Chinas Ambitionen in Afrika

Staatschef Xi Jinping bereist derzeit den schwarzen Kontinent und baut dabei das Engagement seines Landes aus.

Ehrengarde in Johannesburg. Der chinesische Präsident Xi Jinping nimmt in Südafrika am Gipfel der Brics-Staaten teil. Bild: Keystone

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Nichts hat Afrika seit der Jahrtausendwende mehr verändert als das Vorrücken Chinas. Ging es dabei zunächst vor allem um den Zugriff auf Rohstoffe, für deren Nutzung China in Afrika Infrastruktur baute, kommen nun auch geopolitische Aspekte stärker ins Spiel. Symptomatisch dafür ist die gegenwärtige Afrikareise des chinesischen Staatschefs Xi Jinping. Nach Aufenthalten im Senegal, dem Stabilitätsanker von Westafrika, und beim neuen Hoffnungsträger Ruanda, ist Xi inzwischen nach Südafrika weitergereist. Dort nimmt er am zehnten Gipfel der Brics-Staaten teil, zu denen neben China und Südafrika auch noch Brasilien, Russland und Indien gehören. «Das Treffen in Johannesburg gibt den Teilnehmern die Gelegenheit, gemeinsam einige der Prinzipien zu betonen, die US-Präsident Donald Trump zuletzt so unterhöhlt hat», sagt Simon Freemantle, Afrika-Spezialist bei Standard Bank. Neben dem Freihandel dürften die Brics-Staaten nach seiner Ansicht auch einen starken Nachdruck auf die Notwendigkeit der vorhandenen globalen Institutionen legen.

In Südafrika versprach Xi seinen Gastgebern am Dienstag fast 15 Milliarden Dollar an Investitionen, darunter ein langfristiges Darlehen der China Development Bank in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar an den schwer angeschlagenen staatlichen Strommonopolisten Eskom, dessen Kapitalbedarf damit für dieses Jahr nun zu fast Zweidritteln gedeckt ist. Zuvor hatte Xi bereits im Senegal zehn Verträge unterzeichnet, unter anderem in den Bereichen Infrastruktur, Luftfahrt und Justiz.

Militärbasis und Ideologietransfer

Fast überall in Afrika finanziert und baut China derzeit kostengünstig riesige Infrastrukturprojekte, die Teil einer neuen «Seidenstrasse» sind, durch die Xi Asien mit Europa, dem Nahen Osten und Teilen von Afrika verbinden will. Mit einem Volumen von bis zu einer Billion Dollar wollen die Chinesen dabei so viel Geld für diese «Belt-und-Road-Initiative» mobilisieren, wie seit dem Marshallplan international nicht mehr geflossen ist.

Doch ihre Ambitionen scheinen längst über den Bau eines riesigen Transportsystems zu Land, Luft und Wasser hinauszugehen: Erst im vergangenen Jahr hatte China mit der Eröffnung einer Militärbasis im Zwergstaat Dschibuti am Horn von Afrika seinen ersten Stützpunkt im Ausland seit Ende des Koreakrieges eröffnet. Die Militärbasis am Suezkanal ist vor allem als Logistikzentrum für seine Marine gedacht, die China zum Schutz von Handelsschiffen am – neuerdings wieder vermehrt von Piraten geplagten – Horn von Afrika stationiert hat. Auch ist China aktiv an Friedenseinsätzen der UNO beteiligt.

Daneben versucht sich das Land aber auch im Ideologietransfer: So möchte seine Führung das chinesische Kadersystem unbedingt nach Afrika exportieren, um dadurch engere Beziehungen zu den oft allein am eigenen Machterhalt interessierten, autokratischen Regimen des Kontinents zu schmieden. Menschenrechte stehen dabei nicht zur Diskussion. Seit dem Sturz des kommunistischen Militärregimes 1991 folgt vor allem Äthiopien, aber inzwischen auch Ruanda dem chinesischen Entwicklungsweg: so wenig Demokratie wie nötig, so viel Staatskapitalismus wie möglich.

Mehr afrikanische Studenten

China gewinnt aber auch auf weniger sichtbare Weise an Einfluss: Beobachter verweisen etwa darauf, dass die Zahl afrikanischer Studenten in China vor zwei Jahren erstmals die Zahl der Afrikaner überstiegen hat, die in Grossbritannien oder Amerika studieren, den traditionellen Studienplätzen. So hat China zuletzt Zehntausende Stipendien an Afrikaner verliehen.

In der Bewertung Chinas in Afrika scheint sich dieses Vorgehen allmählich auszuzahlen: So ermittelte der Umfragedienst Afrobarometer, dass rund Zweidrittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern China für einen «guten Einfluss» halten, auch wenn dort mehrheitlich noch immer das amerikanische Entwicklungsmodell bevorzugt wird.

Das könnte sich auch deshalb ändern, weil ein Grossteil des chinesischen Engagements in Afrika wirtschaftlich motiviert ist. Chinesische Kredite und Baufirmen haben die verheerende Infrastruktur des schwarzen Kontinents bereits jetzt nachhaltig verändert, etwa das städtische Nahverkehrssystem in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, das China innerhalb von nur drei Jahren für rund 500 Millionen Euro aus dem Boden gestampft hat. China finanziert und baut jedoch auch Häfen, Strassen, Stadien sowie die Wohn- und Amtssitze vieler afrikanischer Präsidenten. Auch fliessen viele Investitionen in Minen, Fabriken und Einkaufszentren.

Zusagen statt konkreter Geldfluss

Doch es gibt auch Probleme. So werden Chinas Investitionen in Afrika an Grösse oft überschätzt, weil es sich dabei zumeist nur, wie jetzt auch im Fall von Südafrika, um Zusagen statt konkrete Geldzuflüsse handelt. Der Ökonom David Dollar kommt bei Untersuchungen jedenfalls zu dem Ergebnis, dass China derzeit nur für etwas mehr als fünf Prozent aller Investitionen in Afrika verantwortlich zeichnet – und sein Anteil bei Neuinvestitionen etwa ebenso gross ist. Demgegenüber sei das amerikanische Investitionsvolumen noch immer mehr als doppelt so hoch.

Dennoch ist Chinas Ausgriff in Afrika insgesamt betrachtet von hoher Bedeutung: China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Afrikas und hat sein Engagement im Gegensatz zu den USA, dessen Präsident sich nicht besonders für den Kontinent zu interessieren scheint, kontinuierlich aus-gebaut. Die Unternehmensberatung McKinsey glaubt, dass derzeit etwa 10'000 chinesische Firmen in Afrika aktiv sind – 90 Prozent davon in privater Hand. Die meisten machten gute Profite, in einigen Fällen amortisieren sich Investitionen sogar schon binnen eines einzigen Jahres.

Allerdings werfen im Gegensatz dazu die grösseren Infrastrukturvorhaben weit weniger Gewinn ab. Megaprojekte wie die Bahnlinie zwischen Kenias Küstenstadt Mombasa und der Hauptstadt Nairobi sind nicht profitabel und dürften dies nach Ansicht von Insidern wohl auch noch nicht werden. Noch ungewisser sind die Aussichten in schlecht regierten Ländern wie Kongo und Angola, wo China die Benguela-Bahn von der Küste an den kongolesischen Kupfergürtel ohne viel Erfolg modernisiert hat. Hier scheint das Land sogar die Fehler der westlichen Entwicklungshilfe mit ihren überzogenen Grossprojekten zu wiederholen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.07.2018, 14:11 Uhr

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