtsmassnahme, um Juden vor gewaltsamen Übergriffen zu schützen, die während zwei Intifadas unzählige jüdische Tote forderten. Ebenfalls Zutritt haben Journalisten, «Menschenrechtsbeobachter», Fernsehteams und Politiker aus aller Welt, denen an wöchentlichen Führungen von antiisraelischen NGOs wie «Breaking the Silence» die Apartheidlüge aufgetischt wird.

Interessanterweise wurde Israel von niemandem als Apartheidstaat bezeichnet, als Südafrika noch einer war. Erst nach dem Ende der Apartheid in Südafrika entdeckten antiisraelische Agitatoren die angebliche israelische Apartheid als Kampfbegriff, um uninformierten Menschen weiszumachen, Israel hätte ebenso wenig ein Existenzrecht wie das damalige Apartheidregime.

«Wer behauptet, Israel sei ein Apartheidstaat, lügt über Israel und die wahre Apartheid gleichermassen.»

Heute drehen wir den Spiess um und lassen bezüglich der Apartheid-Anschuldigung gegen Israel Kronzeugen aus Südafrika zu Wort kommen, wie Kenneth Meshoe, südafrikanisches Parlamentsmitglied und Präsident der African Christian Democratic Party: «Ich bin schockiert von der Behauptung, dass der freie, vielfältige, demokratische Staat Israel Apartheid praktiziere. Diese lächerliche Behauptung bagatellisiert das Wort Apartheid, minimiert und banalisiert das Ausmass des Rassismus und des Leids, das von farbigen Südafrikanern ertragen wurde, und demonstriert die Ignoranz eines jeden, der solche Anschuldigungen vorbringt. Wer behauptet, Israel sei ein Apartheidstaat, lügt über Israel und die wahre Apartheid gleichermassen.»

Nkululeko Nkosi, Vorsitzender der Universitätssektion der ANC-Jugendliga: «Stehlt uns nicht das Wort Apartheid! Wer dieses Wort benutzt, um die israelisch-palästinensische Pattsituation in Israel zu beschreiben, führt das Projekt der Entwürdigung schwarzer Südafrikanerinnen und Südafrikaner fort, indem die Einzigartigkeit des Rassismus und des Hasses negiert wird, mit dem wir damals konfrontiert wurden und den wir mit viel Blut und Tränen überwinden konnten.»

Die südafrikanische Apartheid war die institutionalisierte, staatlich festgelegte und organisierte ideologische Rassentrennung als politisches System der Unterdrückung von Teilen der eigenen Bevölkerung durch die weisse Minderheit in Südafrika, die weniger als zehn Prozent der Bevölkerung betrug. Farbige hatten kein Wahlrecht, durften keine politischen Ämter bekleiden, kein Land besitzen, mussten in getrennten Wohnvierteln leben, durften keine Weissen heiraten, durften nicht dieselben öffentlichen Toiletten benutzen wie Weisse und wurden selbst unter Lebensgefahr nicht in Spitälern behandelt, die Weissen vorbehalten waren.

Basierend auf der israelischen Unabhängigkeitserklärung haben Araber als israelische Staatsbürger die gleichen Rechte wie der Rest der Bevölkerung Israels. Sie sind wahlberechtigt, sind in der Politik vertreten, sind als Sportler in israelischen Nationalmannschaften tätig und dienen in der israelischen Armee; sie besitzen Land, eigene Geschäfte, arbeiten Seite an Seite mit Israelis in jedem Beruf ihrer Wahl und bekleiden hohe Staatsämter. So hat der arabische Richter George Karras den ehemaligen israelischen Präsidenten Moshe Katzav wegen sexueller Gewalt zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt.

1999 wurde Rana Raslan zur ersten arabischen Miss Israel gekürt, 2013 war es Yityish Aynaw, eine äthiopischstämmige Jüdin, und im Final der beliebtesten israelischen Kochshow «Masterchef» kämpften mit Jackie Azoulai, Salma Fayoumi und Tom Franz eine fromme marokkanische Jüdin, eine Araberin und ein gebürtiger Deutscher, der zum Judentum konvertierte, um den Titel. Arabisch ist wie Hebräisch eine offizielle Landessprache, und sämtliche Verkehrsschilder in Israel sind in Hebräisch, Englisch und Arabisch beschriftet. 82 Prozent der arabischen Israelis bevorzugen ein Leben in Israel, gegenüber einem zukünftigen palästinensischen Apartheidstaat, in dem gemäss Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas «kein Israeli, sei es Zivilist oder Soldat» leben dürfte.

Böswillige Verleumdung

Die Sicherheitsvorkehrungen, die Israel zum Schutz der israelischen Zivilbevölkerung vor mörderischen Anschlägen trifft, mit Apartheid gleichzusetzen, ist eine böswillige Verleumdung, auch wenn ein Jude wie Liel sie vorbringt. Das verdeutlicht ein Offener Brief von Studentenverbindungen afroamerikanischer Colleges und Universitäten an die «Students for Justice in Palestine» (SJP), die Organisatoren der «Israel-Apartheid-Week», die seit 2005 weltweit an 55 Universitäten stattfindet.

Der Brief wurde in amerikanischen Hochschulzeitungen in ganzseitigen Anzeigen veröffentlicht: «Die Anti-Israel-Kampagne Ihrer Organisation verbreitet unwahre Berichte über Israels Politik, ist ein Nährboden für Vorurteile in den Medien und gefährdet die Aussicht auf eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes.

Das Ausspielen der Apartheidkarte ist ein berechnender Versuch, Assoziationen mit dem rassistischen südafrikanischen Regime des 20. Jahrhunderts hervorzurufen. Diese Strategie ist genauso durchsichtig wie niederträchtig. Anstand, Gerechtigkeit und die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung im Nahen Osten machen es erforderlich, dass wir eine unverzügliche Beendigung der absichtlichen falschen Verwendung von Worten und der ungeheuerlichen Fehldarstellung Israels fordern.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.03.2018, 10:13 Uhr

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